Stadt und Rotenburger Werke gedenken der Opfer des Holocaust

Wendland-Park beklagt „latenten Antisemitismus“

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Nach dem feierlichen Holocaust-Gedenken stellten sich gestern Abend (v.l.) Friedhelm Horn, Sönke Schlemmer, Tim Renner, Detlef Eichinger, Jutta Wendland-Park, Ferdi Aslan, Felix Henke und Werke-Finanzchef Torsten Tillner dem Fotografen. ·

Rotenburg - „Wir können nicht ungeschehen machen, was damals geschah. Aber wir können dafür sorgen, dass so etwas nie wieder geschieht“. In ihren Schlussworten bei der Gedenkfeier für die Opfer des Nationalsozialismus, zu der Stadt und Rotenburger Werke am Tage der Befreiung des KZ Auschwitz gemeinsam – alternierend im Rathaus und in der Kirche zum guten Hirten – einladen, erinnerte Werke-Chefin Jutta Wendland-Park an die 547 Bewohner, die im Zuge der Euthanasie deportiert und ermordet wurden.

Jutta Wendland-Park wies auf den in Berlin vorgestellten Antisemitismus-Bericht hin, der erstmals im Auftrag des Bundestages von unabhängigen Experten erstellt worden sei. Danach seien „bis heute judenfeindliche Einstellungen (...) in erheblichem Umfang bis in die Mitte der deutschen Gesellschaft hinein verankert“. Bei etwa einem Fünftel der Bevölkerung gebe einen latenten Antisemitismus, hätten die Wissenschaftler konstatiert und die Politik aufgefordert, entschlossen dagegen anzugehen. Der Antisemitismus, so Wendland-Park, hatte unter der Herrschaft der Nationalsozialisten Ausgrenzung, Verfolgung und Vertreibung der Juden zur Folge und führte letztlich zum Holocaust. Umso wichtiger sei es, die Verantwortung gemeinsam wahrzunehmen und immer wieder für Toleranz und Menschlichkeit einzutreten. Die Werkevorstandsvorsitzende dankte dem Schülersprecher des Ratsgymnasiums, Ferdi Aslan, sowie Tim Renner, Sönke Schlemmer und Felix Henke für ihre persönlichen Beiträge sowie Friedhelm Horn, der als Politiklehrer am Ratsgymnasium das Schülerengagement unterstützt habe. Die Erinnerung, so Wendland-Park abschließend, dürfe nicht enden, sie müsse auch künftige Generationen zur Wachsamkeit mahnen. Es sei deshalb wichtig, nun eine Form des Erinnerns zu finden, die in die Zukunft wirke.

Bürgermeister Detlef Eichinger fasste seine Ausführungen in dem Satz zusammen: „Wissen kann Vorurteile verhindern“. Er freue sich, dass „vier junge Männer vom Ratsgymnasium“ sich der Aufgabe gestellt hätten, die Feier mitzugestalten.

Ferdi Aslan, 18 Jahre alt, jezidischer Kurde und seit Dezember gewählter Schülersprecher am Ratsgymnasium, nannte in seinem bemerkenswerten, mit viel Applaus bedachten Redebeitrag eigene Erfahrungen, die er in Deutschland mit Rassismus gemacht habe. Mit dem Hinweis „Heute sind schon genug von Deiner Sorte da“, sei ihm als Ausländer der Zutritt zur Diskothek in Wehldorf verwehrt worden. Umfragen belegten, dass die Mehrzahl der Türken in Deutschland der Überzeugung sei, die Behörden deckten neonazistische Umtriebe. Er, lobte Aslan, habe in der Stadt Rotenburg und am Ratsgymnsium als bekennender Schule gegen Rassismus ganz andere, positive Erfahrungen gemacht. Die Integration der Migranten sei hier gelebter Alltag, was seine Wahl zum Schülersprecher augenfällig belege. · sf

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