Vion schließt Schlacht- und Zerlegebetrieb in Zeven

Arbeitsplätze fallen weg, Tierwohl leidet

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In Zeven-Aspe endet der Schlachtbetrieb. 

Zeven - Von Michael Krüger. Spätestens Ende des Monats schließt der Schlacht- und Zerlegebetrieb der Vion AG in Zeven-Aspe. Wo zuletzt noch bis zu 19 000 Schweine pro Woche verarbeitet wurden, ruht dann die Arbeit. Der niederländische Eigentümer zieht die wirtschaftliche Handbremse. Mehr als 300 Mitarbeiter verlieren dort ihren Job – und die Landwirte in der Region sehen Einschränkungen beim Tierwohl durch längere Anfahrtswege zu anderen Schlachthöfen.

Ein Ausweg? Landrat Hermann Luttmann (CDU) sieht derzeit keinen. Angesprochen auf das Problem, das am 9. März mit einer Mitteilung des Fleischproduzenten bekannt geworden war, zeigte sich Luttmann zuletzt im Kreistag wortkarg. Es gehe doch auch um 24 Mitarbeiter des Landkreises, die im Zevener Schlachthof als Tierärzte und Fleischkontrolleure tätig waren, sowie um die Folgen für die heimischen Landwirte, argumentierten die Grünen, die eine Aussprache zum Thema gefordert hatten. Die gab es aber nicht, stattdessen die Einschätzung: „Derzeit wird geprüft, ob eine Weiterbeschäftigung möglich ist, gegebenenfalls auch bei anderen Arbeitgebern. Die Möglichkeiten des Landkreises sind jedoch aufgrund der fachlichen Qualifikationen und mangels vakanter Stellen äußerst begrenzt“, wie es Kreissprecherin Christine Huchzermeier gestern noch einmal unterstrich.

In einem Brief hatten sich Ende März die Landkreis-Mitarbeiter mit der Bitte an die Kreispolitik und den Landrat gewandt, die Arbeitsplätze zu erhalten. „Wir möchten an den Kreistag und die Kreisverwaltung appellieren, sich für unsere Zukunft und die Zukunft unserer Familien einzusetzen! Wir erwarten, dass Sie uns betroffenen Beschäftigten unsere existenziellen Ängste nehmen und erklären, dass Sie auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten und eine Fortzahlung unserer durchschnittlichen Bezüge zusagen“, hieß es darin.

Umsatz sei in Deutschland stark rückläufig

Erst Ende 2016 hatte die Kreispolitik dem Vorschlag von Luttmann zugestimmt, den 6,9-Prozent-Aktienanteil des Landkreises am Vion-Unternehmen zu verkaufen. Der Verkaufspreis betrug 388. 365 Euro. Hintergrund des Verkaufs war der Interessenkonflikt, als Landkreis an einem Betrieb beteiligt zu sein, über den diesem die veterinärmedizinische Aufsicht obliegt, hieß es zur Begründung. Weiterhin sei die wirtschaftliche Betätigung des Kreises in diesem Bereich kritisch zu sehen, da sich wirtschaftliche Beteiligungen grundsätzlich an Einrichtungen der Daseinsvorsorge orientieren sollten. Die Verluste des Unternehmens waren bereits bekannt, allerdings sei der Verkauf nicht mit einer Schließung des Zevener Betriebs verbunden. Stand Ende 2016.

Nun kommt es anders. Der Schweinefleischmarkt habe sich massiv geändert, der Umsatz sei in Deutschland stark rückläufig, heißt es von Vion. Pressesprecher Karl-Heinz Steinkühler: „Allein mit der China-Zulassung, die Zeven nicht hat, erwirtschafteten zugelassene Betriebe im vergangenen Jahr zusätzlich fünf Euro mehr pro Schwein.“ Daher konzentriere Vion seine Produktion in Niedersachsen auf den Standort Emstek. Von dort aus sei der beste Zugang zu den wichtigen internationalen Märkten möglich. Aktuell werde mit dem Betriebsrat über einen Sozialplan verhandelt. In diesem werde der tatsächlich letzte Produktionstag geregelt, auch ein Interessensausgleich verhandelt. Steinkühler: „17 festangestellten Mitarbeitern wurde bisher eine Alternative an den Standorten in Emstek, Perleberg oder Landshut angeboten.“ Von der Schließung betroffen sind 113 Mitarbeiter, acht Azubis und ein Umschüler. Zudem geht es um 190 sogenannte Werksvertragsmitarbeiter und die kreiseigenen Angestellten. Das ist die menschliche Seite.

716. 000 Mastschweine

Es geht auf der anderen Seite aber auch um rund 716. 000 Mastschweine in den Landkreisen Rotenburg, Stade, Harburg, Heidekreis, Verden, Osterholz und Cuxhaven, für die nach Angaben des Wirtschaftsministeriums nach neuen Absatzwegen gesucht werden muss. Am Freitag stand das Thema Vion auf der Tagesordnung des Landtags, aber auch in Hannover sieht man keine Lösung: „Nach Einschätzung der Landesregierung handelt es sich bei der Entscheidung zur Schließung des Standortes Zeven um eine unternehmerische Entscheidung, die Vion im Zuge der mehrjährigen Konsolidierung des Gesamtkonzerns getroffen hat, um das Unternehmen insgesamt zukunftsfähig zu machen und die verbleibenden Standorte wie zum Beispiel Emstek zu sichern.“ Die Landesregierung bedauere die Entwicklung für die Beschäftigten und den Standort Zeven „außerordentlich, sieht aber keinen Ansatzpunkt, mit dem eine Weiterführung der Schweineschlachtung in der Betriebstätte in Zeven erreicht werden könnte“, heißt es in einer Antwort des Ministeriums auf die Frage einiger CDU-Abgeordneter um Hans-Heinrich Ehlen.

Das Aus in Zeven betrachten ebenfalls Vertreter der Landwirtschaft mit Sorge. Die Schlachtschwein-Erzeugergemeinschaft Bauernsiegel hatte vor zwei Wochen in Hatzte über neue Vetriebswege informiert. Die Nachfrage auf dem Schweinemarkt sei derzeit groß, hieß es dort, der auch vom Ministerium angeführte Vion-Schlachthof in Emstek (Kreis Cloppenburg) eine Alternative. Aber: Längere Transportwege führten zu höheren Kosten, und dem Tierwohl seien die Fahrten auch nicht zuträglich.

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