Drei Schichten pro Woche

80-Jährige arbeitet seit fast 24 Jahren bei McDonald’s in Bockel

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Gebietsleiter Steffen Block (l.), Restaurant-Manager Andreas Schoof (r.) und Julia Dietrich als Assistentin der Geschäftsführung (2. v.r.) gratulieren der langjährigen Mitarbeiterin Gisela Krause zum 80. Geburtstag. An den Ruhestand denkt die noch nicht.

Bockel - Von Guido Menker. Ausgerechnet an diesem Tag kommt Gisela Krause ein paar Minuten zu spät. Böse ist ihr aber keiner der Kollegen. Es ist noch verhältnismäßig ruhig in der McDonald’s-Filiale in Bockel.

Und außerdem bitten der Gebietsleiter Steffen Block, Restaurant-Manager Andreas Schoof sowie Julia Dietrich als Assistentin der Geschäftsführung die Seniorin erst einmal an einen der Tische. Sie wollen ihr zum 80. Geburtstag gratulieren. Die Chefs haben einen Blumenstrauß für sie mitgebracht und freuen sich darauf, mit der überaus treuen Mitarbeiterin ein wenig zu plaudern.

Als Gisela Krause die Glückwünsche entgegennimmt, scherzt sie, wie es wohl ihre Art ist: „Was mein Geburtsjahr angeht, muss sich jemand geirrt haben.“ In der Tat: Äußerst agil und flott wirkt diese Frau. Ihre Stimme ist kräftig und versprüht auch nach den vielen Jahren noch, die sie inzwischen im Norden zu Hause ist, den Charme des Westfälischen. In Iserlohn wurde sie geboren. 

Schon seit einigen Jahren lebt sie in Wehldorf. Ihre Rente würde zwar ausreichen, sagt sie. „Aber Geld kannste immer brauchen“, fügt sie hinzu. Der Mini-Job im Schnellrestauarant sei für sie eine Herzenssache. „Ich arbeite mit vielen jungen Menschen zusammen. Das macht einfach Spaß.“ So viel Spaß, dass sie sich nach wie vor drei Mal in der Woche aufrappelt, um pünktlich um 11.30 Uhr ihre vierstündige Schicht anzutreten. Immer mittwochs, donnerstags und freitags steht sie an der Kasse.

Sehr beliebte Mitarbeiterin

„Gisela Krause ist eine sehr beliebte Mitarbeiterin“, unterstreicht Steffen Block. Auch, wenn es viele nicht glauben mögen, begrüße das Team in der Filiale an der Autobahn immer wieder zahlreiche Stammgäste. Und die kennen die älteste Kollegen im Filialnetz von Uwe Breitkopf bereits seit vielen Jahren. 

Zu diesem Netz gehören auch die Geschäfte in Rotenburg, Verden und Posthausen. 2013 war das Restaurant in Bockel dazugekommen. Und dort zählte Gisela Krause 1995 zu den ersten Mitarbeitern. „Ich hatte davon gehört, dass der Neubau entsteht und habe es mir dann mal angesehen“, erinnert sich die Seniorin. 

Gisela Krause steht drei Mal in der Woche hinter der Kasse.

Und als sie dabei erfuhr, dass noch Mitarbeiter gesucht werden, hat sie sich entschieden, eine Stelle anzunehmen. Daraus sind inzwischen fast 24 Jahre geworden. Heute ist sie Breitkopfs älteste Mitarbeiterin. In dieser langen Zeit hat die Frau, die immer für einen lockeren Spruch zu haben ist, schon einiges erlebt.

Vor allem eine Geschichte werde sie nie vergessen, sagt sie. Es war vor vielen Jahren nach einem Derby der Bundesliga zwischen dem Hamburger SV und dem SV Werder Bremen. Eine große Gruppe betrunkener Fans hatte auf dem Heimweg Hunger bekommen und bei McDonald’s einen Zwischenstopp eingelegt. Eine riesige Bestellung gaben sie auf, um sich anschließend zu beschweren, weil angeblich nicht das auf den Tabletts war, was sie geordert hatten. 

Normalerweise sehr nette Kunden

„Als ich dann für einen Moment zu meinem Kollegen neben mir an der Kasse schaute, hatte ich auch schon einen Big Mac am Ohr kleben“, sagt die 80-Jährige lächelnd. „Das war schön warm. Und dann war Stimmung im Saal“, fügt sie hinzu. Draußen vor der Tür entwickelte sich das Ganze zu einer handfesten Auseinandersetzung – am Ende sorgte die Polizei wieder für Ruhe und Ordnung. „Im Normalfall haben wir aber sehr nette Kunden. Klar, manche sind von der Autobahn genervt, aber das ist doch klar.“

Klar ist für sie auch, noch selbst Auto zu fahren. „Na, logisch“, sagt sie. Sie sei schließlich noch gut beisammen. Eigentlich müsste sie nicht mehr arbeiten. Ihre Rente sichere ihr ein gutes Auskommen. „Aber ich kaufe mir gerne Klamotten“, erklärt sie. Zwischendurch rauche sie auch mal eine Zigarette. Ein gewisses Maß an Gemütlichkeit gönne sie sich ebenfalls, „aber ich kann doch nicht jeden Tag zum Kaffeeklatsch gehen“.

Zu Hause hat sie ihren Garten, einmal in der Woche trifft sie sich mit einer achtköpfigen Frauengruppe. „Dann spielen wir Karten.“ Ja, und so sei ihre Woche eigentlich immer gut ausgefüllt. Die Arbeit an der Kasse genieße sie ebenfalls sehr. „Hier werde ich gebraucht, hier kann ich mich einbringen“, weiß sie um die Bedeutung dieser Beschäftigung.

Rund 1000 Bestellungen an normalen Tagen

In Bockel ist sie eine von 40 Mitarbeitern im Team. „Wir könnten mehr Leute gebrauchen“, sagen Block und Krause. Doch es sei zurzeit ein großes Problem, neue Mitarbeiter zu finden. Nicht zuletzt deshalb seien sie froh, eine derart treue Kollegin wie Gisela Krause zu haben. Eine Mitarbeiterin, die zudem auch sehr zur guten Atmosphäre im Team beitrage. 

Bei rund 1 000 Bestellungen an normalen Tagen und bis zu 2 000 und mehr Bestellungen an Wochenenden und Feiertagen sei das nicht zu unterschätzen. „Das hält auch jung“, ist Gisela Krause überzeugt. Inzwischen esse sie „ab und zu auch mal“ einen der Burger. „Am liebsten den Royal TS“, sagt sie.

Die Geburtstagsblumen kommen jetzt aber erst einmal in die Vase. Gleich beginnt Frau Krauses Schicht. Pünktlich um 11.30 Uhr. Sie freut sich schon drauf.

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