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20 Prozent mehr: Restaurant Santorini in Achim reagiert auf höhere Energie- und Lebensmittelpreise

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Von: Dennis Bartz

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Kulwant Singh (links) und Sohn Sanjit sind erleichtert darüber, dass die meisten Gäste Verständnis für die Preiserhöhung aufbringen.
Kulwant Singh (links) und Sohn Sanjit sind erleichtert darüber, dass die meisten Gäste Verständnis für die Preiserhöhung aufbringen. © Bartz

Gastronom Kulwant Singh erhöht in seinen beiden Restaurants Santorini in Achim und Etelsen die Preise für Speisen und Getränke um pauschal 20 Prozent. Er reagiert damit auf die hohen Energie- und Lebensmittelkosten als Folge des Ukraine-Kriegs. Die Kunden zeigen Verständnis. 

Achim – „Aufgrund der stark gestiegenen Preise für Energie und Lebensmittel sind wir leider gezwungen, unsere Preise um 20 Prozent anzuheben“, steht auf einem orangefarbenen Zettel an den Eingangstüren der Restaurants Santorini in Achim und Etelsen sowie auf der Startseite der Homepage.

„Wir haben uns kurz vor Ostern dazu entschieden, diesen für uns sehr schweren Schritt zu gehen. Die hohen Strom- und Gaspreise sowie auch die gestiegenen Nebenkosten und Lebensmittelpreise machen uns schwer zu schaffen“, erklärt Restaurant-Inhaber Kulwant Singh im Gespräch mit dieser Zeitung. Es tue ihm leid, „vor allem für Familien mit Kindern, die deshalb nun vielleicht auf einen Restaurantbesuch verzichten müssen“.

Wir stecken in einer schwierigen Situation. Wenn wir die Preise nicht erhöhen, gehen wir mittelfristig kaputt. Wenn wir sie erhöhen, kommen weniger Gäste – dann sieht es auch schlecht aus. 

Gastronom Kulwant Singh

Der Achimer Gastronom erklärt, dass er keine andere Wahl gehabt hätte, um seinen Betrieb zu retten: „Wir stecken in einer schwierigen Situation. Wenn wir die Preise nicht erhöhen, gehen wir mittelfristig kaputt. Wenn wir sie erhöhen, kommen weniger Gäste – dann sieht es auch schlecht aus. Wir waren so froh, dass wir die Coronazeit bisher gut überstanden haben und dachten: ,Jetzt geht es endlich aufwärts.‘ Aber dann kam der Krieg in der Ukraine ...“

Bereits Anfang März habe er mit seiner Familie darüber gesprochen, die Preise zu erhöhen. „Wir hatten damals aber noch gehofft, das es auch ohne irgendwie geht und wir es vielleicht schaffen. Sechs Wochen lang haben wir gezögert – und dabei haben wir mehrere Tausend Euro ins Restaurant gesteckt. Wir hatten keine andere Wahl, weil die Preise quasi täglich weiter steigen. Wir mussten reagieren“, sagt Kulwant Singh und nennt einige Beispiele: „Für Öl haben wir vor Kurzem noch 98 Cent pro Liter bezahlt – inzwischen sind es 3,50 Euro, also dreieinhalb Mal so viel. Für Mehl zahle ich heute 80 Cent plus Mehrwertsteuer – vorher waren es 42 Cent.“ Ähnlich sei die Preisentwicklung bei Käse, Butter und anderen Molkereiprodukten.

Auch beim Fleisch spitze sich die Situation immer weiter zu: „An Lammfleisch kommen wir kaum noch ran, weil die Ware aus Neuseeland uns schwer erreicht. Ähnlich ist es mit Rindfleisch aus Argentinien.“ Einzig der Preis von Schweinefleisch sei derzeit noch stabil. „Aber auch der wird bald steigen“, ist er sich sicher.

