33-Jähriger wegen sexueller Nötigung vor Gericht

Kurioses vorläufiges Ende eines Prozesses

Achim/Ottersberg - Wegen sexueller Nötigung ist ein 33-jähriger Ottersberger vor dem Achimer Schöffengericht angeklagt. Laut Anklageschrift soll der Mann am 2. Februar 2014 eine Frau in ihrer Wohnung in Achim nachts um 3.30 Uhr besucht haben.

Die Bekannten hätten gemeinsam auf dem Sofa gesessen, dann soll der Mann kurz auf die Toilette verschwunden und nur mit Unterhose bekleidet wieder zurückgekehrt sein. Mehrmals habe er versucht, die Frau zu sexuellen Handlungen zu nötigen, die dies jedoch stets abgelehnt habe. Schließlich soll er auf die Frau onaniert und anschließend ihre Wohnung verlassen haben.

Die vermeintlich Geschädigte tritt als Nebenklägerin auf. Der Fall hatte vor einem knappen Jahr schon mal das Amtsgericht in Achim beschäftigt, war allerdings zwischenzeitlich aufgrund eines Eilantrags des Verteidigers unterbrochen worden. Inzwischen hatte das Gericht einen psychologischen Gutachter bestellt, um die Glaubwürdigkeit der Zeugin zu prüfen.

Der Verteidiger beantragte dann den Psychologen wegen Befangenheit vom Verfahren auszuschließen. Dazu zitierte er aus den Niederschriften der Explorationsgespräche, aus denen das Gutachten vom 21. April 2015 erstellt worden war. Zur Feststellung der Zeugin etwa, dass sie den Mann nicht angezeigt hätte, wenn sie von ihm hätte angefasst werden wollen, habe der Sachverständige mit „richtig“ geantwortet. Auf ihre Bemerkung „Ihm ist das ja alles egal“ habe der Gutachter erneut mit „richtig“ geantwortet. Das sei wertend und nicht angemessen, wenn man herausfinden wolle, ob ein Zeuge die Wahrheit spreche.

Er habe mit seinen Bemerkungen „einfühlsames Zuhören“ signalisieren wollen, wie es bei Explorationsgesprächen üblich sei, sagte der Psychologe. Die Anwältin der Nebenklage und die Staatsanwältin sahen das ähnlich.

Gestern Morgen nun verkündete der Vorsitzende Richter des Schöffengerichtes Andreas Minge die Ablehnung dieses Befangenheitsantrags.

Keine Befangenheit des Psychologen

Der Psychologe habe mit bestätigenden Worten die Zeugin zum Sprechen bringen wollen, niemals ihre Aussagen in eine bestimmte Richtung beeinflusst, im Gegenteil auch Widersprüche in den Aussagen aufgezeigt und keine Parteilichkeit gezeigt. Das Schöffengericht berief sich ausführlich auf ein Grundsatzurteil des Bundesgerichtshofs.

Doch dann, als der Prozess richtig losgehen konnte, war er auch schon wieder beendet. Verteidiger, Nebenklage-Vertreterin und Gutachter konnten wegen verschiedener Urlaube in den nächsten Wochen keinen gemeinsamen Prozesstermin finden, und so wird der ganze Prozess neu starten im September.

Da bisher nur die Anklage verlesen und der Befangenheitsantrag behandelt worden ist, hielt man diesen Neustart für vertretbar.

ldu/mb

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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