Drei Jahre und vier Monate

An der Tochter der Partnerin vergangen

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Vor dem Landgericht Paderborn wurde ein 36-jähriger Zevener zu drei Jahren und vier Monaten Haft verurteilt.

Paderborn/Zeven - Von Ulrich Pfaff. Sexuelle Übergriffe erfolgen häufig innerhalb von Familien. So war es auch in diesem Fall: Ein 36-Jähriger aus Zeven hatte die Tochter seiner Verlobten missbraucht. Die Quittung vom Landgericht Paderborn sind drei Jahre und vier Monate Haft.

Es war für die Richter in der Domstadt ein Fall mit eher ungewöhnlichen Zusammenhängen. Denn bereits Anfang Januar hatte die Jugendschutzkammer einen 47-Jährigen aus Altenbeken im Kreis Paderborn für mehr als sieben Jahre hinter Gitter geschickt, der Kinder aus der in seinem Haus lebenden lockeren Wohngemeinschaft in zahlreichen Fällen sexuell schwer missbraucht hatte.

Nun stand mit dem 36-jährigen Zevener ein Mitbewohner vor derselben Kammer – er hatte sich an der heute 13-jährigen Tochter seiner Lebensgefährtin vergangen. Das Kind war auch Opfer des 47-Jährigen geworden. „Wir sind fassungslos, was sich in diesem Haus abgespielt hat“, erklärte Richter Eric Schülke bei der Urteilsverkündung angesichts der Übergriffe – auch wenn der 36-jährige Angeklagte „nur“ in einem Fall einen schweren sexuellen Missbrauch eines Kindes begangen hatte. Der stritt diesen Vorwurf bis zuletzt ab. „Ich bin unschuldig“, sagte der Zevener.

Ins Schlafzimmer gerufen, als die Mutter außer Haus war

Glauben wollte das die Jugendschutzkammer nicht. Denn die Art und Weise, wie die 13-Jährige unter Ausschluss der Öffentlichkeit die Tat schilderte, die sich wohl im Frühjahr 2016 abgespielt hatte, erschien der Kammer letztlich schlüssig und ohne größere Widersprüche. Demnach hatte der 36-jährige „Stiefvater“ das Mädchen an einem Samstag ins Schlafzimmer gerufen – als die Mutter außer Haus war. Unmittelbar nachdem er sich an ihr vergangen hatte, platzte der 47-Jährige unangemeldet in das Zimmer und bekam die Szenerie zu Gesicht – was ihn dazu animiert habe, sich später selbst und mehrfach an dem Kind zu vergreifen, wie der Pädophile in seinem eigenen Prozess gestanden hatte.

Dass der Vorfall überhaupt ans Tageslicht kam, war der 16-jährigen leiblichen Tochter des Zeveners zu verdanken: Die war bei einem Besuch ihres Vaters von dem 47-Jährigen unsittlich angefasst worden und hatte die Familie darüber informiert. Dann befragte der Bruder des 47-Jährigen unter der falschen Identität eines Mädchens die 13-Jährige über das soziale Netzwerk Instagram und gab seine Erkenntnisse an die Polizei weiter.

Tochter laut Mutter unglaubwürdig

Die 33-jährige Mutter des Mädchens, die mit dem 36-jährigen Angeklagten zusammen zwei weitere Kinder hat, gab an, ihre Tochter sei unglaubwürdig: Sie habe damals versichert, es sei nichts vorgefallen, wohl aber habe die Mutter den Eindruck gewonnen, die 13-Jährige hätte sich in „Papa“ verliebt. Die Frau, sagte der Richter, habe „eine erstaunliche Tendenz“, gegen die eigene Tochter und zum Schutz des Angeklagten auszusagen. „Wir waren gar nicht so sicher, auf wessen Seite sie steht.“ Die 33-Jährige hatte sich im Zuge der Ermittlungen gegen den Verlobten von diesem getrennt – damit das Jugendamt ihr drei der vier entzogenen Kinder wieder zurückgeben konnte. Das Missbrauchsopfer lebt noch immer in einer Jugendeinrichtung, der Täter wieder in Zeven.

Beim Strafmaß betrachtete die Kammer auch das lange Vorstrafenregister des 36-Jährigen. 18 Einträge im Zentralregister, fast ausschließlich Eigentums- und Straßenverkehrsdelikte – der Mann war schon als Jugendlicher „Stammkunde“ beim Amtsgericht in Zeven. Zum Tatzeitpunkt hatte er noch zwei offene Bewährungen.

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