Serie „Innovativ und gefördert“

Struktur statt Klon

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Jörg Ahlgrim bei der Arbeit in seiner Werkstatt. 

Zeven - Von Inken Quebe. Es ist schon ein paar Jahre her, da wusste Jörg Ahlgrim nicht mehr weiter: Eigentlich ist er Glasermeister und führt mit „Ahlgrim“ einen eigenen kleinen Handwerksbetrieb in Zeven. Doch anstatt sich im Wesentlichen auf sein Handwerk konzentrieren zu können, musste Ahlgrim immer mehr Zeit mit Büroarbeit verbringen. Er suchte nach einer Lösung und stieß auf das Angebot des Transferzentrums Elbe-Weser (TZEW).

Die Glaserei Ahlgrim gibt es bereits seit 1934 – ein klassischer, familiär geführter Handwerksbetrieb, gegründet von Jörg Ahlgrims Großvater Wilhelm. 2003 übernahm er den Betrieb. Im Fokus steht die Faszination Glas, das merkt man auch an der Art, wie Jörg Ahlgrim über das Material spricht: „Man kann ohne Stahl oder Beton bauen – aber nicht ohne Glas.“ Er zeigt gerne, was er mit dem Material kann, selbst seine Visitenkarte ist aus Glas. Ein echter Hingucker. „Von A wie Abtrennungen für Duschen bis Z wie Zimmertürverglasungen können wir den Kunden fast jede erdenkliche Glaserarbeit anbieten“, so Ahlgrim.

Das Angebot ist vielfältig und fordert nicht nur handwerklich heraus, sondern bei einem so kleinen Unternehmen auch aus Verwaltungssicht. „Manchmal hatte ich das Gefühl, mich klonen zu müssen“, sagt er mit einem Augenzwinkern. Er sah, dass etwas geändert werden muss, um effizienter im Büro zu werden. Aber das genaue „Wie“ sei offen geblieben.

„Effizientes Arbeiten ist für die Betriebe in Anbetracht immer weiter steigender Kosten ein absolut wichtiges Thema“, findet auch Christoph Reuther von der Wirtschaftsförderung der Samtgemeinde Zeven. Wer hier nicht nach Optimierung suche, ob in der eigenen Tätigkeit oder den generellen Abläufen, verliere im Wettbewerb. Wenn es um stark eingreifende Maßnahmen in die eigentliche Struktur des Unternehmens handele, sei guter und vor allem neutraler Rat gefragt. Reuther rät dazu, Kontakt zur Wirtschaftsförderung aufzunehmen. Dort werde eine breite Palette an Beratungsmöglichkeiten angeboten. Dazu zählt auch die Vermittlung von Experten von Hochschulen und anderen Forschungseinrichtungen in Kooperation mit dem TZEW.

Mit eben diesem nahm auch Jörg Ahlgrim Kontakt auf. Doch nicht ohne eine gewisse Skepsis: Im ersten Augenblick sei ihm das Angebot wenig greifbar erschienen. Es blieben Fragen: „Wie kann ich gewisse Abläufe umstrukturieren, ohne den gesamten Betrieb vollkommen umzukrempeln? Und wie können mir die Professoren der Hochschule dabei helfen?“ Nichtsdestotrotz ließ er sich darauf ein und rät heute anderen Unternehmen zu diesem Schritt: „Das Schlimmste, was passieren kann, ist, dass man Zeit verliert.“

In einem Erstgespräch wurde gemeinsam mit Vertretern von Wirtschaftsförderung und TZEW die Problemstellung erörtert. „Es ging vor allem darum, zu beschreiben, wo es brennt“, erinnert sich Ahlgrim. Als das geklärt war, ging es darum, einen passenden Experten aus dem Pool zu finden. Nur wenige Wochen vergingen, dann sei schon mit einem Professor des Fachbereichs Wirtschaft von der Hochschule Hannover innerhalb eines weiteren Gesprächs eine Lösungsmöglichkeit erarbeitet worden.

Ahlgrim führte gemeinsam mit dem Experten zum Beispiel neue Ablagestrukturen, eine klare interne Vorgabe für Büro-Abläufe ein und skizzierte den Weg konsequentere Nutzung des EDV-gestützten Warenwirtschaftssystems für die Aufträge ein.

„Er hat die Nadel im Heuhaufen gefunden“, sagt Ahlgrim rückblickend. Der Professor habe auch einige Aufgabenstellungen da gelassen, die das kleine Team mit drei Gesellen, einem weiteren Glasermeister und inzwischen einer Bürokraft nach und nach abgearbeitet habe. „Viele Dinge waren selbsterklärend.“ Heute bleibe ihm mehr Zeit für die eigentlichen Geschäftsführungsaufgaben. Und auch danach sei der Kontakt zum TZEW nicht abgerissen: „Es ist auch im Nachhinein gefragt worden, ob es noch ein Problem gibt.“

„Das ist ein schönes Beispiel dafür, dass schon ein kurzes Gespräch viel bewirken kann“, sagt Arne Engelke-Denker vom TZEW. Und Gesa Weiss von der Stabsstelle Kreisentwicklung beim Landkreis findet: „Es wurde kurz und knackig geholfen.“

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