Umschlagplatz in Rhadereistedt / Landrat erläutert Klimaschutzkonzept

Zuckerrüben eignen sich als „Futter“  für Biogasanlagen

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Projektmitglieder der Bioenergie-Initiative informierten sich im Heidekreis über die Rübenverwertung in Biogasanlagen. Zuckerrüben werden als Alternative zu Mais angesehen.

Kreis Rotenburg - Zurzeit sind im Landkreis 137 Biogasanlagen am Netz; für sechs weitere liegen Genehmigungsanträge vor. Diese Zahlen nannte Landrat Hermann Luttmann, der in einem Gespräch mit der RK/VN-Redaktion über die aktuellen Entwicklungen im Bioenergie-Bereich ebenso berichtete, wie über den Beitrag der Erneuerbaren Energien zum Stromverbrauch im Landkreis und das in Auftrag gegebene Klimaschutzkonzept, das verbindliche, langfristige Antworten zu Energienutzung und -einsparung geben soll.

Das Klimaschutzkonzept für den Landkreis Rotenburg sei von der SPD beantragt und noch vom „alten“ Kreistag beschlossen worden, blickte Luttmann zurück: „Da wollen wir uns nicht mit fremden Federn schmücken“. Der Bereitstellung von Haushaltsmitteln im Dezember vergangenen Jahres folgte eine Ausschreibung. Drei Büros bewarben sich, den Zuschlag erhielt schließlich die „Klima und Energieeffizienz Agentur“ (KEEA) aus Kassel. Das Konzept muss innerhalb eines Jahres erarbeitet werden und kostet 135 000 Euro. Knapp zwei Drittel davon übernimmt das Bundesumweltministerium. Die Städte und Gemeinden werden ins Klimaschutzkonzept einbezogen. Neben einer Energie- und CO2-Bilanz wird eine „Potenzialanalyse“ erstellt, in die auch die zu erwartenden ökonomischen Effekte einfließen. Ziele und Szenarien werden definiert und ein Maßnahmenkatalog entwickelt. Dabei schauen die Konzeptmacher weit in die Zukunft, denn die Entwicklung bis 2050 soll abgebildet werden. Für Landrat Hermann Luttmann ist der Klimaschutz nicht zuletzt auch aus Sicht der heimischen Wirtschaft eine große Chance: „Wir müssen die Energiewende nachhaltig nutzen.“

Rund drei Viertel des im Landkreis verbrauchten Stroms werden bereits regenerativ im Landkreis selbst erzeugt, betonte Gerd Hachmöller, Leiter der Wirtschaftsförderung, der ebenso am Gespräch im Kreishaus teilnahm, wie seine Kollegin aus der Stabsstelle Kreisentwicklung, Ulrike Jungemann, die sich federführend um die 2007 gemeinsam mit dem Transferzentrum Elbe-Weser ins Leben gerufene Bioenergie-Initiative kümmert. Bei der ins Netz eingespeisten Energiemenge hat das grundlastfähige Biogas mit 52 Prozent knapp die Nase vorn. Die Windenergie bringt es auf 45, die Photovoltaik auf eher bescheidene drei Prozent. Die Zahlen sind in 2010 erhoben worden. „Klimaschutz ist Wirtschaftsförderung“, betont Gerd Hachmöller. Zum Beweis: Das auf Biogasanlagen spezialisierte Unternehmen MT in Zeven hat sich zum zweitgrößten Arbeitgeber im Landkreis entwickelt.

Allerdings sehen viele Bürger die „Vermaisung“ der Landschaft kritisch, wenngleich die Hälfte des angebauten Getreides für die Fütterung des Milchviehs gebraucht wird. „Die Diskussion wird nun durch einen innovativen und konstruktiven Ansatz bereichert“, sagt Ulrike Jungemann. Mitte Februar besuchte eine Gruppe interessierter Biogasanlagenbetreiber auf Einladung der Bioenergie-Initiative des Landkreises eine „Trocken entsteinung von Zuckerrüben“ für die Biogasproduktion im Heidekreis. Die Verwertung der Zuckerrübe werde als eine Alternative zum Mais angesehen. Seit einem Jahr beschäftige sich die Initiative nunmehr damit. Da im Landkreis zu wenig Zuckerrüben angebaut und die Lagermöglichkeiten erst noch geschaffen werden müssen, wurde im vergangenen Jahr zwischen acht Biogasanlagenbetreibern und der Nordzucker AG ein Vertrag über eine Menge von 6 000 Tonnen Zuckerrüben abgeschlossen, welche ab Oktober im Zwei-Wochen-Takt nach Rhadereistedt geliefert wurde.

Am Standort der alten Brennerei wurde ein Rübenumschlagplatz eingerichtet. Die Zuckerrüben wurden hier angeliefert, gewogen, vorgereinigt und mit der „Putsch-Rübenwäsche“ gewaschen, anschließend verladen und zu den am Projekt beteiligten Biogasanlagen transportiert. Diese Lieferkette konnte nur funktionieren, weil viele Betreiber sich offen für neue Wege in der Biogasproduktion zeigten, wobei finanzielle Aspekte in den Hintergrund rückten, erläuterte Jungemann. In diesem Jahr soll der Zuckerrübenanbau deutlich ausgeweitet werden, um die Wertschöpfung im eigenen Landkreis zu stärken. Bis zu 20 Prozent Zuckerrüben können in den jetzigen Anlagen zugesetzt werden. Im Versuch wird auch die Verwendung von Grünschnitt und „durchwachsener Silphie“ getestet. Diese Futterpflanze kann drei Jahre nach der Aussaat erstmals und dann für 20 Jahre gemäht werden. · sf

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