78000 Euro für Zielplanung vorgesehen

Stadt lässt sich ihr Leitbild einiges kosten

Achim - Köln hat eins, Bad Bevensen hat eins, und die Stadt Achim möchte nun ebenfalls eins entwickeln. Seit Jahren plädiert Ratsvorsitzender Hans-Jürgen Wächter (SPD) dafür, ein Leitbild für den Weserort zu erstellen. Die Mitglieder des Finanzausschusses votierten nun einstimmig dafür, die kommunale Selbsthilfeeinrichtung KGSt (Kommunale Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement) aus Köln damit zu beauftragen.

Dafür will die Stadt in den Haushaltsjahren 2015 und 2016 rund 78000 Euro ausgeben. Bis Mitte 2016 soll das Projekt abgeschlossen sein. Bereits im März 2014 hatte der Achimer Stadtrat sich einstimmig für ein Leitbild ausgesprochen. Neu ist die Auftragsvergabe an die KGSt. „Bei uns stehen keine eigenen Interessen dahinter. Ich möchte hier nichts werden. Im Grunde ist mir Achim herzlich egal“, gab der KGSt-Geschäftsbereichsleiter Dirk Greskowiak in der Sitzung am Montagabend einen Einblick in seine Arbeitsweise. Statt Allerweltsfloskeln wie „familienfreundlich“ („Welche Stadt würde sich selbst als familienfeindlich bezeichnen?“) zu beschwören, komme es darauf an, „spezielle Ziele in Handlungsfeldern für Achim“ zu entwickeln.

Dies könne auch etwas sein, das den Akteuren vor Ort zunächst fern liege. Es gehe darum „ein sinnhaftes Ganzes“ zu entwickeln, statt den kleinsten gemeinsamen Nenner zu finden. Der Prozess hin zum Leitbild sei „ergebnisoffen“, betonte Greskowiak. Als Beispiel nannte er die Stadt Bad Bevensen. Bei der Beratung durch KGSt habe sich herausgestellt, dass der Ort, der eine Thermalquelle besitzt, seinen Schwerpunkt auf den Gesundheitssektor legen müsse.

Achims Problem sei, skizzierte der Referent, dass zwar viel Kaufkraft vorhanden sei, aber vor Ort zu wenig konsumiert werde. Achim werde vermutlich „als Schlafstadt genutzt“, stellte Greskowiak fest. Ein Rückzugsort für die Zeit nach dem Berufsleben. „Mit dem Pfund kann man doch wuchern“, betonte er. Achim müsse sich nicht um jeden Preis als junge Stadt gerieren.

„Überzeugend“ fand Hans-Jürgen Wächter diesen Vortrag und hob die Fokussierung hervor: „Das Leitbild soll kein Sammelsurium sein.“ Nun gelte es allerdings, die Bürgerschaft mit einzubeziehen. Das sei schon 2014 beim Innenstadtprozess nicht leicht gewesen: „Wir sind an Familien, Jugendliche und Menschen mit Migrationshintergrund nicht herangekommen.“

Axel Eggers (Die Grünen) sah das Problem vor allem in der Umsetzung: „Setzen wir, wie beim Innenstadtprozess, auf Bürgerbeteiligung, könnte ein bunter Mix herauskommen, den wir dann nicht zusammenführen können.“

„Die Bürgerbeteiligung kann nicht im Mittelpunkt stehen“, fand auch Karl-Heinz Lichter (CDU), der lobend erwähnte, dass der Referent auf die Finanzierung der Ziele eingegangen war: „Denn Kunst bringt nicht Geld in die Stadt.“

ldu

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