Deutsche Funkturm bringt 100-Meter-Mast zum Fallen

Der „lange Lulatsch“ ist platt

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Der „lange Lulatsch“ fällt zu Boden. 100 Meter lang, bringt der Mast rund 50 Tonnen auf die Waage. Zwei Wochen wird es dauern, bis der Stahl-Koloss entsorgt ist. 

Zeven - Von Guido Menker. Karl-Heinz Bühring gönnt sich einen Teller Erbsensuppe. „Besser konnte es nicht laufen“, lautet seine Bilanz nach getaner Arbeit. Der 65-jährige Sprengmeister hat vor wenigen Minuten den knapp 100 Meter hohen und von der Telekom betriebenen Stahlgittermast in Zeven platt gemacht. Zwei Kilogramm Plastiksprengstoff hat er an der Abspannung zur Explosion gebracht – danach kippte der „lange Lulatsch“ in die zuvor berechnete Richtung. Karl-Heinz Bühring legt nun eine Pause ein, ehe die Journalisten ihn in Beschlag nehmen.

Das Interesse an der Sprengung des 1952 von der britischen Militärregierung gebauten Funkmasten ist groß. Auf dem Reiterhof an der Kirchhofsallee beobachten viele Schaulustige sowie Pressevertreter das Geschehen. Thomas Stoll, Regionalmanager der Deutschen Funkturm, eine Tochter der Deutschen Telekom, ist ebenfalls zufrieden, während er sich den gefallenen Turm zusammen mit den Gästen anschaut: „Es ist alles sehr gut gelaufen“, sagt er. 

Sprengmeister Karl-Heinz Bühring ist mit der Arbeit zufrieden.

Spannend sei es gewesen, richtig aufregend sogar. „Ich hatte ein starkes Kribbeln im Bauch“, gesteht er. Doch als klar war, dass der Turm die geplante Fallrichtung einschlägt, habe sich die Aufregung schnell gelegt. Auch Bühring war im Vorfeld nervös: „Die Bebauung ist recht nah dran“, hatte er erklärt. Das sei die besondere Herausforderung an diesem Morgen gewesen. Mit dem Turm liegen nun auch zwei kleine Betriebsgebäude in Schutt – das war so geplant. Auch die sollen vom Gelände verschwinden. Der neue Funkmast, mit 65 Metern deutlich niedriger, steht bereits und ist in Betrieb. Bis Anfang der 90er-Jahre war der „lange Lulatsch“ für die Navigation im Flugverkehr genutzt worden. Ab 1993 diente er dem Mobil- und Richtfunk. „Aber der Turm entsprach nicht mehr dem Stand der Technik“, sagt Stoll. Deswegen der Abriss. Mit einer Sprengung gehe das am besten – und es sei günstiger, als das Gerüst zurückzubauen. Dennoch: Rund 100. 000 Euro muss die Deutsche Funkturm für das Beseitigen der Anlage zahlen. Zwei Wochen wird es noch dauern, ehe das Gerüst komplett verschwunden ist.

Sprengung eines Funkturms in Zeven

Die Schaulustigen staunen nicht schlecht, als sie den Mast unter die Lupe nehmen, auf ihm herumklettern und Kleinteile wie Souvenirs mit nach Hause nehmen.

Fransen aus Stahl

50 Tonnen bringt dieser Haufen Schrott auf die Waage, die Abspannseile wiegen weitere fünf Tonnen. 3,5 Zentimeter sind sie dick. An den Stellen, an denen der Sprengstoff sie zum Reißen gebracht hat, hängen dicke Fransen aus Stahl.

Karl-Heinz Bühring lässt es ruhig angehen. Er löffelt seine Suppe, gibt relativ einsilbig Auskunft – und genießt es, wieder einen guten Job gemacht zu haben. Er ist seit 37 Jahren als Sprengmeister unterwegs. Seine Erfahrung hat ihm auch heute geholfen. Die Gäste stoßen mit Sekt und Bier an. Der Sprengmeister wirft einen Blick in Richtung des gefallenen Masten. In Kürze sei es eh vorbei – „ich gehe bald in den Ruhestand“.

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