47-Jähriger erhält sechs Monate Haft auf Bewährung

Mit dem Kindergeld den Kiff-Konsum finanziert

Achim/Ottersberg - Von Lisa Duncan. Das Kindergeld in Höhe von rund 500 Euro hatte ein Ottersberger monatlich verwandt, um seinen Cannabis-Konsum zu finanzieren. Das ließ der 47-jährige Angeklagte vor dem Achimer Amtsgericht über seinen Anwalt mitteilen.

Damit gab er zu, Marihuana in nicht geringer Menge besessen zu haben. Knapp 102 Gramm des Rauschmittels mit einem Wirkstoffgehalt von 10,43 Gramm Tetrahydrocannabinol (THC) hatte die Polizei am 7. Mai 2014 bei dem dreifachen Vater gefunden. Die Anklage lautete auf Handel mit Marihuana in einer nicht geringen Menge. (Bereits ab 7,5 Gramm Wirkstoffgehalt wird Gras in einer solchen Quantität als nicht geringe Menge eingestuft, führte die Staatsanwältin aus.)

Den Vorwurf des Handels mit der „weichen Droge“ konnte das Gericht in der Beweisführung allerdings nicht aufrechterhalten. Denn der Zeuge, der ausgesagt hatte, zu fraglichem Zeitpunkt etwas von dem Ottersberger Familienvater gekauft zu haben, erschien weder vor Gericht, noch war es möglich, ihn ausfindig zu machen. Er verfügt derzeit nämlich nicht über einen festen Wohnsitz.

Und auch der Angeklagte gab nur zu, selbst zu kiffen, nicht aber mit der Droge Handel zu treiben. Dies habe medizinische Gründe: Nach Angaben des Pflichtverteidigers litt der Mann seit mehr als zehn Jahren an so schweren Magenbeschwerden, dass er arbeitsunfähig sei. Die Diagnose „Morbus Crohn“ sei von den Ärzten erst spät erkannt worden. Hinzu käme ein Nervenleiden, das ein Zittern in den Händen auslöse. Dann habe er festgestellt, dass Kiffen ihm Linderung verschaffe.

Angesprochen auf diese therapeutische Wirkung von Marihuana, habe sich sein Hausarzt geweigert, ihm die Droge zu verschreiben. Mittlerweile habe der Angeklagte einen Antrag gestellt, es legal verschrieben zu bekommen – doch die Wartelisten seien lang. Der erste Hinweis, der ihm den Vorwurf des Drogendealens eingebracht hatte, sei auf der polizeilichen Aussage seiner Nachbarin begründet. „Richtig ist: Da gingen Leute ein und aus und es wurde auch gekifft“, so der Anwalt.

„Es ist eben auch eine Freizeitbeschäftigung“

Die 102 Gramm, angeblich 675 Konsumeinheiten, habe der Mann, der einen monatlichen Bedarf von 150 bis 175 Gramm habe, selbst verbraucht. Auf Nachfrage des Richters gab der Angeklagte aber auch zu, an Besucher hin und wieder kostenlos etwas abgegeben zu haben. „Ich verstehe nicht, warum sie noch was davon abgeben, wenn Sie zur Schmerzlinderung auf das Zeug angewiesen sind“, bemerkte Richter Andreas Minge. Auch die Tatsache, dass bei dem Angeklagten eine Feinwaage gefunden worden war, irritierte den Richter. Die habe er benötigt, um seine Ration abzuwiegen, so der Angeklagte.

Während die Staatsanwältin acht Monate auf Bewährung vorschlug, plädierte der Pflichtverteidiger auf Freispruch. Richter Minge sprach den Angeklagten schuldig für den Besitz von Cannabis in nicht geringer Menge. „Es ist eben auch eine Freizeitbeschäftigung mit anderen zu rauchen. Der Notstand tritt da in den Hintergrund.“ Er verurteilte den Mann zu sechs Monaten Haft auf Bewährung mit einer Bewährungszeit von zwei Jahren und der Auflage, dass die Strafe „von einem Bewährungshelfer in richtige Bahnen“ gelenkt werden solle.

Rubriklistenbild: © dpa

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