Einblick in die Abläufe

Arbeit in kompletter Schutzmontur: So funktioniert das Corona-Testzentrum Zeven

Die Corona-Epidemie breitet sich in Niedersachsen aus. Seit einigen Wochen sind Corona-Testzentrum in Betrieb, um Verdachtsfälle zu überprüfen. Wir haben uns in Zeven (Landkreis Rotenburg) umgesehen.

  • Coronavirus breitet sich in Niedersachsen aus
  • Das Corona-Testzentrum in Zeven (Landkreis Rotenburg) testet täglich Verdachtsfälle
  • Mitarbeiter im Corona-Testzentrum halten sich an strenge Sicherheitsvorkehrungen

Zeven – In Zeven (Landkreis Rotenburg) arbeitet ein Team aus hochmotivierten Mitarbeitern, um Corona-Testpatienten aus der Region Klarheit über ihre Gesundheit zu verschaffen. Vieles muss sich noch einspielen und oft kommt die Schulung zu kurz, doch alle geben dort ihr bestes - und das unter ganz besonderen Sicherheitsvorkehrungen.

Wer vor dem Haupteingang des großen gelben Gebäudes in Zeven steht, dem wird mit einem Aushang der Zutritt verwehrt. „Nur für Personal“, heißt es auf einem der vielen Anschläge, die dem geladenen Pressebesucher begegnen. Florian Steiner zückt den Schlüssel. Seit drei Wochen ist der de facto medizinische Leiter des regionalen Corona-Testzentrums des Landkreises Rotenburg regelmäßig hier; der Tarmstedter Internist und Experte für Epidemieeinsätze hat das Zentrum konzipiert und zum großen Teil aufgebaut und ausgestattet.

Anhand des Grundrisses erklärt Florian Steiner das Crowdmanagement für Personal und Patienten.

Am Eingang heißt es: Hände desinfizieren, wie gefühlt alle paar Meter. Wir befinden uns, wie der von ihm vor einigen Wochen „mit der heißen Nadel gestrickte“ Grundriss verrät, im „Grünen Bereich“. Im Niedrigrisikobereich für das Personal werden die von Hausärzten gefaxten Anträge ausgewertet, Patiententermine vereinbart und die Abstrichröhrchen mit Barcodes etikettiert. Die Wände des Corona-Testzentrums sind hier gepflastert mit Checklisten. Das medizinische Personal, das sich freiwillig zur Arbeit hier gemeldet hat, hat in der Regel einen Vertrag über 15 Stunden pro Monat; das heißt: viele neue Gesichter, die immer wieder eingearbeitet werden müssen, damit die Routinen sitzen. „Training ist essenziell, erfolgt aber zu wenig“, so Steiner.

Eins der Gesichter ist Heike Kohne. Eigentlich arbeitet sie in Steiners Landarztpraxis in Tarmstedt; hier sichtet sie Anamnesebögen, klärt Patienten auf und hält Rücksprache mit den Praxen: „Momentan wird noch viel falsch ausgefüllt – das muss sich erst einspielen!“ Angst hat die medizinische Fachangestellte (MFA) nicht: „Wir haben Glück und sind gut aufgestellt“, meint sie in Hinblick auf die Berufserfahrungen ihres Chefs, der für die Berliner Charité und das Deutsche Rote Kreuz schon in Ebola-Gebieten tätig war. Wie viele andere guckt Heike Kohne nicht auf die Uhr und schaut auch in der Freizeit vorbei; wer hier gegen das Coronavirus und für die Patienten arbeitet, tut das in der Regel aus Idealismus.

Corona-Testzentrum in Zeven: Kein Zurück aus der Sperrzone

Durch die Gänge und in das Interims-Büro in Zeven schrillt ein Alarm – noch 15 Minuten bis zum Eintreffen des ersten Patienten. Der heute zuständige Arzt, Allgemeinmediziner Thomas Rohlfing aus Gyhum, legt seine Schutzmontur gegen Corona an. Steiner kontrolliert eine weitere Checkliste: Schmuck und Uhr abgelegt, rutschfeste Schuhe, sitzen Schutzanzug, Maske und die zwei Paar Handschuhe? „Der Aufwand, den wir hier betreiben, wäre fast ebolagerecht“, erklärt der 41-Jährige – ein ungleich gefährlicheres Virus. Rohlfing wirft einen letzten Kontrollblick in den Spiegel, legt die FFP2-Atemschutzmaske an und setzt später seinen Visier-Helm auf. Wenn er gleich die Sperrzone zum roten Bereich überquert, gibt es in den nächsten vier Stunden – so lange dauert eine Schicht – kein Zurück; auch Toilettengänge werden vermieden, um Material und Zeit zu sparen.

