34-Jähriger erhält Bewährungsstrafe

Einbrecher sperrt sich selbst ein

Achim/Ottersberg - Der Einbruch im Heimathaus in Fischerhude vom Mai 2015 ist aufgeklärt: Die Tat geht auf das Konto eines 34-jährigen Marokkaners, der in einer Flüchtlingsunterkunft in Ottersberg wohnt.

Das Achimer Amtsgericht, sprach ihn gestern für Diebstahl in einem besonders schweren Fall schuldig. Auch für einen Fahrraddiebstahl in Ottersberg wurde er verurteilt.

Darüber hinaus soll der Angeklagte in einen Auffahrunfall an der Autobahnausfahrt Uphusen/Mahndorf verwickelt gewesen sein – laut Anklage ohne Fahrzeugpapiere, aber mit Alkohol am Steuer. Im Verlauf der Verhandlung stellte sich jedoch heraus, dass der junge Mann in dem Auto nur mitgefahren war. Ein molekulargenetisches Gutachten konnte ihn anhand der am Lenkrad gefundenen Spuren nicht identifizieren.

Auch die anderen Taten stritt der Angeklagte zunächst ab. Am Tag des Einbruchs ins Heimathaus habe er so viel Alkohol getrunken, dass er sich an nichts erinnern könne. Jedoch hatte er auf der Flucht Spuren hinterlassen – Blutspuren.

Zunächst hatte er das Vorhängeschloss an einer Seitentür des Heimathauses aufgebrochen und zwei Geldkassetten entwendet. Was er nicht bedachte: In das alte Bauernhaus mit sehr kleinen Fenstern gelangt nur wenig Tageslicht. Außerdem hat der Seiteneingang ein Schnappschloss, das sich automatisch von außen schließt, wenn die Tür zufällt. Um mit dem Diebesgut dennoch nach draußen zu gelangen, trat er eines der Fenster ein. Die Beute: 65 Euro, überwiegend in Münzen. Der Schaden: Etwa 1500 Euro. Aufwand und Ertrag der Tat standen in keinem Verhältnis zueinander.

Der 57-jährige Ermittler der Polizeiinspektion Verden hatte den Mann bereits in Verdacht gehabt, weil dieser eineinhalb Wochen zuvor nach ähnlichem Schema in eine Tankstelle in Quelkhorn eingebrochen sei. Der Polizist traf den Angeklagten in der Unterkunft mit noch frischer Hand- und Fußverletzung, in der Kommode eine Jeans mit viel Kleingeld. Die Schatulle tauchte später auf dem Nachbargrundstück auf. Schließlich identifizierte die DNA-Analyse den Mann anhand der Blutspuren. Der Polizist hatte indes nicht festgestellt, dass der Angeklagte getrunken hatte. „Eine Schutzbehauptung“, sagte Richter Matthias Hahn.

Auch des Fahrraddiebstahls wurde der 34-Jährige überführt. Zuerst hatte er erzählt, sein Freund habe ihm das Fahrrad gegeben. Das passte aber nicht zu seiner Reaktion, als ihn der 42 Jahre alte Vater des Fahrradeigentümers auf der Flucht stellte: Er überließ dem Mann das Gefährt fast ohne Widerspruch. Dies erklärte er mit den Worten, er glaube eher Deutschen, weil er wisse, dass manche Marokkaner andere ins Gefängnis schicken würden. „Eine lebensfremde Beschreibung“, so der Richter.

Für beide Taten erhielt der bereits vorbestrafte Angeklagte eine siebenmonatige Freiheitsstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Die Bewährungszeit beträgt drei Jahre. Als Auflage soll der 34-Jährige 100 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten und muss jeglichen Wechsel des Wohnorts mitteilen. „Es sollte ihnen bewusst sein, was es für ihren Asylantrag bedeutet, wenn sie diese und weitere Taten begehen“, so Richter Hahn. Laut § 54 des Aufenthaltsgesetzes liegen schwerwiegende Abschiebegründe vor, wenn jemand zu einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr verurteilt worden ist. Der Mann ist seit Juni 2014 in Deutschland. Sein Asylantrag wurde abgewiesen, was von ihm juristisch angefochten wurde.

ldu

Rubriklistenbild: © dpa

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