Es habe Preiserhöhung in allen Bereichen gegeben: „Alle Lieferanten ziehen ihre Preise deutlich an. Zusätzlich verlangen sie nun 9,90 Euro als Fracht für jede Lieferung.“

Es gebe zwar genügend geschälte Tomaten, aber die Konservendosen seien knapp geworden. Genauso sei es auch beim Küchenzubehör: „Als wir einen neuen Gemüseschneider kaufen wollten, war unsere erste Information, dass die Lieferzeit vier Monate dauern soll – von der Spülmaschine sogar sechs Monate.“

Es sei zudem schwer geworden, überhaupt an Mehl, Öl und Fritteusenfett zu kommen. Die Politik behaupte zwar immer, dass die Versorgung gesichert sei: „Aber in Wahrheit bekommen wir oft nur die Hälfte dessen, was wir bestellt hatten. Selbst bei den Lieferanten, die uns schon seit 32 Jahren in Achim und seit 28 Jahren in Etelsen kennen.“

Er und seine Familie verbringen deshalb viel Zeit damit, die fehlenden Lebensmittel irgendwo aufzutreiben. „Die Mittagspause fällt für uns deshalb flach. Wir arbeiten jeden Tag 14 Stunden, um die Betriebe am Laufen zu halten“, berichtet Gastronom Kulwant Singh, der betont: „Eigentlich reicht unsere Preiserhöhung gar nicht aus, um die Mehrkosten zu decken. Aber wir denken auch an die Gäste, vor allem an Familien mit Kindern, die genauso wie wir unter den hohen Strom- und Gaspreisen leiden.“

Und wie reagieren die Gäste auf die Erhöhung der Preise um pauschal 20 Prozent? „Insgesamt sehr positiv und verständnisvoll. Wir hatten bisher erst einen Gast, der sich über die Preise beschwert hat, das war in Etelsen. Die meisten nehmen das hin und sagen nichts. Dafür kommen sie aber weniger. Das haben wir besonders an den Ostertagen deutlich gemerkt.“

Um auf die aktuelle Situation so gerecht wie möglich zu reagieren, will Kulwant Singh ab der kommenden Woche wieder auf die pauschale Preiserhöhung um 20 Prozent verzichten und setzt stattdessen auf eine neue Speisekarte – mit geänderten Preisen: „Wir wollen weiter familienfreundlich sein und werden deshalb alle Speisen und Getränke individuell bewerten: Die Preise für alkoholfreie Getränke werden nur um ein paar Cent steigen – Bier und Wein dafür mehr. Eltern haben es heute schon schwer genug. Deshalb werden auch die Preise für Pizza, Nudeln und andere beliebte Familiengerichte kaum erhöht.“

Wenn wir als Familie zusammenhalten, werden wir es auch gemeinsam schaffen.

Restaurantinhaber Kulwant Singh

Kulwant Singh bereitet sich darauf vor, dass die Preise weiter steigen werden – und hat dafür bereits einen Plan: „Wir werden dann die Speisekarte reduzieren müssen – im schlimmsten Fall nur noch eine Tageskarte mit wenigen Gerichten anbieten.“

Er mache sich zudem Sorgen darum, ob die Gaslieferung auch im Winter gesichert sei, wenn der Krieg bis dahin nicht beendet sei: „Dann bekommen wir Probleme beim Kochen und müssen ja auch unser Restaurant irgendwie heizen.“

Seinem Sohn Sanjit Singh möchte er irgendwann einen gesunden Betrieb übergeben: „Dafür werde ich alles tun. Mein Sohn hat auf jeden Fall großes Interesse daran und ist deshalb bereits eingestiegen. Wenn wir als Familie zusammenhalten, werden wir es auch gemeinsam schaffen.“ Von der Regierung erhoffe er sich mehr Unterstützung: „Die Strom- und Gaspreise müssen bezahlbar werden, außerdem wäre es gut, die Steuern zu senken.“

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