Corona-Testzentrum ist in Zeven in Betrieb

Ein Corona-Testzentrum hat am Sonntag seine Pforten in Zeven geöffnet. © Ulla Heyne
Ein Corona-Testzentrum hat am Sonntag seine Pforten in Zeven geöffnet. © Ulla Heyne
Ein Corona-Testzentrum hat am Sonntag seine Pforten in Zeven geöffnet. © Ulla Heyne
Ein Corona-Testzentrum hat am Sonntag seine Pforten in Zeven geöffnet. © Ulla Heyne
Ein Corona-Testzentrum hat am Sonntag seine Pforten in Zeven geöffnet. © Ulla Heyne
Ein Corona-Testzentrum hat am Sonntag seine Pforten in Zeven geöffnet. © Ulla Heyne
Ein Corona-Testzentrum hat am Sonntag seine Pforten in Zeven geöffnet. © Ulla Heyne
Ein Corona-Testzentrum hat am Sonntag seine Pforten in Zeven geöffnet. © Ulla Heyne
Ein Corona-Testzentrum hat am Sonntag seine Pforten in Zeven geöffnet. © Ulla Heyne
Ein Corona-Testzentrum hat am Sonntag seine Pforten in Zeven geöffnet. © Ulla Heyne
Ein Corona-Testzentrum hat am Sonntag seine Pforten in Zeven geöffnet. © Ulla Heyne
Ein Corona-Testzentrum hat am Sonntag seine Pforten in Zeven geöffnet. © Ulla Heyne
Ein Corona-Testzentrum hat am Sonntag seine Pforten in Zeven geöffnet. © Ull a Heyne
Ein Corona-Testzentrum hat am Sonntag seine Pforten in Zeven geöffnet. © Ulla Heyne
Ein Corona-Testzentrum hat am Sonntag seine Pforten in Zeven geöffnet. © Ulla Heyne
Ein Corona-Testzentrum hat am Sonntag seine Pforten in Zeven geöffnet. © Ulla Heyne
Ein Corona-Testzentrum hat am Sonntag seine Pforten in Zeven geöffnet. © Ulla Heyne
Ein Corona-Testzentrum hat am Sonntag seine Pforten in Zeven geöffnet. © Ulla Heyne
Ein Corona-Testzentrum hat am Sonntag seine Pforten in Zeven geöffnet. © Ulla He yne
Ein Corona-Testzentrum hat am Sonntag seine Pforten in Zeven geöffnet. © Ulla Heyne
Ein Corona-Testzentrum hat am Sonntag seine Pforten in Zeven geöffnet. © Ulla Heyne
Ein Corona-Testzentrum hat am Sonntag seine Pforten in Zeven geöffnet. © Ulla Heyne
Ein Corona-Testzentrum hat am Sonntag seine Pforten in Zeven geöffnet. © Ulla Heyne
Ein Corona-Testzentrum hat am Sonntag seine Pforten in Zeven geöffnet. © Ulla Heyne
Ein Corona-Testzentrum hat am Sonntag seine Pforten in Zeven geöffnet. © Ulla Heyne
Ein Corona-Testzentrum hat am Sonntag seine Pforten in Zeven geöffnet. © Ulla Heyne
Ein Corona-Testzentrum hat am Sonntag seine Pforten in Zeven geöffnet. © Ulla Heyne
Ein Corona-Testzentrum hat am Sonntag seine Pforten in Zeven geöffnet. © Ulla Heyne
Ein Corona-Testzentrum hat am Sonntag seine Pforten in Zeven geöffnet. © Ulla Heyne
Ein Corona-Testzentrum hat am Sonntag seine Pforten in Zeven geöffnet. © Ulla Heyne
Ein Corona-Testzentrum hat am Sonntag seine Pforten in Zeven geöffnet. © Ulla Heyne
Ein Corona-Testzentrum hat am Sonntag seine Pforten in Zeven geöffnet. © Ulla Heyne
Ein Corona-Testzentrum hat am Sonntag seine Pforten in Zeven geöffnet. © Ulla Heyne
Ein Corona-Testzentrum hat am Sonntag seine Pforten in Zeven geöffnet. © Ulla Heyne
Ein Corona-Testzentrum hat am Sonntag seine Pforten in Zeven geöffnet. © Ulla Heyne
Ein Corona-Testzentrum hat am Sonntag seine Pforten in Zeven geöffnet. © Ulla Heyne
Ein Corona-Testzentrum hat am Sonntag seine Pforten in Zeven geöffnet. © Ulla Heyne
Ein Corona-Testzentrum hat am Sonntag seine Pforten in Zeven geöffnet. © Ulla Heyne
Ein Corona-Testzentrum hat am Sonntag seine Pforten in Zeven geöffnet. © Ulla Heyne
Ein Corona-Testzentrum hat am Sonntag seine Pforten in Zeven geöffnet. © Ulla Heyne
Ein Corona-Testzentrum hat am Sonntag seine Pforten in Zeven geöffnet. © Ulla Heyne
Ein Corona-Testzentrum hat am Sonntag seine Pforten in Zeven geöffnet. © Ulla Heyne
Ein Corona-Testzentrum hat am Sonntag seine Pforten in Zeven geöffnet. © Ulla Heyne
Ein Corona-Testzentrum hat am Sonntag seine Pforten in Zeven geöffnet. © Ulla Heyne
Ein Corona-Testzentrum hat am Sonntag seine Pforten in Zeven geöffnet. © Ulla Heyne
Ein Corona-Testzentrum hat am Sonntag seine Pforten in Zeven geöffnet. © Ulla Heyne

