Neues Programm der Museumsgeister

Ein Abend in guter Gesellschaft

Nachdenkliches und feiner Witz bestimmten das neue Programm der Museumsgeister.Fotos (2): Rosebrock

Verden - (ros) · Dass die Museumsgeister schon lange zum Inventar der Verdener Kulturszene gehören, merkte man bereits an dem großen Andrang. Schon zehn Minuten nach Einlass zur Premiere von „Gesellschaft – muss man haben?“ im Domherrenhaus war es schwer, überhaupt noch einen Sitzplatz zu ergattern.

Wohnzimmeratmosphäre: Man kannte sich und plauderte ausgelassen in Erwartung des neuen Programms. Und dann begann Dr. Björn Emigholz mit einem eher pessimistischen Vorwort von Jean-Paul Sartre den Abend: „L‘enfer, c‘est les autres.“ („Die Hölle, das sind die anderen.“) Die Meinung relativierte er natürlich wieder, als er feststellte: „Hier im Domherrenhaus sind wir zumindest in guter Gesellschaft.“

Charmant führte er das Publikum durch den Abend, erörterte Philosophen und Autoren von Platon über Oscar Wilde bis zu Wilhelm Busch und Erich Kästner, und man merkte an den Gesichtern der Gäste eindeutig, dass vieles von dem, was er erzählte, zum Nachdenken anregte. Seine Überlegungen reichten von der kleinsten Einheit von Menschen, der Paarbeziehung, bis hin zum großen Ganzen, dem Staat.

Seine Kolleginnen und Kollegen standen ihm bei ihren Darbietungen in nichts nach. Nachdenklich trugen sie Gedichte vor, wenig später heitere Lieder und schickten ihre Zuschauer während des Abends auf eine bunte Reise durch alle Formen von Gesellschaft. An verschiedenen Stationen machten sie dabei Halt. Von Erziehung, dem Leid mit den Zeitgenossen, über die Trinksucht und das faule Leben bis hin zum immer wiederkehrenden Thema Liebe führte sie und brachte die Zuschauer zum Lachen und Nachdenken.

Professionalität bewies Birgit Scheibe, als sie den „Bundestagsabgeordneten“ Dr. Werner Bornheim, gespielt von Björn Emigholz, als seine Sekretärin zur Bühne geleitete. Obwohl das Publikum vor Lachen Tränen weinte, gab sie sich todernst, als dieser seine sinnfreie Rede vortrug.

Gesellschaftliche Anerkennungen wie ein volles Bankkonto oder ein Harvard-Abschluss sind wenig wert. Das zeigten Jessica Coels und Daniel Schmidt. Warum immer mehr erreichen, wenn man auch als einfacher Fischer glücklich sein kann?

Auch Helga Flatow betonte mit ihrer musikalischen Aufforderung „Drum küss und denk nicht dabei“ die Schönheit der Einfachheit. Mit viel Charme trug sie das Lied „Eins und Eins“ von der Chanson-Ikone Hildegard Knef vor.

Zusammen mit Peter Kray sang sie dann später das Lied „Tauben vergiften“ von Georg Kreisler, ein Beweis dafür, dass vielleicht doch nicht alles, was das Ensemble zusammengestellt hatte, so ernst zu nehmen war. Begleitet wurden die stimmungsvollen Lieder von Gerold Leuker am Klavier.

Der Spuk der Museumsgeister hätte auch bis Mitternacht andauern können, niemand wäre müde geworden, so abwechslungsreich hatte die bunte Gruppe unter der Regie von Gaby Brenner den Abend gestaltet. Als er dann aber doch endete, waren alle sicher: Was vorherige Auftritte versprochen hatten, wurde an diesem Abend eingelöst: ein Programm, das feinsinnigen Witz und philosophische Fragen stimmungsvoll verband.

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