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Windräder in Bartelsdorf: Hier kommen die ersten Rotoren an

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Von: Ulla Heyne

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Die Anlieferung des ersten Rotorblatts: Ein nächtliches Spektakel, das sich rund 40 Interessierte nicht entgehen ließen.
Die Anlieferung des ersten Rotorblatts: Ein nächtliches Spektakel, das sich rund 40 Interessierte nicht entgehen ließen. © -

Schwertransporte sind in Bartelsdorf in nächster Zeit keine Seltenheit, schließlich entsteht dort ein Windpark. Den ersten Rotor haben die Dorfbewohner mit einer kleinen Feier in der Nacht empfangen.

Bartelsdorf – Bartelsdorfer haben einen langen Atem – das bewiesen an die 40 Einwohner des 400-Seelenortes und ihre Nachbarn aus Wohlsdorf in der Nacht zu Mittwoch. Mit Spannung erwarteten nämlich nicht nur die Betreiber des zukünftigen Windparks die Anlieferung des ersten Rotorblatts, sondern auch viele Anwohner, die sich das Spektakel nicht entgehen lassen wollten. Drei Trucks von je 85 Metern Länge (jedes Rotorblatt misst gute 73 Meter) von der Verladestelle in Cuxhaven nach Bartelsdorf zu bringen – eine logistische Meisterleistung, die mehrere Jahre Vorlaufzeit inklusive Routenplanung und Genehmigungsverfahren erfordert.

Das wollte sich auch Planer Florian Massante vom Windpark-Betreiber Reon aus Lilienthal nicht entgehen lassen: „Der erste Rotor, das ist immer ein aufregender Moment.“ Schaulustige und positive Resonanz seien normal, „dass die Anwohner so mitgehen, habe ich in 20 Jahren noch nicht erlebt“. Maike Riebesehl hatte, „ursprünglich aus einer Bierlaune heraus“, wie die Bartelsdorferin zugab, ein Grillfest auf ihrem Hof organisiert.

Der erste Rotor, das ist immer ein aufregender Moment.

Florian Massante

Dieser liegt strategisch günstig an der Kreuzung, an dem die drei Trucks erst Richtung Brockel abbogen, um den Rest der Strecke nach Wohlsdorf im schnellen Schritttempo rückwärts zu absolvieren – anders wäre die enge Kurve nicht zu bewältigen gewesen.

So konnten die Zaungäste bei von Mitbetreiber Dirk Trochelmann spendiertem Bier und Bratwurst vom Feuerwehr-Grill das minutiös geplante und von mehreren Begleitfahrzeugen beleuchtete und abgesicherte Wendemanöver mit teilweise nur wenigen Zentimetern Spiel live verfolgen.

Der erste Transport hat Verspätung

Auf diesen Moment hatten sie allerdings auch lange warten müssen: Ursprünglich gegen Mitternacht avisiert, passierte der Konvoi letztlich erst gegen 3 Uhr nachts die Feierrunde. Massante, der mit den Fahrern im ständigen Kontakt stand, erklärt warum: „Eigentlich sollten die Fahrzeuge schon Montag um 22 Uhr aus Cuxhaven starten und an der Raststätte Grundbergsee Halt machen.“ Gefahren werden darf nämlich nur nachts zwischen 22 und 6 Uhr.

Gestartet seien sie jedoch erst am Dienstag, und das über einen Umweg – denn erst die Autobahnauffahrt Ahlhorner Heide, nicht eben auf der direkten Route, weist den nötigen Radius auf. In der Theorie schon seit Jahren geplant, erfordern die insgesamt acht Konvois allein der Rotoren in den nächsten Wochen einen praktischen Vorlauf von mehr als einer Woche, in der Leitplanken und Straßenschilder abgebaut und Wege durch Platten verstärkt werden müssen.

Großer Aufwand

In Wohlsdorf musste ein gesamtes Regenrückhaltebecken in einem Vorgarten zugeschüttet werden; „die Vorverträge mit Eigentümern werden Jahre im Voraus geschlossen“, erzählt der Wirtschaftsingenieur, verschiedene Wegalternativen würden eingeplant. In dieser Nacht klappte alles wie am Schnürchen; die Spezialtransporte sollen in den kommenden Wochen abgeschlossen sein. Donnerstag Nacht wird das erste Maschinengehäuse „von der Größe einer kleinen Eigentumswohnung“ erwartet – dann wohl allerdings ohne Zaungäste und Grillfest.  

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