Ostemed-Häuser vor großer Umstrukturierung

Das Aus für die Zevener Klinik

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Ostemed-Geschäftsführer Siegfried Ristau (l.) und Landrat Hermann Luttmann erklären die Pläne.

Rotenburg/Zeven - Von Michael Krüger. Jetzt ist es offiziell: Das Zevener Martin-Luther-Krankenhaus soll zum Ende des Jahres geschlossen werden. Stattdessen ist ein „ambulantes Gesundheitszentrum“ geplant.

Landrat Hermann Luttmann (CDU) und Ostemed-Geschäftsführer Siegfried Ristau haben die Pläne zur Abwicklung und Neukonzeptionierung am Dienstag in einem Pressegespräch im Rotenburger Kreishaus vorgestellt. Die Kreispolitik signalisiert Zustimmung. Am 11. April befasst sich der Kreistag in einer Sondersitzung mit dem Thema. Luttmann: „Wer jetzt keine Entscheidung trifft, verlängert nur das Sterben des Krankenhauses.“

Nach rund fünf Jahren folgt also die Rolle rückwärts. Der Versuch, das Zevener Krankenhaus zu retten, ist gescheitert – finanziell und medizinisch. Luttmann: „Der 2013 mit dem Ausscheiden der Sana Kliniken AG aus der Ostemed Kliniken und Pflege GmbH eingeleitete Umstrukturierungsprozess, der einen weiteren Betrieb des MLK in Zeven vorsah, hat leider nicht die erforderliche Unterstützung durch die Gesetzlichen Krankenkassen und das Land Niedersachsen gefunden.“ Seit 2013 addieren sich die Zuschüsse für Ostemed für den Landkreis auf 17,7 Millionen Euro.

Patientenzahlen sanken rapide

Zudem sei das Krankenhaus von der Bevölkerung nicht mehr angenommen worden. Die Patientenzahlen sanken rapide. In Zeiten akuten Facharztmangels gelinge es so nicht mehr, Ärzte für das Krankenhaus zu gewinnen. Der Betrieb könne nur noch durch wechselnde Honorarärzte sichergestellt werden – und die Qualität sei nicht immer die beste. „Ich hätte die Klinik gerne erhalten“, sagte Luttmann, „aber die Rahmenbedingungen sind nun mal so.“ Es sei noch keine endgültige Entscheidung getroffen, aber es herrsche Konsens. Das signalisierten auch die Fraktionssprecher der Kreistagsparteien beim Pressegespräch.

Nachdem der Landkreis die Sana-Anteile an den Ostemed-Kliniken in Zeven und Bremervörde übernommen hatte, war man eine Kooperation mit den Elbe-Kliniken Stade-Buxtehude eingegangen. Das soll auch so bleiben – allerdings in deutlich veränderter Form. Zeven soll zu einem ambulanten Gesundheitszentrum umgebaut werden, Bremervörde wird dafür als Klinik ausgebaut. Jeder Mitarbeiter finde auch im künftigen Verbund einen Arbeitsplatz, verspricht Ristau. Rund 160 sind es aktuell in Zeven, 240 in Bremervörde. Dazu kommen die rund 200 Mitarbeiter in den Altenpflegeeinrichtungen an beiden Standorten. Bei einer Betriebsversammlung gestern Morgen in Zeven habe man breiten Zuspruch aus der Mitarbeiterschaft erhalten – wenn auch „emotional aufgeladen.“ Der Schnitt wird allerdings radikal sein: Im MVZ werden es wohl nur noch zehn Arbeitsplätze sein, so Ristau. Wenn es denn überhaupt in der geplanten Form umgesetzt werden kann – der Bedarf entsprechender Facharztstellen muss noch mit der Kassenärztlichen Vereinigung abgestimmt werden. Auch eine Rotenburger Diako-Tochterfirma betreibt in Zeven ein Medizinisches Versorgungszentrum.

Maximal 30 Minuten bis zur nächsten Klinik

Kernpunkt des Konzepts ist die Zusammenführung der stationären Versorgung und der Ausbau der ambulanten Versorgung. Die stationäre Versorgung soll am Standort Bremervörde konzentriert werden. 60 Betten der Inneren Medizin und Chirurgie wandern dorthin, 20 werden abgebaut. 182 Planbetten gab es bislang in beiden Ostemed-Häusern zusammen, 162 werden es in Bremervörde sein. In Zeven soll ein Gesundheitszentrum mit hausärztlicher und chirurgischer Ausrichtung eingerichtet werden. Hierüber würde die kassenärztliche und unfallchirurgische Notfallversorgung sichergestellt. Der Rettungsdienst würde bedarfsgerecht angepasst. Landrat Luttmann beruhigt die Skeptiker: „Kein Bürger im Landkreis wird länger als 30 Minuten bis zur nächsten Klinik fahren.“ An beiden Standorten soll zudem die ambulante und stationäre Altenpflege ausgebaut sowie spezialisiert werden. Insgesamt seien Investitionen für die Konzeptumsetzung in Höhe von 40 Millionen Euro vorgesehen, 29 davon in Bremervörde. Kreisrat Sven Höhl rechnet damit, dass das Land und die Krankenkassen mindestens 25 Millionen Euro übernehmen. „Es ist angestrebt, wieder in die Kostendeckung zu kommen“, so der oberste Kämmerer im Kreishaus.

Ob der Kreistag wie aktuell geplant bereits am 11. April in einer Sondersitzung die politischen Weichen für die MLK-Schließung stellen kann, hängt nun auch davon ab, ob ein geplantes Bürgerbegehren aus Zeven und eine politische Initiative der Partei Die Linke für eine Einwohnerbefragung Erfolg haben. Luttmann ließ am Dienstag durchblicken, dass er für beides kaum Chancen sieht, auch aus formalen Gründen.

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