Lockdown und Kontaktbeschränkungen

Druck auf Ungeimpfte: Schleswig-Holstein mit strenger 2G-Regel

Schleswig-Holstein erhöht aufgrund gestiegener Corona-Infektionszahlen den Druck auf Ungeimpfte. Innenräume von Freizeiteinrichtungen und Gaststätten sind ab Montag tabu.

Kiel – Noch hat das Bundesland Schleswig-Holstein mit einer 7-Tage-Inzidenz von 107,1 die niedrigste im ganzen Bundesgebiet. Am Mittwoch, 17. November 2021, wurden dem Robert-Koch-Institut 662 neue Corona-Infektionen und vier Todesfälle gemeldet. Damit das so bleibt, plant die Landesregierung um Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) eine Ausweitung der 2G-Regel auf das gesamte Bundesland. Ungeimpfte dürfen vom Montag nächster Woche an keine Innenräume von Freizeitstätten und Gaststätten mehr besuchen, wie der Regierungschef am Mittwoch bekanntgab.

Bundesland:Schleswig-Holstein
Fläche:15.799,65 km²
Einwohner:2.910.875 (Stand: 31. Dezember 2020)
Ministerpräsident:Daniel Günther (CDU)

Kinder bis einschließlich sieben Jahren und minderjährige Schüler, die regelmäßig in der Schule getestet werden, sind davon ausgenommen, hieß es. Das Grundprinzip im neuen strengen Regelwerk lautet: Bei Freizeitveranstaltungen gilt 2G (geimpft, genesen), bei beruflichen Veranstaltungen und für Jugendliche greift 3G (geimpft, genesen oder getestet).

Schleswig-Holstein erhöht Druck auf Ungeimpfte: 2G in Innenräume von Freizeitstätten und Gaststätten

„Wir wollen achtsam sein und umsichtig handeln“, sagte Günther. Klare Regeln hätten dafür gesorgt, dass Schleswig-Holstein wesentlich besser durch die Pandemie gekommen sei als andere Bundesländer. Diesen Weg werde das Land weitergehen. Die neue Corona-Verordnung wird von der Landesregierung noch im Detail erarbeitet und bis zum 19. Dezember gelten.

Günther machte aber deutlich, dass man die Bestimmungen ins neue Jahr verlängern wolle. Das Regelwerk stimme im Übrigen ganz weitgehend mit dem im benachbarten Hamburg überein.

Schleswig-Holstein weitet unter Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) die 2G-Regel im ganzen Land aus. (kreiszeitung.de-Montage)

Bislang hat das Land bei Veranstaltungen drinnen auf 3G gesetzt. 2G gilt künftig auch für Diskotheken, Dienstleitungen mit Körperkontakt (Friseure und medizinische sowie pflegerische Dienstleistungen ausgenommen), Sport in Innenräumen, außerschulische Bildungsangebote, Touristenübernachtungen in Hotels. 2G trifft für Weihnachtsmärkte auf geschlossene Räume zu – für Markt-Bereiche mit Gedränge empfiehlt die Regierung ebenfalls 2G.

Schleswig-Holstein mit strengerer 2G-Regel: Kontaktbeschränkungen sollen ebenfalls erlassen werden

Die 3G-Regel gilt bei beruflichen Veranstaltungen, geschlossenen Veranstaltungen in Gaststätten, im Profisport, bei beruflicher Bildung und beruflich bedingten Hotelübernachtungen. Schüler müssen im Unterricht wieder eine Maske aufsetzen. Unter anderem die Gewerkschaft GEW hatte das gefordert. Erst Ende Oktober war die Maskenpflicht am Sitzplatz im Klassenzimmer ausgelaufen.

Es soll auch wieder Kontaktbeschränkungen geben. Private Zusammenkünfte innerhalb geschlossener Räume sind von Montag an nur noch mit bis zu zehn ungeimpften Personen zulässig. „Dieses Instrumentarium wird uns gut durch diese Zeit bringen“, sagte Günther zum neuen Regelwerk.

Der Norden ist zwar das Bundesland mit den niedrigsten Corona-Zahlen, aber auch hier stiegen die Werte deutlich. Zuletzt wurden 662 Neuinfektionen an einem Tag und 107,1 neue Fälle pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche gemeldet. Beide Zahlen liegen nur noch minimal unter den Höchstwerten vom 23. Dezember 2020.

Schleswig-Holstein erhöht Druck auf Ungeimpfte: 81 Prozent der Bürger sind vollständig geimpft

Die Lage sei aber heute anders, betonten Günther und Landesgesundheitsminister Heiner Garg (FDP) unter Hinweis auf eine weit geringere Belegung der Intensivbetten in Krankenhäusern als vor einem Jahr und eine relativ hohe Impfquote. „81 Prozent der Schleswig-Holsteiner ab 18 Jahren sind mittlerweile vollständig geimpft“, sagte Garg. Die Inzidenz bei Geimpften habe in der vergangenen Woche 48 betragen, bei Ungeimpften 113.

Die Landesregierung verkündete ihre Pläne einen Tag vor einem Krisengipfel von Bund und Ländern. Dabei soll das weitere Vorgehen in der Pandemie besprochen werden.

Günther machte deutlich, dass für ihn die Abstimmung im Bundestag zum neuen Infektionsschutzgesetz am Donnerstag wichtiger sei als die Ministerpräsidentenkonferenz. Die Länder hätten alle Möglichkeiten eigenständig zu handeln – je nach Lage und unabhängig von Ministerpräsidentenkonferenzen. „Wir haben immer sehr frühzeitig gehandelt“, sagte er und bekräftigte seinen Appell, sich impfen und testen zu lassen und besonders im privaten Bereich achtsam zu sein.

Schleswig-Holstein mit strengerer 2G-Regel: Seitenhiebe auf Bayerns Ministerpräsidenten Markus Söder

Garg und Landesfinanzministerin Monika Heinold (Grüne) setzten Seitenhiebe auf Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU), in dessen Land die Infektionszahlen sehr hoch sind. Söder sollte lieber nach Günthers Wahlkampfmotto „Anpacken statt rumschnacken“ handeln, meinte Heinold – wenn Söder von einer Woche der Wahrheit spreche, wäre diese in Bayern vor fünf oder sechs Wochen gewesen, so Garg.

Die SPD warf der Jamaika-Landesregierung einen Zick-Zack-Kurs vor. „In der Sache halte ich die neuen Maßnahmen für richtig, sie kommen aber zu spät“, sagte Landes- und Fraktionschefin Serpil Midyatli. (Mit Material der dpa) * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Gregor Fischer/dpa & Robert Michael/dpa

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