Ehemaliger Pfleger erhebt schwere Vorwürfe 

Wird die Zevener Klinik kaputt gespart?

Den realen Überstundenberg der Ostemed-Pflegekräfte stellten die am „Tag der Pflege“ aufgetürmten Kartons symbolisch dar.

Zeven/Oldendorf - Von Thorsten Kratzmann. Mit tief schwarzer Farbe malt Bernhard Ballmer an einem Bild vom Zevener Martin-Luther-Krankenhaus. Dort hat er bis vor zwei Jahren gearbeitet. Der Kontakt zu den ehemaligen Kollegen ist nicht abgerissen. Was er von ihnen zu hören bekommt, hat Ballmer zu einer Klageschrift zusammengefasst. „Sonst tut es ja keiner. Und ich habe nichts zu verlieren“, sagt der Rentner.

Bernhard Ballmer, ehemaliger Pfleger auf der Intensivstation des MLK, stellt sich in eine Reihe mit den Medizinern Dr. Georg Güsken, Professor Dr. Karl-Wilhelm Fritz, Dr. Wolfgang Trescher, Ulf-Johannes zum Felde und Hanns-Ulrich Leisterer, die allesamt den sprichwörtlichen Teufel an die Wand malen und den Ruin des Martin-Luther-Krankenhauses (MLK) prophezeien. Ballmer geht noch einen Schritt weiter. Er sieht den Niedergang auch der Pflegeeinrichtung eingeleitet.

Bernhard Ballmer war Pfleger auf der Intensivstation.

Der Oldendorfer bezieht sich auf Gespräche mit ehemaligen Kollegen im MLK und im Seniorenheim. Da sie sich nicht zitieren lassen möchten, hat er sich ein Herz gefasst und sich an die Zevener Zeitung gewendet. Ballmer spricht von unhaltbaren Zuständen sowohl im Krankenhaus als auch in der Pflegeeinrichtung und argwöhnt, sie würden bewusst herbeigeführt. Bernhard Ballmer behauptet, zehn von 40 Mitarbeitern der Ostemed-Pflegeeinrichtung in Zeven hätten zwischen Mai und Januar gekündigt. Die mehr als angespannte Personalsituation sei von verbliebenen Mitarbeitern in einem Brief an die Geschäftsführung beklagt worden. Unter anderem hätten die Unterzeichner über nicht mehr zu bewältigenden Arbeitsanfall, Überforderung, schlechte Bezahlung und ausbleibende Neueinstellungen geklagt. Auch hätten sie dem Arbeitgeber vorgeworfen, das Arbeitszeitschutzgesetz nicht einzuhalten.

Einschüchterungsversuchen und Drohungen

Gleichlautende Vorwürfe seien von den Mitarbeitern der Pflegeeinrichtung gegenüber Ostemed-Geschäftsführer Sven Freytag im Verlauf einer Versammlung geäußert worden. Weiter zitiert Ballmer ehemalige Kollegen, die Einschüchterungsversuchen und Drohungen der Geschäftsführung ausgesetzt gewesen seien.

Obgleich viele Pflegekräfte aufgrund Personalmangels am Ende ihrer Kräfte angelangt seien, vergehe kaum ein freier Tag, an dem sie nicht angerufen und gebeten werden, zur Arbeit zu kommen, gibt Ballmer wieder, was ihm berichtet wurde. Lücken im Personalbestand würden zudem mit Zeitarbeitern gefüllt. Ballmer sagt, ihm sei von Pflegefehlern berichtet worden. Ursache dafür seien nicht zuletzt die Personalfluktuation und fehlende Einarbeitungszeit. Ihm sei auch zu Ohren gekommen, dass sich Bewohner der Pflegeeinrichtung bei der Hausleitung beschwert hätten.

Die Senioren- und Pflegeeinrichtung am MLK sei zu Zeiten des Vorbesitzers Sana ein Vorzeigeobjekt gewesen. Das werde jetzt zugrunde gerichtet. „Was steckt dahinter?“, fragt Ballmer und mutmaßt: „Es ist ganz offensichtlich, dass bestimmte Ziele damit angestrebt werden.“

Beispiel für Missmanagement

Die unterstellt er der Geschäftsführung auch in der Leitung des MLK. Als Beispiel für Missmanagement benennt Ballmer die angeordnete Schließung der stationären Chirurgie und die anschließende Aufhebung dieser Anordnung. Aus dem MLK sei ihm zugetragen worden, dass Patientenzimmer auf der chirurgischen Station abgeschlossen worden seien, damit sie nicht belegt werden können. Lediglich zehn Betten stünden für Patienten tatsächlich zur Verfügung.

Als Skandal empfindet es der ehemalige Pfleger, dass die DRK-Rettung angeblich nicht zeitnah davon in Kenntnis gesetzt worden sei, dass die stationäre Chirurgie nun doch nicht geschlossen werde. Ballmer zitiert einen Rettungsassistenten mit den Worten: „Wir denken, die Chirurgie ist geschlossen.“

Darüber hinaus sei Chefarzt Dr. Matthias Schacht in den „Zwangsurlaub“ geschickt worden. Fachpersonal sehe sich dem Versuch ausgesetzt, es an die Elbe-Kliniken abzuwerben. Und Patienten werde nahe gelegt, sich in der Ostemed-Klinik in Bremervörde oder der Stader Elbe-Klinik behandeln zu lassen.

Diesen Schritt wird Abraham de Graaf wohl tun, sollte sich ein Krankenhausaufenthalt für seine Frau oder ihn nicht vermeiden lassen. Der Entschluss, fortan das MLK meiden zu wollen, fußt auf Erfahrungen, die sie Anfang März und wenige Monate zuvor gesammelt haben. Kritik äußert Abraham de Graaf an der ärztlichen Versorgung – sowohl in der Notaufnahme als auch auf der inneren Station. Eine Assistenzärztin sei die einzige gewesen, die er binnen einer Woche zu Gesicht bekommen habe. Sie habe sich die Hacken abgelaufen, sie sei allein gelassen worden. Ausdrückliches Lob zollt de Graaf dem Pflegepersonal, das sich „kümmert und immer nett ist“. Gleichwohl sieht er schwarz für das MLK. „Ich habe den Eindruck, die Geschäftsleitung lässt das bewusst so laufen.“ Als Ziel unterstellt de Graaf, das MLK in einigen Jahren zu schließen.

Der Betriebsratsvorsitzende der Ostemed GmbH, Werner Schröder, mochte zu alledem keine Stellung beziehen. 

zz

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