Achimer Kieferorthopäde findet: „Impfkapazitäten nutzen“

Ärger über starre Impf-Reihenfolge

Das Foto zeigt ein Impfzentrum in Köln.
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In Nordrhein-Westfalen können sich Menschen ab 60 Jahren seit gut einer Woche mit dem Wirkstoff von Astrazeneca gegen das Coronavirus impfen lassen. Der Ansturm auf die Impftermine für die Altersgruppe 60 plus hatte schon am frühen Morgen des Karsamstags zu überlasteten Leitungen am Telefon und im Internet geführt. Das Foto zeigt ein Impfzentrum in Köln.

Achim – Dr. Peter Stolz betreibt eine Praxis für Kieferorthopädie in Achim, also eine medizinische Einrichtung mit regelmäßigem Patientenkontakt. Da sie zu einer Berufsgruppe mit hoher Impfpriorität zählen, erhielten er und seine Mitarbeiter einen Impftermin gegen das Coronavirus, zunächst für den 18. März. Der wurde wegen der Aussetzung des Astrazeneca-Impfstoffs für unter 60-Jährige storniert.

Der neue Termin am 9. April ebenfalls. Die Begründung: Laut dem Landkreis Verden steht Alternativ-Impfstoff nicht in ausreichender Menge zur Verfügung. Und die wenigen Berechtigten über 60 Jahre lasteten die „Impfstraße“ an der Lönsschule in Verden nicht genug aus, weshalb diese geschlossen werden müsse. Stolz fragt nun, warum nicht ausnahmsweise kurzzeitig von der Impf-Reihenfolge abgewichen werden kann.

„Es geht doch letztendlich um die Immunisierung der gesamten Bevölkerung“, argumentiert der Fachzahnarzt. „Warum keine kurze Pressemitteilung, dass sich Impfwillige über 60 in einer vorgegebenen Anzahl am Impfzentrum einfinden können, wie in anderen Landkreisen zu Ostern bereits geschehen, um den vorhandenen Impfstoff und die vorhandenen Impfkapazitäten zu nutzen?“ Diese „unflexible Herangehensweise“ werde in der Konsequenz „mehr Infektionen, mehr schwere Verläufe und auch Todesfälle“ zur Folge haben.

Auf Nachfrage beim Landkreis erhielten Peter Stolz und seine Mitarbeiter die Zusage für einen neuen Impftermin, „voraussichtlich kommenden Sonntag“. Die Impf-Reihenfolge richte sich nach einer Verordnung des Bundes, die Vergabe der Termine laufe über das Landesimpfportal, erklärt Andrea Schröder, Mitarbeiterin im Gesundheitsamt Verden.

„Die gelieferten Impfstoffkapazitäten müssen im Impfzentrum Verden unter Beachtung der Priorisierung nach der Corona-Impfverordnung verimpft werden. Demnach bestehen keine rechtlichen Handlungsspielräume für die von Ihnen vorgeschlagenen Veränderungen zur Impf-Reihenfolge“, schreibt Schröder und fügt hinzu: „Inhaltlich hält der Landkreis Verden die Abschaffung der starren Impfverordnung allerdings, ebenso wie Sie, für überfällig.“

Warum wurde in diesem Fall nicht ausnahmsweise von der Impf-Reihenfolge abgewichen? Kerstin Wolff von der Pressestelle des niedersächsischen Sozialministeriums teilt dazu mit: „Wir gehen davon aus, dass es in der derzeit vorgesehenen Gruppe genügend Impfwillige gibt, die sich auch mit Astrazeneca impfen lassen wollen.“ Die Impfvorschrift einzuhalten, ist aus Sicht des Landesministeriums offenbar das Nonplusultra: Ziel der Priorisierung sei, den Impfstoff „so effektiv wie möglich einzusetzen, nämlich, die Menschen zu impfen, die ein hohes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf oder ein hohes Ansteckungsrisiko haben“.

Die Verschiebung von Impfterminen wegen der Aussetzung von Astrazeneca wirft weitere Fragen auf. Was passiert mit Menschen unter 60 aus systemrelevanten Berufen, die bereits die erste Impfdosis erhalten haben? Wird im zweiten Durchgang ein anderer Wirkstoff verabreicht oder muss die erste Impfung mit Biontech wiederholt werden? Dafür scheint es noch keine Lösung zu geben: „Wer bereits eine Erstimpfung mit Astrazeneca erhalten hat, muss sich noch etwas gedulden. Dies wird noch zwischen Bund und Ländern abgestimmt“, schreibt Pressesprecherin Wolff weiter. Die Ständige Impfkommission habe bereits empfohlen, mit einem anderen Impfstoff zu impfen. „Allerdings sieht die Corona-Impfverordnung das noch nicht vor. Hier sollte eine Änderung durch den Bund erfolgen.“

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