Gleich werden durch den separaten Seiteneingang im Fünf-Minuten-Takt Corona-Verdachtsfälle den „roten“ Hochrisikobereich betreten. Verlaufen kann man sich nicht: die aufgeklebten Pfeile, Kreuze und Absperrungen sind eindeutig. Wer draußen zwischen Parkplatz und Eingang das Schild: „Nicht für Gesunde“ passiert hat und im Fünf-Minuten-Takt eingelassen wird, wenn die Ampel auf Grün umschaltet, hat ein Gespräch mit dem Hausarzt hinter sich und nach einem Telefonat mit dem Zentrum einen Termin bekommen. Derzeit sind das rund 40 Fälle pro Tag; bei einigen Patienten erweist sich die Meldung durch den Hausarzt als „Fehlalarm“; sie werden nicht getestet. 

Die MFAs müssen priorisieren: Hochrisikopatienten und Klinikpersonal haben nicht nur im Corona-Testzentrum Zeven Vorrang. Das Flussschema des Robert-Koch-Instituts mit den Kriterien für einen Test hängt im A-1-Format an der Wand, „allerdings ist alles im Wandel“, so Steiner, während er sich zum x-ten Mal nebenbei die Hände desinfiziert. Am Vortag wurden 32 der 38 gemeldeten Fälle zum Test eingeladen.

Die absolute Trennung von Gesunden und potenziell Infizierten ist am Testzentrum das A und O.

Der verbale Kontakt zwischen der medizinischen Fachangestellten in voller Corona-Schutzmontur samt Helm und hinter einer Plexiglaswand zum Abgleichen der Patientendaten findet mit einem Sicherheitsabstand statt. Bis dahin hat auch der Patient sich bereits zweimal die Hände desinfiziert, wie am Glöckchen zu hören war; angefasst hat er nichts. Schutzvorkehrungen in einem Landkreis, in dem am Wochenende erstmals ein Mensch an dem neuartigen Coronavirus Sars-CoV-2 gestorben war.

Kein direkter Patienten-Kontakt im Corona-Testzentrum Zeven

Direkten Kontakt zum Patienten hat nur der Arzt, der zum Test auf das Coronavirus den Rachen-Abstrich vornimmt. Die Qualität des tiefen Rachen-Abstrichs ist enorm wichtig. Auch sehr wichtig ist, dass Patienten informiert, wie es weiter geht. Wie muss er sich bis zum Ergebnis isolieren, was ist mit den Angehörigen? „Beratung ist das A und O“, weiß Steiner. Normalerweise sollte er innerhalb von ein bis zwei Tagen durch seinen Hausarzt Bescheid bekommen, mitunter dauere es auch drei oder vier, manchmal auch eine Woche – die Proben werden nur einmal am Tag abgeholt, die Labore seien in der Corona-Krise am Limit. Steiner hält mit seinen eigenen Patienten auch Kontakt, wenn es noch nichts Neues gibt: „Wenig ist schlimmer, als wenn ein Patient vergessen wird!“

Ein besonderer Moment, der Patient ist schon zum separaten Ausgang geleitet worden, ist die Übergabe des Probenröhrchens mit dem Abstrich aus dem roten in den grünen Bereich. Auch hier sei Ruhe oberstes Gebot, damit sich keine Fehler einschleichen. Weniger als fünf Minuten sind vergangen; die MFA schaltet die Ampel auf Grün, schon steht die nächste potenziell Corona-Infizierte im Vorraum; die statistische Verteilung der Patienten spiegelt den Landkreis- und Bundesschnitt wider, das Verhältnis positiver Abstriche zu den Gesamtabstrichen kann sich sehen lassen.

Rubriklistenbild: © Heyne

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