37 Unfälle innerhalb von 23 Tagen

Wildwest auf A1: Polizei schlägt Alarm - und hängt Warnplakate in Raststätte auf

Schwere Verletzungen zog sich der Fahrer dieses Lastwagens zu. Er hatte auf seinem Weg Richtung Bremen kurz hinter der Auffahrt Oyten ein Stauende zu spät bemerkt.
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Schwere Verletzungen zog sich der Fahrer dieses Lastwagens zu. Er hatte auf seinem Weg Richtung Bremen kurz hinter der Auffahrt Oyten ein Stauende zu spät bemerkt.

Acht Menschen verletzt, zwei davon schwer. 37 Unfälle innerhalb von 23 Tagen. Unzählige Beinahe-Kollisionen. Rettungsgassen, die nicht gebildet werden. Reihenweise Verstöße gegen das Handy-Verbot am Steuer. Seit der vorletzten Juni-Woche herrscht Wildwest auf der Autobahn 1 zwischen Posthausen und Uphusen. Jetzt zieht die Polizei die Notbremse. Sie fährt sämtliche Kontroll-Möglichkeiten auf, gleichzeitig kommt es zu Tempo-Beschränkungen.

Update vom 24. Juli: Um im Verlauf der Autobahn 1 alle Verkehrsteilnehmer auf Staus und Baustellen aufmerksam zu machen, hat die Polizei nun Plakate aufhängen lassen. Die Hinweise hängen in der Raststätte Grundbergsee, die sich kurz vor dem Unfallschwerpunkt am Bremer Kreuz befindet. Den Beamten geht es darum, auf die Gefahren von Ablenkung am Steuer und fehlendem Abstand hinzuweisen. Diese Umstände führten immer wieder zu schweren Verkehrsunfällen, heißt es bei Twitter.

Originalartikel vom 16. Juli: Landkreis Verden – Ein 68-jähriger Mercedes-Fahrer kracht mit seinem Wagen bei hoher Geschwindigkeitkeit in einen Sattelzug, ein Lastwagenfahrer übersieht den Stau vor ihm und dann rumst es nur noch. Alles keine Einzelfälle mehr. Nicht weniger als 37 Unfälle nahm die Polizei seit dem 23. Juni auf auf der A 1 in Fahrrichtung Bremen auf, rechnerisch ungefähr anderthalb pro Tag. Auslöser jedes Mal: Baustellen vor der Anschlussstelle Hemelingen, Folge: Ein Stau, der bis weit in den Kreis Verden reicht.

Und wenn es denn gescheppert hat, oder gerade noch alles gut gegangen ist, sträuben sich den Beamten zuweilen die Haare. Mal schenkte der Fahrer dem Handy mehr Beachtung als den Autos vor ihm, mal las er Zeitung im Stau, mal führte er ein angeregtes Gespräch. Schon seit Februar vergangenen Jahres führt die Polizei deshalb nach eigenen Angaben mit einer Reihe technischer Hilfsmittel das Projekt „Ablenkung im Führerhaus“ durch. Überwacht werde vor allem der Schwerlastverkehr, um schwere Verkehrsunfälle unter Beteiligung von Lastwagen zu reduzieren. Aber auch Autofahrer würden kontrolliert. Und die Vorfälle lassen sich inzwischen mit guten Fotos beweisen. Auf diese Weise wurden im laufenden Jahr bereits 39 Verstöße bei Autofahrern und deren 115 bei Lastwagenfahrern registriert. Das Projekt soll nach Polizei-Angaben nun verstärkt auf der Autobahn 1 zwischen Posthausen und Uphusen durchgeführt werden. Zudem führe die Autobahnpolizei Langwedel in diesem Bereich bereits regulär Abstands- und Geschwindigkeitsmessungen durch.

Und hat es dann gekracht, taucht das nächste Problem auf: Die Rettungsgasse, die nur zögerlich entsteht. „Seit Beginn der Baustelle bei Uphusen haben wir rund 20 Verstöße registriert und entsprechende Ordnungswidrigkeitenverfahren eingeleitet“, sagt Ulrich Winter, Leiter des Einsatz- und Streifendienstes der Autobahnpolizei Langwedel.

