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Land soll mehr Tempo machen

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Zahlreiche Windräder in einem Windpark
Für mehr Windenergieanlagen muss das Land selbst auch mehr tun, fordert die Branche. © dpa

Es gibt ein gesetzliches „überragendes Interesse“ am Ausbau der Erneuerbaren Energien. Doch an der Umsetzung hapert es nach Ansicht der Windenergiebranche noch. Sie fordert mehr Tempo.

Kiel – Der Bundesverband Windenergie (BWE) in Schleswig-Holstein fordert mehr Tempo beim Ausbau der Erneuerbaren Energie in Schleswig-Holstein. So müssten unter anderem die Genehmigungsverfahren beschleunigt werden, sagte BWE-Landesgeschäftsführer Marcus Hrach. In den ersten drei Quartalen 2022 seien im Vorjahresvergleich 46 Prozent weniger Genehmigungen erteilt worden. „Das ist für die Branche natürlich sehr frustrierend, weil wir eigentlich ja was anderes vorhaben.“ Hrach verwies darauf, dass auch die Politik sich eigentlich anderes vorgenommen habe: „Nämlich einen Turbo zu zünden bei der Energiewende und Schleswig Holstein zum ersten klimaneutralen Industrieland zu machen.“

Aktuell zeige sich, dass es kein Selbstläufer sei, Energiewendeland und Vorreiter zu sein. „Es muss jetzt ganz viel passieren, damit wir wieder auf Kurs kommen“, sagte Hrach. Wenn es weitergehe wie bisher, wird Schleswig-Holstein nach Ansicht Hrachs seine eigenen Ziele um Längen verpassen. Laut Verband stehen Genehmigungen für 360 Anlagen im Land aus.

„Es ist nach wie vor sehr, sehr kompliziert in Deutschland, Genehmigungsverfahren zu durchlaufen“, sagte Hrach. Das gesetzlich vorgeschriebene überragende Interesse am Ausbau der Erneuerbaren Energien finde sich noch nicht in den Genehmigungsverfahren wieder. „Unserer Meinung nach werden nach wie vor nicht alle Register gezogen, um Genehmigungen zu vereinfachen. Auch auf Landesebene nicht.“ Bisher habe der neu festgeschriebene gesetzliche Vorrang noch keinerlei Wirkung entfaltet. Die aktuell sehr langwierigen Genehmigungsverfahren würden noch nicht kritisch hinterfragt.

Mit Blick auf die schnelle Genehmigung der LNG-Terminals sagte Hrach, es zeige, dass es möglich sei, in Deutschland große Infrastrukturprojekte schnell zu genehmigen. „Wir warten jetzt darauf, dass genauso schnell die Erneuerbaren genehmigt werden. Und das ist möglich, und das muss jetzt der nächste Schritt sein.“

Mit Spannung erwartet wird auch die neue Regionalplanung in Schleswig-Holstein. Bis 2030 sollen im nördlichsten Bundesland ungefähr 15 Gigawatt an Onshore-Anlagen errichtet sein. „Wir stehen aktuell bei 7,3 Gigawatt.“ Um die Leistung bis 2030 verdoppeln zu können, brauche es eine erweiterte Flächenkulisse. „Daran arbeitet die Landesregierung.“ Aber es werde auch darauf ankommen, wie schnell die neue Planung vorliegt und wie schnell damit begonnen werden könne, auf zusätzlichen Flächen Windenergieanlagen zu errichten und zu beantragen. „Wenn wir erst im Jahr 2027 die neuen Pläne haben, bleiben nur noch drei Jahre Zeit, um das energiepolitische Ziel 2030 zu erreichen. Das wird nicht möglich sein.“

Der Netzausbau in Schleswig-Holstein kommt den Angaben zufolge gut voran. In den Süden müsse der Netzausbau forciert werden, da der Norden auch „eine Versorgungsverantwortung gegenüber südlicheren Bundesländern“ habe, sagte Hrach. Aber die hier erzeugte Energie müsse auch noch stärker vor Ort genutzt werden.

Hrach forderte in dem Zusammenhang auch, dass auf Bundesebene ein gesetzlicher Rahmen geschaffen werde, damit jede Kilowattstunde genutzt werden könne. „Und wir aus diesem Paradox herauskommen, dass wir –wenn die Netze dicht sind und der Strom zum Beispiel von Windenergieanlagen und Solarparks abgeregelt wird – diesen Strom nicht nutzen dürfen.“ Im Moment könnten die Betreiber ihren Strom in einem solchen Fall zum Beispiel nicht für die Wasserstoffproduktion nutzen. „Das ist regulatorisch nach wie vor unmöglich in Deutschland“, sagte Hrach. Hier könnten viele Potenziale freigeschaltet werden.  dpa

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