Bürgerinitiativen aus Völkersen und Bötersen sprechen über ihren Kampf gegen das Fracking

„Wir lassen nicht locker“

„Mit quecksilberverseuchten Anlageteilen zusammengebaut“: die Gastrocknungsanlage Bötersen Z4.
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„Mit quecksilberverseuchten Anlageteilen zusammengebaut“: die Gastrocknungsanlage Bötersen Z4.

Sottrum - Von Wieland BonathBÖTERSEN/VÖLKERSEN · Immer mehr artikuliert sich der Protest gegen das Fracking. Die Bundesrepublik ist überzogen von einem Netz von Bürgerinitiativen, deren Mitglieder vor den Frack-Gefahren warnen: im Landkreis Rotenburg und wenige Kilometer entfernt in Völkersen, im Kreis Verden. Wir führten das folgende Gespräch mit Rainer Böttcher (61), Bankkaufmann aus Dahlbrügge und BI-Verbindungsmann der Bügerinitiative „No Fracking“, mit Andreas Noltemeyer (48), selbständiger Friedhofsgärtnermeister, stellvertretener Grünen-Bürgermeister von Völkersen und BI-Pressesprecher. Außerdem waren Hartmut Horn (73), Bötersen, BI-Sprecher „Frack-loses Gasbohren im Landkreis Rotenburg“ und Jochen Richert (63), Hassendorf, mit von der Partie.

Herr Böttcher, Sie und Ihre Freunde von der Völkerser Bürgerinitiative (BI) „No Fracking“ haben sich auf das hochgiftige Quecksilber im Lagerstättenwasser spezialisiert. Warum?

Rainer Böttcher:Der Nabu wollte für die eigene Analyse ein Stück Lagerstättenwasserrohr haben, um Aussagen von RWE Dea zu überprüfen. Bisher hatte RWE Dea ständig behauptet, es gäbe kein Quecksilber im Lagerstättenwasser. Wir haben das Rohr von einem neutralen Institut untersuchen lassen.

Mit welchem Ergebnis?

Andreas Noltemeyer:Der erste Bericht ergab einen Wert von 31,8 Milligramm pro Kilogramm Rohr. Bei einer weiteren Analyse, bei der die Außenhaut überprüft wurde, ergab sich ein Wert von 77,6 Milligramm.

Ihre Reaktion?

Böttcher:Wir waren schockiert! Wir haben einen Fragenkatalog an RWE Dea in Hamburg geschickt. Auch das Bergamt und die Untere Wasserbehörde wurden informiert.

Die Antworten?

Böttcher:RWE Dea brauchte sechs Wochen für die Antwort. Die Antwort war ohne wesentlichen Inhalt. Mit einer erstaunlichen Bemerkung, in der RWE Dea zum ersten Mal überhaupt zugegeben hat, dass Quecksilber in geringer Konzentration innerhalb der Wandungen des Lagerstättenwasserrohres vorhanden ist. Bei uns läuteten alle Alarmglocken. Wir haben uns gefragt: Was ist in den vergangenen 20 Jahren an Quecksilbermengen freigesetzt worden – durch Abfackeln und durch Verpressen? Eine Frage, auf die uns RWE Dea nie eine konkrete Antwort gegeben hat.

Ist RWE Dea denn für Sie ein fairer Gesprächspartner?

Böttcher:Das haben wir bisher nicht so feststellen können. Im Gegenteil, die fachliche Überlegenheit hat RWE Dea in herablassender Weise uns gegenüber zum Ausdruck gebracht. Ein Beispiel: Ein RWE-Geologe hat den Zusammenhang zwischen Erdbeben und Erdgasförderung als so naheliegend bezeichnet wie den Zusammenhang zwischen dem Geburtenrückgang zwischen Menschen und Störchen.

Apropos Erdbeben: Kleinere Erbeben, die bis in den Kreis Rotenburg ausstrahlten, sollen im Raum Völkersen ihren Ursprung haben.

Noltemeyer:Genauso ist es! Das wurde vom Bundesamt für Geologie und Rohstoffe bestätigt.

Herr Horn, Sie und ihre Freunde von der BI „Frack-loses Gasbohren im Landkreis Rotenburg“ haben es als Diskussionspartner von ExxonMobil besser …

Hartmut Horn:Wir haben uns vielmehr wegen negativer Erfahrungen in Verhandlungen mit Exxon auf intensivere Gespräche eingelassen. Wir wollen uns nämlich nicht vor den Karren der Gaskonzerne spannen lassen.

Deshalb nehmen Sie auch am nächsten Runden Tisch von Exxon nicht teil?!

Horn:So ist es!

Herr Noltemeyer, können Sie und Ihre Freunde sich mehr Gemeinsamkeit mit der BI „Frack-loses Gasbohren im Landkreis Rotenburg“ vorstellen?

Noltemeyer:Die Vernetzung der bundesweiten Bürgerinitiativen führt schon zu einer Stärkung unserer Position.

Die Frage ging zu den Rotenburgern. Wie sieht es im Protest-Tagesgeschäft aus?

Noltemeyer:Die regionalen Bezüge müssen erhalten bleiben. Allein die unterschiedlichen Ansprechpartner, RWE und Exxon, machen die eigenständige Arbeit vor Ort sinnvoll.

Die Völkerser haben sich auf Quecksilber spezialisiert, die Rotenburger auf das Trinkwasser – haben Sie als Bürgerinitiativen letzten Endes überhaupt eine Chance, gegen die Gaskonzerne anzukommen?

Jochen Richert:Sonst würden wir nicht arbeiten. Wir wissen, dass das ein langer Prozess ist. Wir lassen aber nicht locker und haben wie viele andere Bürgerinitiativen auch schon viel erreicht und die Betroffenen informiert.

Horn:Die von Exxon betriebene Bötersen Z4-Gastrocknungsanlage wurde mit quecksilberverseuchten Anlagenteilen aus stillgelegten Anlagen wie zum Beispiel Soltau Z5 und Mulmshorn Z3 zusammengebaut. Die Montage wurde übrigens unter schwerem Atemschutz ausgeführt. Das beweist, dass auch im Bereich Bötersen mit dem Lagerstättenwasser das hochgiftige Quecksilber an die Oberfläche gelangt.

Noltemeyer:Auf Landes- und Bundesebene ist inzwischen viel zu diesem Thema in Bewegung gesetzt worden. Unsere Hoffnungen in die neue Landesregierung sind groß. Es geht jetzt darum, dass die Versprechen beider Koalitionspartner eingelöst werden.

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