Gutachter stellt Pläne für Klinik-Schließung vor

Zevener Krankenhaus vor dem Aus

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Hat das Martin-Luther-Krankenhaus noch eine Zukunft? Die Anzeichen mehren sich, dass es bald geschlossen wird.

Zeven - Von Stephan Oertel. Das Martin-Luther-Krankenhaus (MLK) in Zeven könnte bald Geschichte sein. Die Klinik ist hoch defizitär, hat zu wenig Patienten, und es ist schwierig, Ärzte dafür zu bekommen, heißt es. „Wir müssen uns die Frage stellen, ob und wie es weitergehen soll“, so Landrat Hermann Luttmann (CDU) gegenüber der Presse.

Wie schlecht es gerade wirtschaftlich um das MLK steht, war vor wenigen Tagen bei einem sogenannten Restrukturierungsgespräch im Rotenburger Kreishaus Thema. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit nahmen daran unter anderem Vertreter des Landkreises, des niedersächsischen Sozialministeriums, der Geschäftsführung der Ostemed, des Kreistags und der Samtgemeinde Zeven teil. Dabei, so ist zu erfahren, kam ein Gutachter zu einem eindeutigen Ergebnis: Das MLK ist abgewirtschaftet, und es wird von den Patienten aus dieser Region nicht angenommen. Zum Beispiel werde dort nur alle zehn Tage jemand operiert. Dafür rund um die Uhr eine Chirurgie vorzuhalten, lasse sich wirtschaftlich nicht darstellen.

Unter dem Strich steht ein jährlicher Verlust in Millionenhöhe. Die Überzeugung, dass sich daran grundlegend etwas ändert, ist offenbar wenig ausgeprägt. Bei der Veranstaltung in Rotenburg sei denn auch unmissverständlich klar gemacht worden, dass das Zevener Krankenhaus so schnell wie möglich geschlossen werden sollte. Dafür seien auch schon sehr konkrete Pläne vorgestellt worden. Wird das MLK weiter betrieben wie bisher, drohe der Ostemed die Insolvenz. Und das würde dann auch das Partnerkrankenhaus in Bremervörder gefährden, um das es wirtschaftlich gegenwärtig deutlich besser gestellt ist.

Ob Geld fließt, ist unklar

Die Zusage Zevens, das MLK jährlich mit einer halben Million Euro zu unterstützen, werde die Situation insgesamt nicht ändern. Und in der kürzlich verkündeten Bewilligung eines Sicherstellungszuschlags wird eher der Versuch des Landes gesehen, den „schwarzen Peter“ an die Krankenkassen weiter zu schieben. Ob nämlich tatsächlich Geld fließt, ist momentan noch völlig offen. Luttmann geht wie berichtet davon aus, dass die Krankenkassen gegen die Bewilligung klagen werden. Überdies müsste der Zuschlag jedes Jahr neu mit den Kassen ausgehandelt werden.

Die Krankenkassen hatten schon vor Jahren deutlich gemacht, dass sie das MLK gerne dichtmachen würden. Zumal die Menschen in dieser Region nach ihrer Darstellung durchaus die Möglichkeit haben, eine Klinik „in angemessener Zeit“ zu erreichen. Gemeint sind vor allem die Krankenhäuser in Rotenburg und Bremervörde. Doch 2015 wurde unter dem Dach des Landkreises mit einstimmigen Beschlüssen des Kreistags noch einmal ein „Rettungspaket“ für die verlustreichen Ostemed-Häuser geschnürt.

Protagonisten halten sich zurück

Als Alternative wurde ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) ins Spiel gebracht. Sowohl Zeven als auch der Landkreis lehnten das ab. Sie wollten das MLK als Krankenhaus erhalten. Nun aber könnte es doch so kommen, wie es die Kassen von Beginn an geplant hatten. Eine ambulante Chirurgie und Hausärzte könnten sich dort ansiedeln, soll der Gutachter vorgeschlagen haben. Die Schmerztherapie, die bei den Planungen für den Erhalt des MLK eine wichtige Säule gewesen ist, ginge nach Bremervörde.

Offiziell halten sich die Protagonisten auf Anfrage zurück. Landrat Luttmann spricht von einer insgesamt sehr schwierigen Situation. Es sei für ein kleines Haus wie Zeven auch qualitativ kaum noch möglich, den gestiegenen Anforderungen gerecht zu werden. Auf die genannten Punkte angesprochen, verweist er auf die Ostemed, deren Geschäftsführer Sven Freytag wiederum darauf, dass bislang nichts fix sei. Natürlich denke man angesichts der wirtschaftlichen Situation über Strukturen nach und darüber, wie es mit den beiden Häusern weitegehen kann. Aber einen Beschluss in die beschriebene Richtung gebe es nicht. Gerüchte werde er nicht kommentieren, betonte Freytag. Solche seien für die Kliniken und auch für deren Mitarbeiter schädlich.

Kreistag entscheidet über Schließung

Ob das MLK geschlossen wird, entscheidet am Ende der Kreistag. Der hat sich bislang klar dafür ausgesprochen, das Krankenhaus zu erhalten und das Defizit dafür zu übernehmen. So ist es auch vertraglich mit den Elbe-Kliniken vereinbart worden, als diese 51 Prozent der Ostemed vom Landkreis Rotenburg übernommen haben. Im Kreishaushalt 2018 ist ein Zuschussbedarf für beide Ostemed-Krankenhäuser in Höhe von 7,82 Millionen Euro ausgewiesen. Seit 2013 hat der Kreis bereits knapp 20 Millionen für die Aufrechterhaltung der Betriebe zahlen müssen. Und die Summen steigen Jahr für Jahr deutlich an – allein der Jahresfehlbetrag liegt mittlerweile bei vier Millionen Euro.

Bislang gibt es laut Luttmann keine Mehrheit dafür, das Martin-Luther-Krankenhaus zu schließen. Doch der Kreistag kann seine Meinung ändern. Und dann könnte es schnell gehen. Dem Vernehmen nach soll das Thema am 20. Dezember im Kreistag auf den Tisch kommen. Gut möglich, dass es dann zur weiteren Beratung in den Ausschuss für Soziales, Arbeit und Gesundheit verwiesen wird, der am 28. Februar tagt. Am 14. März tagt der Kreistag. Dann könnte eine Entscheidung fallen.

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