Bäckereibetrieb zieht für zehn Jahre in Geschäftshaus am Glockenspiel

Abriss vom Tisch – Stadtcafé sichert sich „Sahnestück“

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In das weitgehend verwaiste Wohn- und Geschäftshaus am Bibliotheksplatz zieht bald wieder Leben ein. Im Spätherbst will Garde dort im Erdgeschoss ein modernes Stadtcafé eröffnen. Allerdings könnte das die geplante Stadtentwicklung blockieren. 

Achim - Von Michael Mix. An einer der besten Adressen in der Achimer Innenstadt, dem früheren Nientkewitz-Gebäude, wird schon bald wieder Leben einkehren. Im Erdgeschoss des derzeit weitgehend leerstehenden markanten Wohn- und Geschäftshauses unweit des Glockenspiels und direkt am Bibliotheksplatz will die Achimer Bäckerei Garde noch in diesem Jahr eine große Filiale mit Café eröffnen. 

Der geplante Abriss des 2015 von der Immobilienfirma Müller und Bremermann ersteigerten Objekts und der vorgesehene Neubau an gleicher Stelle mit attraktiven Flächen für Gastronomie und Einzelhandel, der der Entwicklung der City neuen Schub verleihen sollte, ist damit allerdings für längere Zeit vom Tisch.

„Wir haben einen Mietvertrag über zehn Jahre unterschrieben“, verriet Karsten Jarick, Geschäftsführer von Garde, gestern auf Nachfrage dieser Zeitung. Mit der für den Spätherbst angepeilten Eröffnung am neuen Standort würden das bisherige Stadtcafé gegenüber vom Amtsgericht und auch die andere Filiale in der Fußgängerzone geschlossen.

Der Ratsausschuss für Wirtschaft, Stadtentwicklung, Umwelt und Verkehr billigte am Dienstagabend das Vorhaben trotz einiger Skepsis einstimmig. Für den Umbau des Erdgeschosses zu einem großen Ladenlokal setzte das Gremium die 2016 vom Rat erlassene Veränderungssperre, die dem Betrieb von Spielhallen und anderen Amüsierbetrieben in weiten Teilen der City einen Riegel vorschiebt, „ausnahmsweise“ außer Kraft.

In Absprache mit der Stadt hatte der Investor Müller und Bremermann das Haus in bester Lage eigentlich „in einigen Jahren“ dem Erdboden gleichmachen und durch ein Gebäude mit heutigen Anforderungen genügenden Geschäfts-, Büro- und Wohnflächen ersetzen wollen. Bei einem Architektenwettbewerb war dazu unter Beteiligung von Fachleuten und Bürgern sogar ein Entwurf als am besten geeignetes Modell für das Bauprojekt gekürt worden. Mit zum verabredeten Plan gehörte aber auch eine „Zwischennutzung“ der drei leerstehenden Geschäftsräume im Erdgeschoss. Doch das ist nun erstmal Makulatur.

Für zwei, drei Jahre Cafébetrieb am Glockenspiel hätten sich kostspielige Umbaumaßnahmen nicht gelohnt, sagt Jarick. „Wir brauchen eine langfristige Lösung“, habe er der Geschäftsführung von Müller und Bremermann klargemacht. Auf der anderen Seite hätten die Immobilienhändler damit gehadert, dass die von der Stadt gewünschte „große Lösung“, also auch der Abriss benachbarter Häuser und Neubauten an deren Stelle, aufgrund der Eigentumsverhältnisse ein schwieriges, sich hinziehendes Unterfangen sei. So habe er Müller und Bremermann einen langfristigen Mietvertrag schmackhaft machen können.

Am künftigen Standort „im Herzen von Achim“ wolle Garde, die frühere „Achimer Stadtbäckerei“, ein neues Konzept umsetzen, berichtet Jarick. Neben dem Verkauf von „Backwaren in großer Vielfalt“ werde es „umfangreiche Frühstücksangebote“ und „bäckertypische Snacks“ für die Kunden geben. In Rotenburg und weiteren Garde-Filialen sei das moderne Konzept bereits verwirklicht worden und komme dort gut an.

Das vorhandene Stadtcafé in Achim habe dafür jedoch „nicht den richtigen Zuschnitt“. Beim Objekt mitten in der Fußgängerzone sei das anders. Die drei freien Ladenlokale dort eigneten sich bestens für das Vorhaben.

Gemeinsam mit dem Eigentümer sei ein Entwurf für den Umbau entwickelt worden. „Wir haben massive Veränderungen der Fronten des Gebäudes vor. Da muss Licht rein, und der Kunde muss rausgucken können“, erläutert Karsten Jarick. Neben „70 bis 80 Plätzen“ innen sei auch eine „große Außenbestuhlung“ geplant, vor allem auf dem Bibliotheksplatz.

Den Bauantrag beim Landkreis habe er bereits gestellt. Für Juli oder August rechnet Geschäftsführer Jarick mit dem Beginn der Bauarbeiten. „Und einige Monate später wollen wir dann eröffnen.“

Das bestehende Stadtcafé gegenüber vom Amtsgericht und die zweite Garde-Filiale in der Fußgängerzone sollen mit dem Betriebsstart am neuen Standort geschlossen werden.

Die Verwaltung begrüße die „angedachte Zwischennutzung für einige Jahre“, äußerte Stadtplanerin Dr. Monika Nadrowska bei dem kurzfristig auf die Tagesordnung gesetzten Beratungspunkt im Ausschuss etwas nebulös. Aber auch ein dauerhafter gastronomischer Betrieb sei dort sinnvoll, fügte sie an.

„Gut, dass da was passiert“, sagte Peter Bartram (Grüne). Aber er habe Bauchschmerzen, wenn damit die Entwicklung der Innenstadt blockiert werde. Den fraktionslosen Larne Sprenger trieb die Sorge um, dass durch den neuen Betrieb bestehende Cafés in ihrer Existenz gefährdet werden könnten. „Der Bibliotheksplatz ist für solch eine Nutzung bestens geeignet“, entgegnete ihm Nadrowska.

„Wir bekommen hier mitgeteilt, dass die Umgestaltung der Innenstadt auf einem Schlüsselgrundstück ins Stocken gerät“, stellte Petra Geisler (SPD) fest. „Aber welche Alternative haben wir?“ Statt eines großen Wurfs, bemängelte Hans Baum (FDP), gebe es in Achims guter Stube weiterhin eine „kleinteilige Puzzelei“.

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