MLK-Notaufnahme ist dicht

Notfallpatienten werden in Zeven nicht mehr aufgenommen

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„Ja zum MLK“ – das Faltblatt liegt noch im leeren Wartezimmer. Weil es an Fachärzten fehlt, um Notfallpatienten durch Internisten oder Chirurgen untersuchen und versorgen zu lassen, ist die Notaufnahme des Zevener Martin-Luther-Krankenhauses seit Freitag bis auf weiteres geschlossen worden.

Zeven - Seit Freitag werden Notfallpatienten im Zevener Martin-Luther-Krankenhaus nicht mehr aufgenommen. In einer Pressemitteilung wird das mit akutem Fachärztemangel begründet. Die betroffenen Patienten sollen auf umliegende Krankenhäuser ausweichen – der Rettungsdienst sei entsprechend informiert worden.

In der von „Ostemed“-Geschäftsführer Sven Freytag unterzeichneten Erklärung wird ausgeführt, „dass aufgrund akuter Engpässe bei der Besetzung spezieller fach-ärztlicher und fachpflegerischer Funktionen in medizinischen Hochrisikobereichen mit dem primären Fokus auf die Aufrechterhaltung der Patientensicherheit einige organisatorische Änderungen zur Bündelung der fachärztlichen und fachpflegerischen Versorgung in den „Ostemed“-Kliniken kurzfristig und bis auf weiteres umgesetzt werden.“

Übersetzt bedeutet das, es gibt nicht mehr genug Internisten und Chirurgen am Zevener Krankenhaus, um eine Intensivstation zu betreiben. Die damit verbundene sofortige Schließung der Notaufnahme schränkt die medizinische Versorgung der Region Zeven ein. Der „Ostemed“-Geschäftsführer führt weiter aus, die Versorgung der allgemein-internistischen Patienten auf der Normalstation des Martin-Luther-Krankenhauses werde durch internistische Fachärzte – ohne intensivmedizinische Ausbildung – in Zeven sowie durch Ärzte der Inneren Abteilung der Bremervörder Klinik sowie durch die Fachärzte der An-ästhesie sichergestellt. Der so genannte allgemein-internistische Hintergrunddienst soll laut Freytag „bis zur Entspannung der Personalsituation standortübergreifend gewährleistet“ sein. Eine weitere Konsequenz für die chirurgische und für die internistische Station nennt der „Ostemed“-Geschäftsführer auch noch: Patienten, die intensivmedizinisch behandelt oder überwacht werden müssen, können bis auf weiteres nur noch in Bremervörde versorgt werden.

Wölbern: „Unglaublich dieser Vorgang“

Für Patienten, die im Notfall ohne Rettungsdienst in das Martin-Luther-Krankenhaus kommen, ist laut Freytag die „fach-ärztliche internistische und chirurgische Ersteinschätzung und -versorgung sowie die Anbahnung einer qualifizierten Weiterversorgung weiterhin rund um die Uhr gewährleistet.“ Abschließend teilt der Krankenhaus-Chef mit, dass er alle Gremienmitglieder der „Ostemed Kliniken und Pflege GmbH“ in Gesellschafterversammlung und Aufsichtsrat bereits vorab über die Schließung der Notaufnahme und der Intensivstation informiert habe.

Hans-Joachim Jaap (CDU), stellvertretender Landrat und Vorsitzender des Fördervereins für das MLK, war zwar über die Schließung der Notaufnahme informiert, aber dennoch nicht zu einer Stellungnahme bereit. Ganz anders Zevens Stadt-Bürgermeister Norbert Wolf (CDU): „Das ist alles nicht mehr durchsichtig, das macht mich wirklich zornig. Diese Schließung spricht nicht für eine transparente Handlungsweise der Krankenhaus-Eigentümer. Ich finde das unverantwortlich.“ Da werde die Presse über eine sofort wirksame Schließung der Notaufnahme und der Intensivstation informiert. Der Eigentümer der „Ostemed“ müsse sich sofort dazu äußern. Das sei „ein Schlag in das Gesicht des Wirtschaftsstandortes Zeven“, so Wolf. Wolfs Parteifreund und erster stellvertretender Bürgermeister Hans-Peter Klie sagte: „Mir fehlen wirklich die Worte. Das spricht nicht für die Kompetenz der Geschäftsführung der ,Ostemed’-Kliniken.“ Er sei gespannt, wie der Landkreis angesichts dieser neuen Situation mit der Zahl seiner Rettungswagen zurecht kommen will.

Vorgehen der „Ostemed“-Geschäftsführung wirft Fragen auf

„Warum muss man sowas als Abgeordneter des Kreistages eigentlich zufällig erfahren?“ Mit dieser Frage beginnt eine E-Mail des SPD-Kreistagsfraktionsvorsitzenden Bernd Wölbern an „Ostemed“-Geschäftsführer Sven Freytag, Landrat Hermann Luttmann und den zuständigen Dezernenten Sven Höhl. Wölbern weiter: „Da verliere ich wirklich jeden Willen, die Form zu wahren. Erzähle mir bitte niemand, dass das nicht absehbar gewesen ist. Oder gar alles halb so wild.“ Er neige langsam dazu, den Gerüchten Glauben zu schenken, dass seitens der Verantwortlichen bei beiden Gesellschaftern die heimliche, aber stetige Abwicklung des Martin-Luther-Krankenhauses betrieben werde. „Unglaublich, dieser Vorgang“, fügt er hinzu. Er erwarte, dass der Rotenburger Kreistag umgehend und umfassend über die aktuelle Lage am Zevener Krankenhaus und die genauen Umstände für den „neuerlichen Rückschlag beim Erhalt des Krankenhauses“ unterrichtet werde.

Das Vorgehen des „Ostemed“-Geschäftsführers werfe bei vielen Abgeordneten des Kreistages Fragen auf, meint auch CDU-Fraktionschef Marco Prietz: „Die Umstände, die zur (...) Entscheidung geführt haben, müssen ebenso aufgeklärt werden wie die Kommunikation durch den Geschäftsführer und die zeitlichen Perspektiven.“ Es stelle sich die Frage, wie lange die Einstellung der Notaufnahme und der intensivmedizinischen Versorgung dauern soll. 

ak / men

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