Groll über IGS-Raumpläne

9./10. Klassen der Liesel-Anspacher-Schule sollen ins Realschulgebäude

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Nach Schulschluss unterhalten sich Schüler der IGS Achim, beziehungsweise der Liesel-Anspacher-Schule, miteinander.

Achim - Herbe Vorwürfe mussten sich Achimer Stadtverwaltung und Politik im Schulausschuss beim Thema IGS gefallen lassen: Die Liesel-Anspacher-Schule (LAS) sei bei der Einführung der Integrierten Gesamtschule, unter anderem bei den Raumplanungen, übergangen worden, kritisierten Schulleiter Dominik Lerdon und einige Lehrkräfte. Zum Aufreger geriet in der Sitzung vom Dienstagabend außerdem eine Ad-hoc-Änderung der Internet- und E-Mail-Adresse: Künftig geht die elektronische Post an IGS, Haupt- und Realschule unter dem Kürzel „campus-achim.de“ raus.

„Wir sollten einen Schritt zurücktreten – das ist keine Universität“, meinte Dr. Enno Lork, beratendes Mitglied aus dem Schulelternrat. Nach einem Besuch an der Waldenburger Straße 12 sah er vor allem eine fehlende Wertschätzung der Bildungseinrichtung. Dies zeige sich etwa darin, dass die 9. und 10. Klassen der Hauptschule im nächsten Schuljahr in die Realschulgebäude umziehen sollen. Schülern, die vor dem Übergang ins Berufsleben stünden, werde dieser Schritt durch die Raumsituation erschwert. Denn die Berufsberater befinden sich im „alten Gebäude“.

„Wir schätzen alle drei Schulen gleich“, sagte Inge Möcker, in der Stadtverwaltung zuständig für Schulen. Man habe sich mit allen drei Schulleitungen zusammengesetzt, um die Herausforderung, drei Schulen in zwei Gebäuden unterzubringen, zu meistern. Das erfordere Kompromisse von allen Seiten. Heißt: Derzeit würden zwei Jahrgänge der IGS im ehemaligen LAS-Kunstraum unterrichtet. Die regulären Klassenräume der Hauptschule seien zu klein, da für eine geringere Schülerzahl ausgelegt. Zudem sei angedacht, die Bibliothek für den Unterricht zu nutzen und die Bücherei in das Lehrerzimmer umziehen zu lassen. Die Lehrer müssten dann in einem Klassenraum pausieren. Dass die Abschlussklassen der Hauptschule in die Realschule umsiedeln, nannte Möcker eine „gute Lösung“.

Viele Stühle stehen auf den Mensa-Tischen in der Liesel-Anspacher-Schule. Soll die Wand zum Freizeitraum demnächst durchbrochen werden, um den Platzmangel zu beheben?

„Nichts weiter als unverbindliches Zeug“, kommentierte Rüdiger Dürr (CDU) die Antwort der Verwaltung und brachte die Mensa-Situation ins Spiel: Der Raum, in dem die Schüler ihr Mittagessen verzehren, sei nun „plötzlich zu klein“. Werde man dies lösen, indem man die Wand zum benachbarten Freizeitraum durchbricht? Grünen-Fraktionschefin Silke Thomas mahnte, Raumpläne „nicht auf Basis von Gerüchten“ zu kritisieren. Die Verwaltung äußerte sich nicht zu den Plänen. „Ich kann nur sagen, dass wir mitten in den Planungen stecken“, sagte 1. Stadtrat Bernd Kettenburg auf Nachfrage.

Schülervertreterin Saskia Zwilling sprach von einer „Riesen-Verunsicherung der Schüler“, deren letzter Jahrgang nun auseinandergerissen werde. Die Mensa sei zugestellt und ungemütlich. Statt die Hauptschüler selbst über „campus-achim“ zu informieren, sei dies nachträglich per Elternbrief mitgeteilt worden. Inge Möcker räumte ein, dass der Brief am Montag verschickt und die Umstellung schon am Freitag vollzogen wurde, sei unglücklich gelaufen.

Dr. Petra Gölz (CDU) nannte die Pläne den „denkbar schlechtesten Kompromiss – gerade im Zeitalter der Inklusion“. Das sah Paul Brandt (SPD) anders: Wertschätzung erhielten alle drei Schulen und eine derartige Umbruchsituation sei immer belastend. Bürgermeister Rainer Ditzfeld schlug in dieselbe Kerbe: „Wir können nicht komplett eine neue Schule aufbauen, ohne dass es ein Spagat wird.“

„Mir fehlten die Worte, Herr Brandt“

Auf Rüdiger Dürrs Antrag wurden alle drei Schulleiter mit an den Tisch gebeten. „Mir fehlten die Worte, Herr Brandt“, entrüstete sich Dominik Lerdon. Im Sinne der Qualitätssicherung an Schulen müsse die Stadt als Schulträger die Rahmenbedingungen schaffen und erhalten. Ärgerlicher als die Änderung der Internet-Adresse sei, dass mit dem Umzug in die Realschule das Server-Kabel von nebenan hinübergelegt werden müsse, da der von den Schülern genutzte W-Lan-Zugang dort nicht mehr funktioniere. Da ziehe auch das Kostenfaktor-Argument nicht mehr. Aktuell fehle den Schülern ein Rückzugsraum, der in der überfüllten Mensa nun nicht mehr gegeben sei. Auch die als „Herz“ der Schule angelegte Bibliothek habe diese Funktion bisher erfüllt.

„Wir werden auch Kompromisse machen, auch wenn wir in der Übergangsphase noch relativ verschont geblieben sind“, spielte Realschulleiterin Marlies Behnke auf den für 2020/21 geplanten Umbau an. Mit Containern und Baustellenstaub habe die Realschule schon gelebt. Sie nannte die Raumplanung einen „guten Kompromiss“.

Raumplanung „absolut suboptimal“

„Ich habe Verständnis dafür, an der neuen Schule ein Eindringling zu sein“, sagte IGS-Leitern Kerstin Albes-Bielenberg. Dass die IGS nun fünfzügig sei, habe sie nicht erwartet. Die aktuelle Raumplanung bezeichnete sie als „absolut suboptimal“, bat jedoch, im Dialog zu bleiben.

In der Einwohnerfragestunde schilderte eine Mutter, wie sie sich bewusst entschieden habe, ihren Sohn an die LAS zu schicken. Die Schule sei „klein und heimelig“ und habe mit ihrem pädagogischen Konzept überzeugt. Dies sei nun nicht mehr gegeben. Von Elternseite kam zudem die Idee, ob man die Container, die für den Umbau der Realschule angeschafft werden, nicht schon jetzt aufbauen und nutzen könne.

Ausschussvorsitzende Petra Geisler (SPD) versprach auf Einladung einer Lehrerin, sich an der Hauptschule persönlich umzuschauen und ihre Beobachtungen an die Politik weiterzuleiten.

Abschließend empfahl das Gremium einstimmig, die Verwaltung möge den Planungsstand zur IGS mitteilen sowie ein Konzept für die digitale Vernetzung und Nutzbarkeit durch die drei Schulen vorlegen. Als Stichtag einigte man sich auf den 23. April (zur nächsten Schulausschusssitzung). - ldu

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