Gorden Waldmann arbeitet in der Flüchtlingsunterkunft Schwanewede

„Ich will helfen“

+
Gorden Waldmann ist in Schwanewede im Einsatz.

Zeven/Schwanewede - Von Inken Quebe. Wenn in diesen Tagen in der ehemaligen Lützow-Kaserne in Schwanewede (Kreis Osterholz) etwa 1000 Flüchtlinge ankommen, haben die Helfer, unter anderem des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), vor Ort viel zu tun. Auch Gorden Waldmann aus Zeven hat sich freiwillig für diesen Dienst gemeldet, um für einen reibungslosen Ablauf zu sorgen – und die Menschen aufzufangen.

„Nach der langen Flucht kommt dann die Erschöpfung. Ich möchte als Ansprechpartner für sie da sein“, sagt der 48-jährige Zevener, der hauptberuflich als Schulassistent für die Lebenshilfe Rotenburg-Verden tätig ist. Beim DRK Bremervörde ist er normalerweise als Ausbilder für Erste Hilfe im Einsatz. Was in Schwanewede auf ihn zukommt, weiß er noch nicht: „Ich habe mich auf alles vorbereitet.“ Er weiß nicht einmal, ob er jeden Abend zurück in sein eigenes Bett nach Zeven kann oder die Nächte in der Kaserne verbringt.

Dass Waldmann sein Vorhaben zu helfen so problemlos in die Tat umsetzen kann, damit hat auch sein Arbeitgeber zu tun. Die Lebenshilfe musste nämlich binnen kurzer Zeit Ersatz für den Schulassistenten finden. Waldmann kümmert sich normalerweise um einen Jungen mit Behinderung in der Grundschule Tarmstedt. Dessen Eltern haben selbst einen Migrationshintergrund und hätten deshalb sofort zugestimmt, dass der Zevener in der Kaserne hilft, berichtet der 48-Jährige.

Für die Zeit der humanitären Hilfestellung stellt die Lebenshilfe Rotenburg-Verden ihren Angestellten frei. „Wir wollen unseren Mitarbeiter unterstützen“, erklärt auch Martin Schwarz-Lübben, Leiter Offene Hilfen der Lebenshilfe Rotenburg-Verden, an den Waldmann die erste Anfrage gestellt hat. Auch ein konkretes zeitliches Limit habe man ihm nicht gesetzt. „Ich war überrascht, wie viel warmen Rückenwind ich von der Lebenshilfe erfahre“, sagt Waldmann und es ist ihm anzumerken, wie froh er darüber ist. Trotzdem: Waldmann ist so überzeugt, er hätte es wohl auch unter anderen Bedingungen durchgezogen. „Ich will helfen. Vielleicht kann ich das dort noch mehr als in der Schule.“

Auch wenn sein Einsatz noch sehr unklar ist, verunsichert ihn das nicht: „Ich habe keine Angst.“ Er könne auch mit jenen umgehen, die nicht mit ihm sprechen. Er stelle keine Ansprüche an sie und ist „bedingungslos vorurteilsfrei“ – das hat sicher mit seinem Job bei der Lebenshilfe zu tun, denn der Inklusionsgedanke kommt auch dort zum Tragen: „Sie gehören genauso dazu“, sagt er.

Mit seinem ehrenamtlichen Einsatz will er nicht nur die Hilfe suchenden Menschen in der Unterbringung unterstützen, sondern der Gesellschaft auch einen Impuls geben. „Ich bin einfach so: Ich lebe die Prämisse, ein Vorbild zu sein.“ Dieses Signal nach außen zu geben, ist ihm ein Anliegen. Das sei nicht nur mit einem Dienst in einer Flüchtlingsunterkunft möglich. Schon kleine Dinge helfen – wie zum Beispiel mit ihnen zum Arzt zu fahren. „Manchmal reicht es schon, den Menschen einfach die Hand zu reichen und ihnen ‚Herzlich Willkommen‘ zu sagen“, ist sich Waldmann sicher.

Wie lange er am Ende tatsächlich in der Unterbringung tätig ist, könne er selbst entscheiden: „Das darf ich davon abhängig machen, wie viel Kraft ich habe.“ Seine Reserven schätzt Waldmann realistisch ein: „Zwei Wochen sind das längste, was ich mir zutraue.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

20. Etappe: Froome hat vierten Toursieg so gut wie sicher

20. Etappe: Froome hat vierten Toursieg so gut wie sicher

Gute Stimmung auf dem Campingplatz beim Deichbrand

Gute Stimmung auf dem Campingplatz beim Deichbrand

Bartels trifft gegen Ex-Club, aber Werder verliert

Bartels trifft gegen Ex-Club, aber Werder verliert

Israel nimmt nach Anschlag Bruder des Attentäters fest

Israel nimmt nach Anschlag Bruder des Attentäters fest

Meistgelesene Artikel

Mittelalter-Markt in Höperhöfen: „Liberi Effera“ brechen das Eis

Mittelalter-Markt in Höperhöfen: „Liberi Effera“ brechen das Eis

Sattelzug hat 17 Tonnen Hühnerkot zu viel geladen

Sattelzug hat 17 Tonnen Hühnerkot zu viel geladen

Das Herz der Stadt ist seit 30 Jahren autofrei

Das Herz der Stadt ist seit 30 Jahren autofrei

Mirjana Prather: Freibad statt Ärmelkanal

Mirjana Prather: Freibad statt Ärmelkanal

Kommentare