Modellversuch

Bus statt Auto: Norddeutsche Stadt tauscht Führerschein gegen Fahrkarte

Autofahrer könnten schon bald den Führerschein gegen eine Fahrkarte tauschen. Der Auto-Verzicht wird mit kostenlosem Busfahren belohnt. Doch es gibt ein Haken.

Lübeck – Gibt es bald eine Wende im Stadtverkehr? Eine norddeutsche Stadt prescht jetzt mit einem Konzept vor, das schon bald als Vorlage dienen könnte. Wer seinen Auto-Führerschein abgibt, darf kostenlos Busfahren. Die Vorteile liegen auf der Hand: Sie würden die Umwelt entlasten und in der Großstadt könnte allmählich Ruhe einkehren. Den Preis, den sie zahlen müssen, wäre jedoch nichts anderes als ein lebenslanger Verzicht auf das gewohnte Autofahren. Doch es gibt noch einen weiteren Haken.

Stadt:Lübeck
Fläche:214,1 km²
Bevölkerung:217.198 (2019)
Bürgermeister:Jan Lindenau (SPD)

Kostenlose Busfahrt statt stressige Autofahrt: Ab 2022 soll es möglich sein

Vor allem in der Großstadt kann die Autofahrt mitunter sehr stressig sein. Da wäre eine Busfahrt doch eigentlich vom Vorteil. Die Fahrt übernimmt jemand anderes und man hat auf einmal mehr Zeit, sich zu beschäftigen. Entsprechend weniger Nerven kostet eine Busfahrt. Und zu guter Letzt: Es ist gut für die Umwelt und schützt das Klima. Insbesondere die letzten Punkte würde sicherlich auch Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock unterstreichen.

Doch wie überreden Städte ihre Bürger, auf das geliebte Auto zu verzichten? Lübeck, Heimatstadt von Grünen-Politiker Robert Habeck, wagt es mit einem Modellversuch. Bereits in wenigen Monaten können Autofahrer ihren Führerschein der Hansestadt übergeben. Der Deal: Nie wieder Autofahren, aber dafür Dauer-Fahrgast im Bus – und zwar kostenlos. Das Projekt, das 2022 startet, ist zunächst bis 2025 angelegt. Im Unterschied zu anderen Städten, die ein ähnliches Konzept in Erwägung ziehen, richtet sich Lübeck nicht nur an Senioren über 65 Jahre.

Bus statt Auto: Kostenloses Angebot ist zeitlich begrenzt

Doch es gibt ein Haken: Während das Auto auf ewig in der Garage verstauben könnte, ist das kostenlose Bus-Angebot zeitlich begrenzt. Lübecker dürfen nur ein Jahr kostenlos den Bus in Anspruch nehmen. Für manche dennoch ein gutes Angebot. Die Grünen, die statt der Diesel-Karre das Lastenrad fordern, sowie eine Initiative, die sich dafür starkmacht, dass jeder ohne Auto 1.100 Euro erhält, würden dem Vorhaben sicherlich beipflichten.

Darüber hinaus hätte ein Bus-Umstieg auch finanzielle Vorteile: „Günstiger als der Unterhalt eines Autos dürfte es allemal sein“, schreibt ein Kommentator auf der Facebook-Seite der „Lübecker Nachrichten“, die als Erstes über den Beschluss berichteten. Und damit könnte er sogar recht haben. Für eine Lübecker Jahreskarte zahlt der Busfahrer einmalig 620 Euro. Der Autofahrer hingegen muss mehrere Aspekte im Auge behalten, die allesamt mit hohen Kosten verbunden sind. Faktoren wie Steuer, Versicherung, TÜV und Sprit lassen die Autokosten schnell in die Höhe schießen.

In einer norddeutschen Stadt soll der Auto-Verzicht 2022 belohnt werden.

Würden Autofahrer für die Umwelt wirklich auf ihren Führerschein verzichten?

Dass dem Angebot jedoch auch viel Gegenwind entgegnet, veranschaulichen weitere Facebook-Kommentare. „Eine Wende zur positiven Nutzung des ÖPNV wird sicher nicht durch den Verzicht der Fahrerlaubnis erreicht“, ist sich ein Facebook-Nutzer sicher. Des Weiteren biete die Stadt „keine vernünftigen Anschlüsse beim Umsteigen“ und ohnehin müssten zunächst die Taktung der Busfahrten verkürzt werden.

Das Bus-Jahres-Abo kommt für den Facebook-User also nicht infrage. Gegenüber der „Lübecker Nachrichten“ erklärt Lübecks Vize-Stadtpräsident Ulrich Pluschkell (SPD), was hinter dem Bus-Deal steckt: „Wir wollen gucken, wie vielen Menschen der Klimaschutz wirklich wichtig ist“. Auswertungen des Modellversuchs könnten 2025 zeigen, wer für die Umwelt also tatsächlich bereit wäre, verpflichtende Kompromisse in Kauf zu nehmen. *kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © IMAGO / Frank Sorge

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