423 Kinder im Kreis davon betroffen

366mal Gewalt gegen Frauen

Ulla Schobert.

Achim - OYTEN (mb) · „Gewalt gegen Frauen ist das am weitesten verbreitete und am wenigsten bestrafte Verbrechen“, sagt Ulla Schobert, Geschäftsführerin des Verdener Frauenhauses, die vor dem Kreisfrauenrat im Oytener Rathaus referierte.

Wie sie ausführte, hat sich erst sehr spät beim Gesetzgeber die Erkenntnis durchgesetzt, dass viele dieser Menschenrechtsverletzungen strafrechtlich zu verfolgen sind. Vergewaltigungen in der Ehe wurden so bei uns erst 1977 unter Strafandrohung gestellt und erst 2004 als Offizialdelikt behandelt, zu Stalking, dem planvollen, fortgesetzten und beängstigenden Verfolgen einer Person, gab es erst 2002 und 2007 die entsprechenden Gesetze. Allerdings greifen sie auch nur, wenn eine schwerwiegende Beeinträchtigung der verfolgten Person vorliegt.

Schobert: „Ein Diebstahl von zehn Euro wird doch auch verfolgt und nicht nur, wenn der Schaden schwerwiegend ist.“

Enttäuschend findet sie auch, dass nach der Weltfrauenkonferenz 1995 in Peking sich wenig verbessert habe. Heute würden täglich immer noch 6000 Mädchen an ihren Genitalien verstümmelt, auch im Kreis Verden hin und wieder.

Sexuelle Belästigung, Missbrauch, Vergewaltigung, Frauenhandel und Zwangsprostitution seien nach wie vor an der Tagesordnung.

Das Verdener Frauenhaus hat im vergangenen Jahr 366 Fälle von Gewalt gegen Frauen verzeichnet. In den betroffenen Familien lebten 423 Kinder. Es geht um physische und psychische Gewalt und Verletzungen, Bedrohungen und vorwiegend bei Frauen aus dem islamischen Kulturkreis auch um Zwangsheirat und Gewalt „im Namen der Ehre“ bis zum Mord. Ulla Schobert spricht sich klar dafür aus, solche Verbrechen nicht als kulturelle Eigenart zu verharmlosen. Hier seien auch die Migrantenorganisationen und Imame zu einer klaren Haltung aufgerufen. Der Kreisfrauenrat und andere Engagierte sollten da zum Beispiel auch den „Tag der offenen Moschee“ nutzen, um diese nicht akzeptable Gewalt gegen Frauen offen anzusprechen.

Neben Frauenhäusern kümmern sich auch etliche Beratungsstellen um die Opfer, aber oft mangelt es im Lande an der nötigen finanziellen Unterstützung. Der Landkreis Verden mache da allerdings eine rühmliche Ausnahme, lobte Ulla Schobert, die auch dem Kreistag angehört.

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