Munition aus dem Zweiten Weltkrieg

Granate gesprengt: 500 Leute in Achim-Uphusen evakuiert

Kräfte der Feuerwehr Uphusen gingen von Haus zu Haus, um eine lückenlose Evakuierung der Bewohner zu gewährleisten.
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Kräfte der Feuerwehr Uphusen gingen von Haus zu Haus, um eine lückenlose Evakuierung der Bewohner zu gewährleisten.

Achim-Uphusen – 500 Bewohner von Uphusen mussten am späten Freitagnachmittag ihre eigenen vier Wände verlassen. Und auch ein Abschnitt der Uphuser Heerstraße samt Autobahn-Anschlussstelle war für mehrere Stunden gesperrt. Denn bei Grabungen für die Zuwegung zum Windpark Bollen hatten Arbeiter scharfe Munition aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden.

„Es handelte sich um eine Flugabwehrgranate, fast 13 Zentimeter im Durchmesser, die nicht entschärft werden konnte, sondern an Ort und Stelle gesprengt werden musste“, informierte Peter Hollwedel, Leiter des Fachbereichs Zentrale Steuerung und Bürgerdienstleistungen bei der Stadt, der die Aktion organisierte und koordinierte, auf Nachfrage.

Die gefährliche Altlast aus dem Krieg lag nach seinen Angaben auf freiem Feld in der Nähe des Sportplatzes am Arenkamp. Der eingeschaltete Kampfmittelbeseitigungsdienst aus Hannover habe zur Sicherheit der Bevölkerung einen Radius von 300 Metern rund um den Granatenfundort festgelegt, in dem die Leute für rund drei Stunden sich nicht in ihren Häusern und Wohnungen und auch nicht auf den Grundstücken aufhalten durften, berichtete Hollwedel weiter.

Die für den Einsatz verantwortliche Stadt legte gemeinsam mit der Polizei, der Feuerwehr und dem Roten Kreuz das Evakuierungsgebiet fest. Etliche Straßen rund um die Granate mussten bis 17 Uhr geräumt werden: Alte Schlengen, An der Schule, Arenkamp (Teilbereich), Flurstraße, Helene-Lange-Straße, Im Dorfe (teilweise), Slippen, Sonnenstraße, Strohstiege und Uphuser Heerstraße (zum Teil). Bürgerinnen und Bürger, die keine Möglichkeit hatten, bei Freunden, Bekannten, Verwandten oder anderweitig unterzukommen, konnten sich in der Zwischenzeit im Hotel Haberkamp an der Uphusener Dorfstraße 1 aufhalten.

Für Hilfsbedürftige richtete die Stadt ein Serviceangebot ein. „Mobilitätseingeschränkte Menschen konnten sich im Rathaus melden und wurden dann vom Bürgerbus abgeholt und zu Haberkamp gebracht“, teilte Hollwedel ergänzend mit.

Und wie empfanden Betroffene die überraschende Evakuierung, das in Corona-Zeiten eher unübliche Verlassen der Wohnung zum Beginn des Wochenendes? Gab es die in diesem Zusammenhang gern genannte „Bombenstimmung“ im negativen Sinne? Ein Reporter dieser Zeitung fragte vor Ort nach, hier sein Situationsbericht:

In Uphusen herrscht gegen 16.30 Uhr teils Aufregung, teils Gelassenheit – jedenfalls reger Betrieb. Polizei- und Rettungsfahrzeuge säumen die Uphuser Heerstraße, Feuerwehrleute gehen von Haus zu Haus, um den Anwohnern mitzuteilen, dass sie den Bereich verlassen müssen; zig Haushalte in mehr als 100 Gebäuden sind es, die informiert werden. Rund um den Granatenfund wird alles weitläufig abgesperrt. An der Straße Arenkamp stehen einige Anwohner vor ihren Häusern und harren der Evakuierung – „gestern Klimaaktivisten, heute das hier“, sagt einer lachend, der sich dann als Polizist entpuppt, der am Vortag an der A 1 im Einsatz war. Insgesamt von Angst oder gar Panik keine Spur, das Vertrauen in die Einsatzkräfte scheint groß.

Wer kann, geht zu Verwandten oder Bekannten, wer niemanden hat oder auf die Schnelle keine Idee für mehrstündigen Aufenthalt außer Haus hat, findet im Hotel Haberkamp Zuflucht, das als eine Art Auffanglager dient. Auch hier haben die Einsatzkräfte binnen kurzer Zeit alles organisiert.

Polizei und Rettungsdienst waren ebenso im Einsatz wie der Bürgerbus, der Leute zum Hotel Haberkamp fuhr.

Die Freiwillige Feuerwehr Uphusen fuhr zusammen mit der Achimer Polizei ab 17 Uhr den betroffenen Bereich ab und sicherte das Evakuierungsgebiet ab. „Auch um etwaige Plünderungen zu verhindern“, merkte Hollwedel an. Zur Beschleunigung des Ablaufs baten die Ordnungskräfte die Anwohnerinnen und Anwohner, ein Textilstück, zum Beispiel ein Geschirrhandtuch, deutlich sichtbar an die Türklinke zu hängen, um damit die Räumung des Hauses zu signalisieren. Die Polizei wollte in dieser Zeit den Bereich engmaschig kontrollieren.

Gleichzeitig sperrten Mitarbeiter des städtischen Bauhofs die Landesstraße 158 von der Uphusener Dorfstraße bis hinter die Autobahnauffahrt Richtung Hamburg ab 17 Uhr bis zum Ende der einschneidenden Maßnahmen für den gesamten Verkehr. Autofahrer mussten das Gebiet großräumig umfahren.

Sobald die Fachleute vom Kampfmittelbeseitigungsdienst die Granate in kontrollierter Weise gesprengt hatten, durften die Evakuierten in ihre Wohnungen zurückkehren. Die Stadt ging davon aus, dass die Arbeiten gegen 20 Uhr beendet sind.

Peter Hollwedel gab am frühen Abend Entwarnung: „Die Granate ist erfolgreich gesprengt worden.“

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