Für die Dauer der Baustelle zwischen Uphusen und Hemelingen reagieren jetzt einer Pressemitteilung zufolge auch die federführenden Straßenbaubehörden Bremen und Verden. Bisher wurde die Geschwindigkeit im Bereich vor der Baustelle automatisch an den aktuellen Verkehrsfluss angepasst, zusätzlich verrichteten zwei Stauwarntafeln ihren Dienst. Künftig gelten ab der Auffahrt Posthausen in Richtung Bremen neue Regeln. Zunächst werde ein Tempolimit von 120 Stundenkilometern und ein Überholverbot für Lastwagen eingerichtet. Vor der Anschlussstelle Oyten wird die Geschwindigkeit bis zum Bremer Kreuz dann auf 100 Stundenkilometer beschränkt. Danach regelt die automatische Verkehrsbeeinflussungsanlage die Geschwindigkeit je nach Verkehrsaufkommen. Außerdem werde die mobilen Stauwarnanlage erweitert werden. Umgesetzt würden diese Maßnahmen „zeitnah“. kra

Warnblinklicht, Rettungsgasse, Warndreieck, Bußgelder: Hinweise der Polizei

Sollte es zum Stau kommen oder der Verkehr stocken, rät Anika Wrede, Verkehrssicherheitsberaterin der Polizeiinspektion Verden: „Schalten Sie ihr Warnblinklicht ein, um andere auf die mögliche Gefahrensituation aufmerksam zu machen, und bilden Sie umgehend eine Rettungsgasse.“ Dafür fahren Verkehrsteilnehmer auf der linken Spur möglichst weit links und auf allen anderen Fahrspuren möglichst weit rechts, damit den Rettungs- und Einsatzkräften ein problemloses Hindurchfahren ermöglicht wird. Wer auf der Autobahn keine Rettungsgasse bildet, obwohl der Verkehr stockt, müsse mit einem Ordnungswidrigkeitenverfahren rechnen. Gleiches gelte, würde einem Einsatzfahrzeug mit Blaulicht und Martinshorn nicht sofort freie Bahn geschaffen. Bußgelder bis zu 320 Euro drohen ebenso wie zwei Punkte und ein einmonatiges Fahrverbot. Kommt es zu einer Behinderung, Gefährdung oder einem Unfall, falle das Bußgeld noch höher aus. Rettungsgasse und Standstreifen dürfen übrigens nicht von anderen Verkehrsteilnehmern genutzt werden. Die Rettungsgasse muss für Polizei, Feuerwehr, Rettungs- und Hilfsdienste freigehalten werden.

Sollte man selbst einen Unfall oder eine Panne haben, ist einiges zu beherzigen. „Beim Verlassen des Fahrzeugs auch an die eigene Sicherheit denken“, sagt Wrede, „das Warnblinklicht einschalten und vor dem Aussteigen eine Warnweste überziehen. Außerdem sollte das Fahrzeug nach Möglichkeit über die vom Verkehr abgewandte Seite verlassen werden.“ Und dann das Warndreieck in ausreichender Entfernung aufstellen. „Wir empfehlen einen Abstand zum Fahrzeug auf Autobahnen von mindestens 150 Metern.“ Dies entspreche dem Abstand zwischen vier Leitpfosten. Ferner sei möglichen weiteren Unfallbeteiligten bei Bedarf Erste Hilfe zu leisten. Darüber hinaus seien Rettungskräfte zu verständigen.

Zudem müsse die Unfallstelle bei einem geringfügigen Schaden unverzüglich freigemacht werden, sofern dies noch möglich ist. Darüber hinaus empfiehlt die Polizei, nach Möglichkeit nicht auf der Autobahn umherzulaufen, sondern sich hinter der Schutzplanke aufzuhalten. Und ebenfalls sei hingewiesen, so Wrede, dass das Filmen oder Fotografieren einer Unfallstelle eine Straftat darstelle, wenn die Hilflosigkeit einer anderen Person zur Schau gestellt werde.

Einsatzkräfte schlagen in Sachen Rettungsgasse seit Jahren Alarm. Hier muss ein Feuerwehrmann einen Weg für das nachfolgende Fahrzeuge bahnen.

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