Auch giftige Töne bei Bürgerinformation zur „Flüchtlingshalle“

Viele wollen den neuen „Obdachlosen“ helfen

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Zahlreiche Besucher ergriffen bei der Informationsveranstaltung im proppevollen Saal des Gasthauses Gerken das Wort.

Uphusen - Rund 100 Flüchtlinge werden nach Angaben von Landrat Peter Bohlmann voraussichtlich morgen Abend die Uphuser Sporthalle beziehen. Ein Thema, das viele Einwohner des Achimer Ortsteils bewegt. Als der Landkreis und die Stadt am Mittwochabend dazu eine Informationsveranstaltung anboten, drängelten sich schätzungsweise 250 Personen im proppevollen Saal des Gasthauses Gerken.

Die Sitzplätze reichten bei weitem nicht aus, ein Großteil der Besucher verfolgte die überwiegend sachlichen Wortbeiträge stehend. Die mitunter gereizte, aufgeheizte Stimmung im Saal wich am Ende einer wohlwollenden Atmosphäre und dem von zahlreichen Einwohnern bekundeten Wunsch, den Neuankömmlingen helfen zu wollen. Aber zuvor gab es eine Reihe von Fragen.

Wie lange werde denn die Sporthalle am Arenkamp von Flüchtlingen belegt sein, „wann steht sie denn den Sportlerinnen und Sportlern des TB Uphusen wieder zur Verfügung?“, wollte eine Frau wissen. „Wir wollen den alten Zustand so schnell wie möglich wieder herstellen. Ein Datum zu nennen, wäre jedoch unseriös“, antwortete Landrat Bohlmann. Er habe mehrere leere Gewerbehallen als Ausweichquartiere auf dem Zettel.

Ein Mann forderte, dass die Flüchtlinge Beschäftigungsmöglichkeiten haben müssten. Sie könnten doch zum Beispiel als Schülerlotsen eingesetzt werden, schlug er vor.

In einer Erstaufnahmeeinrichtung, wie sie die Sporthalle Uphusen für die direkt von der österreichisch-deutschen Grenze nach Achim kommenden Flüchtlinge darstellt, seien Arbeitseinsätze nicht vorgesehen, sagte Bohlmann. Die in Embsen Gestrandeten packten mit an, wenn es darum geht, die dortige Turnhalle und die Wege drumrum zu säubern, ergänzte Flüchtlingsbetreuer Dirk Ysker. „Sie wollen ein sauberes Umfeld; sie räumen und wischen die Tische selbst ab, saugen Staub, fegen aus“, hat Bürgermeister Rainer Ditzfeld beobachtet.

„Die Flüchtlinge brauchen nach der langen, aufreibenden Flucht zuerst mal Ruhe“, stellte die Embsenerin Bettina Brandt unter großem Beifall fest. „Der Tagesablauf kommt dann.“

Ein Zuhörer bezweifelte, dass die von Bohlmann genannten „zwei bis drei Sicherheitskräfte“ für die Uphuser Halle genügen. Aller Erfahrung nach reichten die aus, bekräftigte der Landrat. Und vor Ort seien ja auch die Betreuer vom Roten Kreuz und zudem Dolmetscher, die helfen, sprachliche Barrieren zu überwinden.

Die Verpflegung der 100 Männer, Frauen und Kinder übernehme die Küche der Aller-Weser-Klinik in Achim, informierte er weiter. Der Landkreis stelle in der Halle Waschmaschinen bereit.

Bisweilen wurde es im Saal allerdings auch giftig. „Warum haben Sie nicht Stopp gesagt? Sie hätten die Zuweisung der Flüchtlinge durch das Land Niedersachsen doch ablehnen können“, hielt ein Besucher dem Landrat mehrfach vor.

„Was wollen Sie?“, antwortete Bohlmann. In Bremen seien zig Sporthallen schon seit dem vorigen Jahr belegt. Verden zähle nun zu den 20 Landkreisen in Niedersachsen, die „Erstaufnahmegebiet“ seien. „Im Rahmen der Amtshilfe“ habe ihn die Landesregierung darum „gebeten“, erläuterte der Landrat. Letzten Endes, fügte er vor allem mit Blick auf den nahenden Winter an, gehe es doch um die „Bekämpfung von Obdachlosigkeit“, wofür es prasselnden Applaus aus dem Saal gab.

„Ich bin mir sehr sicher, dass wir auch in Uphusen erleben, dass Menschen den Flüchtlingen helfen werden“, bekundete der langjährige Ortsausschuss-Vorsitzende Hans-Jürgen Wächter zum Schluss. Und dann strömten viele auf seinen Nachfolger Herfried Meyer zu, um tatsächlich ihre Unterstützung für die „Neuen“ anzubieten.

mm

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