Eintauchen in die Abgründe des Bösen

Autor Axel Petermann liest im Kasch

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Vor ausverkauften Rängen im Blauen Saal führte Autor Axel Petermann seine Zuhörer in eine abscheulich böse Parallelwelt. Der Roman beschreibt einen Fall, der sich tatsächlich zwischen 1994 und 1996 in Norddeutschland ereignet hat. 

Achim - Von Ingo Schmidt. Welche irrsinnigen Motive stecken hinter einer Bluttat und wie rechtfertigen Täter ihr Handeln? Antworten darauf liefert real-beispielhaft der neue True-Crime-Thriller von Axel Petermann. Diesen präsentierte er am Freitagabend bei einer Lesung im Kulturhaus Alter Schützenhof (Kasch), zu der die Buchhandlung Hoffmann eingeladen hatte. Für sein aktuelles Werk mit dem Titel „Die Elemente des Todes“ hat sich der ehemalige Profiler die Unterstützung und Erfahrung des Krimi-Autoren Claus Cornelius Fischer hinzugeholt. Gemeinsam haben die beiden Autoren einen Roman erschaffen, der die Motivlage einer wahren Begebenheit rekonstruiert.

Axel Petermann wurde in seiner beruflichen Karriere als Leiter der Bremer Mordkommission vielfach mit Tötungsdelikten konfrontiert. In seinen Büchern beleuchtet er die verborgenen Umstände, die zu den Morden führten.

Auf Grundlage von Gesprächsprotokollen rekonstruiert Petermann den Mordhergang und schildert haarklein und schauerlich in aller Grausamkeit die Gräueltaten seines Roman-Mörders. „Die Orte, Personen und Dialoge habe ich natürlich verändert“, stellt Petermann klar, „aber das Grauen dieser Morde und die Banalität, die ihnen zugrunde liegen, bleiben unverändert.“

So beschreibt der 66-Jährige, wie Menschen – manchmal aus guten sozialen Verhältnissen stammend – zu Mördern werden, und sich zum Schutz eine Parallelwelt erschaffen. „Ich bin kein Mörder“, wird Roman-Täter Daniel Becker zitiert, „aber ich kann Menschen verschwinden lassen.“

Becker benennt seine Opfer nach Alter mit jeweils dazugehörigen chemischen Elementen des Periodensystems: Die 27-jährige Nicole heißt Kobalt, den 24-jährigen Radjif nennt er Chrom. Der Mörder bildet sich ein, er habe erkannt, dass seine Opfer nicht mehr leben wollen und helfe ihnen lediglich. „Ich spüre, wenn Menschen sterben wollen“, glaubt Becker. Tatsächlich jedoch, und das wird Kommissar Kiefer Larsen aufdecken, sind die Motive Eifersucht, Geldgier und Fremdenhass.

Aber der Weg zur Lösung des Falles ist steinig. Axel Petermann beschreibt, wie Larsen Fakten und Daten sammelt, die mit dem Fall in Verbindung stehen könnten, ohne diese zu bewerten. „Profiler suchen die Spur hinter Spur“, erklärt der Experte, „mögliche Erklärungen muss sich der Analytiker verkneifen, weil manche Tatbestände andere überlagern.“

Larsen seziert die Tötung in Sequenzen: Welche Entscheidungen hat der Täter getroffen? Welche Art Verletzungen hat er seinen Opfern zugefügt? Was hat der Täter nach der Tat mit der Leiche angestellt? Antworten auf diese Fragen führen schließlich zu einer Persönlichkeitsstruktur, dann zu seinem Motiv und letztlich zum Täter und seinen Komplizen.

Die Lesungen von Axel Petermann ziehen die Zuhörer in den Bann des Bösen, denn alle Ereignisse beruhen auf wahren Begebenheiten. Besonderen Charme entwickeln seine Vorträge durch Anekdoten und Anmerkungen, in denen der Fachmann über Kriminaltechnik und Fallanalytik, über Fehlerquellen sowie Zufälle und Kuriositäten berichtet, die zur Lösung eines Falles führten.

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