Stiftung Naturschutz meldet erfolgreiches Schutzprogramm

Heimat für den Laubfrosch

Der seltene Laubfrosch wurde im Kreis vor dem Aussterben gerettet.
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Der seltene Laubfrosch wurde im Kreis vor dem Aussterben gerettet.

Rüspel – Hartnäckig und beharrlich ist es der Stiftung Naturschutz im Kreis Rotenburg in Zusammenarbeit mit der Bremer Berninghausen Stiftung gelungen, den Europäischen Laubfrosch, der vor 20 Jahren als ausgestorben galt, zu retten. Forstoberrat Jürgen Cassier (70), pensionierter Leiter des Amtes für Naturschutz und Landschaftspflege beim Landkreis Rotenburg: „Damit wurde in einer unvergleichbaren Aktion eine heimische Tierart gerettet und eine stabile Population aufgebaut. Nach einer Schätzung gibt es inzwischen im Kreis 1 400 dieser streng geschützten Tiere. Es handelt sich bei einer Größe von etwa fünf Zentimetern um den kleinsten heimischen Frosch. Haftscheiben an den Fingern und Zehen der langen Sprungbeine versetzen den grasgrünen Winzling in die Lage, als einziger heimischer Frosch an Bäumen und kleinen Pflanzen emporzuklettern.”

Mit Cassier ist an diesem warmen Frühherbsttag der Biologe Ludger Hellbernd (64) aus Bremen, der das Laubfroschprojekt seit vielen Jahren betreut, in das Feuchtbiotop, eine Überschwemmungswiese in der Nähe von Rüspel bei Elsdorf, gekommen. Die Kraft der Sonne nimmt zu, die wärmenden Strahlen locken die Amphibien mit ihrem winzigen, vor etwa zwei Monaten geborenen Nachwuchs aus dem feuchten Bodenbewuchs hervor. Ein Sonnenbad auf dem großen Pflanzenblatt! Immer mehr Laubfrösche sind zu sehen. Dabei sind die Laubfrösche, die sich überwiegend von Fluginsekten ernähren, nachtaktiv. Typisch ist der laute, markante Ruf, den die Männchen oft im Chor vortragen.

Ludger Hellbernd zu den Problemen: „Für viele Landwirte ist es schwierig, Flächen für Gewässerneuanlagen für Laubfrösche zur Verfügung zu stellen, weil sie unter den gegenwärtigen Subventionsbedingungen der EU Schwierigkeiten befürchten. Im Raum Rüspel/Zeven werden dringend neue Gewässer für die Pionierart Laubfrosch benötigt. Voraussetzung für die Anlage von Laubfroschgewässern ist eine Mindestgröße von 500 Quadratmeter.”

Hellbernd betreut im Auftrag der beiden Stiftungen seit rund 20 Jahren die Laubfrösche in den Überschwemmungswiesen im Raum Rüspel. Der Biologe bemüht sich darum, die Bereiche artgerecht zu gestalten und zu erhalten. Zugriff hat er auf insgesamt acht Überschwemmungswiesen. Das Verhältnis zwischen dem Naturschutz und der Landwirtschaft beschreibt er als positiv: „Es ergeben sich keine Probleme, weil sich die meisten Flächen außerhalb der landwirtschaftlichen Nutzung befinden.” Jährlich erstellt Hellbernd einen Bericht für die Stiftung Naturschutz und die Berninghausen Stiftung, in dem er die Entwicklung, die Fortschritte und die Probleme im Zusammenhang mit der Wiederansiedlung des Laubfrosches im Raum Zeven beschreibt.

In Niedersachsen gibt es neben dem Kreis Rotenburg Laubfrosch-Vorkommen in der Lüneburger Heide und in den Kreisen Celle und Stade sowie in Geestgebieten. Bei den jeweiligen Laubfroschgewässern ist es wichtig, dass diese in einem Verbund liegen, damit ein Austausch im Rahmen einer Vernetzungsstruktur ermöglicht wird.

Initiiert von dem inzwischen gestorbenen ehemaligen Landrat Wilhelm Brunkhorst wurde die Stiftung Naturschutz für den Kreis Rotenburg vor 32 Jahren ins Leben gerufen. An der Spitze des Vorstandes steht Jürgen Cassier. Unter den 18 Mitgliedern des Beirats befinden sich unter anderem Vertreter von Naturschutzverbänden, des Landvolks, der Jägerschaft, der Unterhaltungsverbände und des Amtes für Agrarstruktur. Die Bremer Berninghausen Stiftung ist Mitglied des Kuratoriums und kooperiert eng mit der Stiftung Naturschutz, wie im Laubfroschprojekt. Die Stiftung Naturschutz hat mit der Biologin Heike Vullmer eine fest angestellte Mitarbeiterin. Die Stiftung Naturschutz, so Cassier, sei bei ihrer Gründung die erste ihrer Art gewesen. Inzwischen seien zahlreiche Landkreise dem Stiftungsmodell gefolgt.

Rund 180 Hektar Fläche befinden sich nach Auskunft von Jürgen Cassier im Eigentum der Stiftung. Diese Maxime steht im Vordergrund der ehrenamtlichen Arbeit: Lebensräume schaffen für erhaltenswerte Tiere und Pflanzen.

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