27-jähriger Achimer soll sechs Smartphones ergaunert und weiterverkauft haben

Handys ungewisser Herkunft

Achim - Von Lisa Duncan. Man findet sie zuhauf auf Online-Portalen wie E-Bay-Kleinanzeigen oder im Marktplatz der Seite www.bremen.de: Günstige Smartphones prestigeträchtiger Marken. Herkunft: unbekannt – und für den Käufer oft auch nicht relevant. So freute sich auch eine 26-jährige Frau aus Osterholz-Scharmbeck vor etwa drei Jahren darüber, dass sie in Achim ein neues I-Phone so günstig ergattert hatte. Aber war der Verkäufer identisch mit dem 27-jährigen Mann aus Baden, der gestern vor dem Achimer Amtsgericht angeklagt war? Er soll von der Firma Vodafone in sechs Fällen teure Telefone einkassiert haben, ohne diese zu bezahlen.

Dem Angeklagten wird vorgeworfen, sich zwischen März 2012 und April 2013 mit betrügerischen Methoden für rund 5000 Euro Mobiltelefone der Marke Apple angeeignet zu haben. Stets soll er mit der Begründung, einen leeren Karton oder die falsche Ware erhalten zu haben, bei Vodafone Ersatzsendungen angefordert haben. Einige der Geräte hat er angeblich anschließend weiterverkauft. Doch drei seiner vermeintlichen Kunden, die gestern im Zeugenstand aussagten, konnten sich nicht an sein Gesicht erinnern.

„Ich hab es für meinen Freund gekauft. Wo das Handy herkam, war mir egal“, sagte die 26-jährige Zeugin. Die Anbieter hatten sie telefonisch kontaktiert. Man vereinbarte einen Treffpunkt; die Übergabe fand an einem Wendehammer, wahrscheinlich im Gewerbepark Baden, statt. Sie erhielt das Gerät original eingeschweißt, allerdings ohne Kaufbelege, und zahlte direkt in bar. Wenige Monate später das böse Erwachen: Die Frau erhielt plötzlich einen Anruf von der Polizei, dass das Handy möglicherweise gestohlen sei.

Ähnlich erging es einem 35 Jahre alten Mann aus Bremen, der sich sein I-Phone am Bremer Hauptbahnhof abholte. „Ich kann nicht sagen, ob er das ist. Wir haben uns nur zehn Minuten gesehen.“ Ein 24 Jahre alter Student aus Köln, der vor zwei Jahren seinen Hauptwohnsitz in Bremen hatte, war zwecks Handykauf zur Tankstelle am „Stern“ gekommen. Auch er konnte den Mann im Nachhinein nicht zweifelsfrei identifizieren.

„Schenken Kunden

erstmal Glauben“

Der Angeklagte selbst verweigerte jegliche Aussage. Sein Verteidiger brachte die Möglichkeit ins Spiel, dass hinter den vermeintlichen Betrugsfällen auch Diebstahl durch Postmitarbeiter stecken könne. Er zitierte dazu Zeitungsberichte, die mehrere solcher Fälle in Bremen vor etwa zwei Jahren thematisierten.

Lange zog sich die Befragung einer Vodafone-Mitarbeiterin aus der Abteilung „Unternehmenssicherheit“ hin. Das wurde durch die teils unübersichtliche Aktenlage erschwert. Doch es gelang nur bedingt, Licht ins Dickicht der Vertragsverlängerungen, Reklamationen und Adressänderungen zu bringen, die der Angeklagte, immer noch zahlender Kunde von Vodafone, über die Jahre vorgenommen hatte. Jedoch hatte Vodafone in mehreren Fällen offenbar vorläufige Gutschriften für Handys vorgenommen, die das Unternehmen noch gar nicht physisch zurück erhalten hatte.

„Wir schenken den Kunden erstmal Glauben“, sagte die Zeugin. Erst als die Auffälligkeiten zu groß wurden, erstattete der Mobilfunkanbieter Anzeige. So waren etwa statt der reklamierten Ware nur leere Kartons oder Verpackungen, die nicht zu dem Telefon gehören, zurückgekommen.

Die Verhandlung wird mit der Befragung weiterer Zeugen am Freitag, 23. Oktober, um 9 Uhr fortgesetzt.

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