Fynn Kliemann mischt als Heimwerkerkönig das Internet auf

Die Abrissbirne für Hemmschwellen

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Ganz locker: Fynn Kliemann will mit seinen Videos vor allem die Angst vor dem Heimwerken nehmen.

Zeven - Von Matthias Röhrs. Fynn Kliemann hat im Prinzip keine Ahnung, was er eigentlich tut – dennoch tut er es. Als selbst ernannter Heimwerkerkönig stellt der Zevener seit einigen Wochen immer wieder Tutorials online, in denen er seinen Zuschauern zeigt, Mauern oder pneumatische Selfiesticks zu bauen.

Immer im Erstversuch und stets mit einem Spruch auf den Lippen. Beim Internetportal Youtube werden seine Videos hunderttausendfach angeklickt. Dilettantismus führt zum Scheitern, führt zur Improvisation, führt zum Erfolg. Das ist der rote Faden, der Kliemanns Videos durchzuziehen scheint. Mit totaler Ignoranz vor Schwierigkeiten stellt er sich seinen Projekten. „Man darf da schlicht keine Angst vor haben – einfach machen“, sagt er. Geht doch etwas schief, bleibt ihm immer noch sein Humor.

Im echten Leben sei er genau so „tüdelig und paddelig“ wie in den Videos, verrät Kliemann, der „offline“ eine Werbeagentur in Zeven betreibt. „Du bist kein richtiger Handwerker, wenn du keinen Dünnpfiff redest“, sagt er. Als Schüler habe er auf dem Bau ausgeholfen, die hätten dort alle so geredet, ihn geprägt. „Ich finde diese Typen halt mega geil, weil die so echt sind. Sie sind ehrlich, direkt und richtig witzig. Deshalb, glaube ich, gehört die Laberei auch zum Heimwerken dazu.“ Er trifft einen Nerv: Stetig wächst die Fangemeinde, die Medien überschlagen sich mit Lob, Werbedeals werden dem 27-Jährigen angeboten – alle abgelehnt. „Die Videos sind ein Spaß-Ding.“

Zugegeben, wer wirklich etwas mit Hilfe von Heimwerker-Videos bauen will, sollte sich andere anschauen – macht Kliemann schließlich auch. „Am Anfang habe ich immer gedacht, das wäre voll kompliziert. Aber dann schaust du dir im Internet Tutorials an – also von jemanden, der das wirklich kann – oder du machst einfach. Letztendlich ist das voll einfach“, sagt er. Kliemann ist mehr die Abrissbirne für Hemmschwellen. „In jedem von uns steckt ein kleiner Handwerker“, ist er überzeugt. Jeder habe doch Lust, etwas zu bauen, viele denken aber, es sei zu schwer. „Ist es aber gar nicht. Das Ergebnis wird vielleicht nicht perfekt, aber am Ende ist es selbst gemacht.“ Plus: „Man spart wahnsinnig viel Geld dabei.“

Begonnen hat alles mit dem Kauf eines Hauses für sich und seine Freundin. „Das war eine Ruine. Und beim Umbau habe ich viel mit fetten Maschinen rumgespielt. Das war cool.“ Er war angefixt. Die Garage noch voller Werkzeug, Freunde haben ihn dazu viel Material geschenkt. „Total geil“, sagt er. Die Decken raus, Tisch gebaut, die komplette Renovierung hat er mit eigenen Händen durchgezogen.

Ansonsten gehe es immer danach, was er gerade so braucht. Sein alter Volvo soll eine neue Farbe bekommen? Kein Problem. „Das erste Ding war eine Steady-Cam“, erinnert Kliemann sich an seine Anfänge – für ein Musikvideo. Einen Schneider für Rasenkanten hat er dafür umgebaut. „Das funktioniert eigentlich ganz gut. Und ich habe das halt gefilmt, weil ich sowieso mit der Kamera hantiert habe.“ Und gemerkt, es ist witzig, da könne er mehr von machen.

Fast wirkt es, als wolle Kliemann auch Gesellschaftskritik üben. Wie mit seinem pneumatischen Selfiestick, der Würstchen werfen kann. „Natürlich will ich darauf hinweisen, wenn etwas Schwachsinn ist. Ich will aber nicht sagen, dass jeder, der einen Selfiestick benutzt, pauschal blöd ist. Lieber sage ich, was die coolste Version davon ist.“

Kliemann genießt seinen Erfolg und schätzt die Türen, die sich dadurch für ihn öffnen und die Leute, die er durch sie kennen gelernt hat. Doch Erfolg ist endlich – gerade im Netz. Kliemann ist sich dessen bewusst: „Ein schlechtes Video – und ich bin weg.“

Zum YouTube-Kanal von Fynn Kliemann geht es hier.

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