37-jähriger Angeklagter beim Prozessauftakt: „Sinnvolle Arbeit für Jesiden“

Langwedeler als Schleuser vor dem Landgericht

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Der 37-jährige Angeklagte mit Verteidigerin Medya Roza Tuku im Gerichtssaal.

Verden - Er habe Menschen helfen wollen, die wie er jesidischer Abstammung seien, lautete die Begründung eines 37 Jahre alten Langwedelers für sein Handeln. Seit gestern muss sich der vierfache Vater wegen Einschleusens von Ausländern in fünf Fällen vor dem Verdener Landgericht verantworten. Vor einem knappen halben Jahr musste sich schon sein Vater wegen vergleichbarer Taten verantworten und wurde zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Der 37-Jährige habe als Mitglied einer Bande agiert, ist der Vorwurf der Staatsanwaltschaft. Er sei an einer „Vielzahl von Einschleusungen“ in die Bundesrepublik und Staaten des Schengener Abkommens beteiligt gewesen. In der gestern verlesenen Anklage geht es um die Einreise von drei Familien und zwei Einzelpersonen in der Zeit vom 15. März bis 1. August 2014. Sie sollen mit zumeist gefälschten Pässen über Umwege nach Deutschland gelangt sein. In einem Fall seien zwei gestohlene deutsche Kinderreisepässe verwendet worden. Zumeist gingen die Reiserouten über Istanbul, Brasilien und Italien nach Deutschland.

Pro geschleuster Person sollen Beträge zwischen 9000 bis 11000 Euro gezahlt worden sein. Zu den Aufgaben des Angeklagten gehörte es laut Anklageschrift, das nach der Einreise gezahlte Geld und die vorher geleisteten Anzahlungen an ein Bandenmitglied in der Türkei weiter zu leiten.

Nachdem sein Vater im Mai 2014 festgenommen worden war, habe der Angeklagte neue Schleusungsaufträge angenommen und sie mit teilweise noch unbekannt gebliebenen Helfern durchgeführt, so der Vorwurf der Anklage. Die Staatsanwaltschaft gehe davon aus, dass der 37-Jährige rund 17000 Euro aus den Taten erlangt hat, berichtete die stellvertretende Sprecherin des Landgerichts, Hanni Peiffer.

Der Angeklagte, der seit dem 19. Februar in Untersuchungshaft sitzt, räumte in einer von seiner Verteidigerin Medya Roza Tuku verlesenen Erklärung ein, als „Treuhänder“ tätig gewesen zu sein. Bei den geschleusten Personen habe es sich um Menschen gehandelt, die wie er jesidischer Abstammung seien. Nach der Festnahme seines Vaters habe er sich darum gekümmert, dass alle, die schon unterwegs waren, die Reise wie geplant fortsetzen konnten. „Ich habe mich den Menschen und meinem Vater verpflichtet gefühlt.“

Wenn Gelder bei dem Vermittler in der Türkei nicht angekommen sind, habe er dafür gerade stehen müssen. Mehrfach sei er selbst in der Türkei gewesen und habe dort Tätigkeiten für einen Mitangeklagten übernommen, aber auch beim Aufbau eines Flüchtlingscamps in Viransehir habe er geholfen. „Das hat mich begreifen lassen, dass das sinnvolle Arbeit für Jesiden ist“, heißt es in der Erklärung.

Das Gericht hat für den Prozess neun Verhandlungstage bis zum 17. August vorgesehen. Schon jetzt ist fraglich, ob diese Termine ausreichen werden, denn es sollen in dem Prozess die Auswertungen umfangreicher Telefonüberwachungen verlesen werden.

wb

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