Marina Kortjohann geht in den Ruhestand

Abschied nach 30 Jahren als Pastorin in Achim

Pastorin Marina Kortjohann wird am Sonntag in der St.-Laurentius-Kirche verabschiedet.
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Pastorin Marina Kortjohann wird am Sonntag in der St.-Laurentius-Kirche verabschiedet.

Achim – Ab Sonntag wird Marina Kortjohann sehr viel Zeit haben – zumindest ab dem Nachmittag, dann nämlich, wenn sie ihren letzten Gottesdienst in Achim absolviert haben wird. Beziehungsweise: Wenn sie in der St.-Laurentius-Kirche unter Einhaltung der corona-bedingten Hygieneregeln verabschiedet wurde. Dann heißt es: Ruhestand. Und viel Zeit für’s Lesen, für’s Schlafen, für’s Kochen, für den Garten, für all die Dinge eben, die in den letzten Jahren das eine oder andere Mal durchaus zu kurz gekommen sind.

Was überwiegt denn gerade, die Traurigkeit über den nahenden Abschied oder doch die Freude über ganz viel künftige Freizeit? „Ich gestehe, dass es gegenwärtig doch langsam die Freude ist“, sagt die 64-Jährige lachend; das liege aber auch daran, dass sich das weinende Auge schon reichlich ausgeweint habe, jetzt sei das Lachende an der Reihe. Aber natürlich sei sie angesichts dieses Tages auch wehmütig – kein Wunder, nach 30 Jahren Kirchenarbeit in Achim.

Sie erinnert sich noch gut an den Tag, als sie vor ziemlich genau 30 Jahren hier anfing: gerade sei sie von Hannover nach Achim gezogen, ihr Vorgänger habe ihr noch Blumen vorbeigebracht. Zuvor war Marina Kortjohann, die in Hambergen aufwuchs, bereits in der Stiftskirche Oberkirchen (bei Bückeburg) und im Landeskirchenamt Hannover tätig gewesen.

Doch der Reihe nach. Von Anfang an vorgezeichnet sei die kirchliche Laufbahn keineswegs gewesen, sagt die Pastorin, vielmehr habe der Einfluss einer Freundin und deren Familie eine entscheidende Rolle gespielt – das sei durchaus prägend gewesen, so Kortjohann, die auch den Vortrag des Matthäus-Evangeliums in einer Jugendgruppe als eines der wichtigsten Ereignisse anführt: „Jeden Tag gab es ein Kapitel, das hat mich wohl auf die richtige Spur gebracht.“

Während ihrer Zeit auf dem Gymnasium war sie bereits in der Kirche engagiert, und schnell sei klar gewesen, dass sie Theologie studieren wolle. „Ich habe mich von Anfang an sehr wohl in der Kirche gefühlt. Ich habe früh gedacht, das könnte mein Weg sein.“ Das Studium folgte dann auf dem Fuße: In Bethel bei Bielefeld, in Tübingen, in München, wieder in Tübingen und schließlich –bereits nach dem Examen –noch zwei Auslandssemester in Paris. Die Zeit in Frankreich ist ihr besonders lebhaft in Erinnerung: „Es war sehr spannend, weil man als evangelische Theologin dort doch sehr in der Minderheit ist.“ Sie habe es dennoch sehr genossen, als Liebhaberin der europäischen Kunstgeschichte sei sie unter anderem in vielen alten Kirchen gewesen: „Das war großartig.“

Nach einem Volontariat, einem Vikariat und den erwähnten Stationen kam sie 1991 also nach Achim, wo sie die folgenden 30 Jahre verbringen sollte – und sich dabei immer sehr wohl gefühlt hat. Nebenbei war sie zwischendurch zwölf Jahre lang auch noch Mitglied der Landessynode Hannover: „Für mich war das das Tor zum Horizont“, so Kortjohann.

Sie habe immer Lust auf Neues gehabt, sagt sie, wenn sie heute auf ihre gesamte Kirchenlaufbahn zurückblickt; besondere Freude hätten ihr die ökumenischen Treffen bereitet – und natürlich die Aufgabe, Kinder und Jugendliche an den Glauben heranzuführen. Gerne hat sie sich stark gemacht für die Ideen, die ihr gefielen; wenngleich ihr das Unterstützen der Ideen von anderen leichter gefallen sei als das Initiieren von eigenen. Ihre Stärken sieht sie vor allem im Seelsorgerischen, im Zuhören und im empathischen Einwirken – „manchmal mache ich auch den Mund auf“, lacht sie.

Ein wesentlicher Bestandteil der Kirchenarbeit von heute sei nach wie vor die Trauerarbeit, wenngleich sie weiß: „Trauer kann man den Menschen nicht abnehmen, man kann ihnen aber zuhören und ihnen einen Besuch anbieten.“ Ist die Kirchenarbeit heute schwieriger als damals? „Ich denke tatsächlich, dass es früher etwas einfacher war“, sagt sie, „wenn man die Menschen heute erreichen will, muss man sie wirklich überzeugen, man kann sich nicht mehr so wie einst auf die Traditionen berufen.“ Das äußert sich bekanntlich in den Zahlen. Als sie hier anfing, habe St. Laurentius 14 000 Gemeindemitglieder und fünf Pastoren gehabt, heute seien es etwa 8 000 und nur noch drei Stellen. Die Corona-Pandemie hat den Kirchen ihre Arbeit natürlich auch nicht leichter gemacht: Das letzte Jahr sei fast schon wie Vorruhestand gewesen, so die scheidende Pastorin seufzend. Dennoch: Gutes könne man immer tun, auch in diesen Zeiten.

Von Frank Schümann

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