„Watercolour Roadtrip“: 4 900 Kilometer für Bremer Ausstellung / Facebook-Freunde als Kuratoren

Mit Wasserfarbe durch Europa

Zwischen Polaroid, Aquarell und Facebook: Der Hobbymaler Lars Kruse bedient sich verschiedener Medien, um Situationen einzufangen) ·
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Zwischen Polaroid, Aquarell und Facebook: Der Hobbymaler Lars Kruse bedient sich verschiedener Medien, um Situationen einzufangen) ·

Jeersdorf - Von Ulla Heyne · Am Anfang standen leere Wände. Und zwar die eines Bremer Ausstellungszentrums, die der Jeersdorfer Aquarellmaler Lars Kruse Anfang September für eine eigene Ausstellung bestücken sollte. Als einer von nur drei Jagd-Aquarellmalern in Deutschland, hat der Werbefachmann sich seit einigen Jahren in der Szene einen Namen gemacht. Gleichwohl: Wieder einmal die farbintensiven, immer weiter verfremdeten Gemälde von Hirschen, Eulen und Wölfen auszustellen, kam für den 42-Jährigen dieses Mal nicht in Frage.

„Mit Aquarell als Medium geht noch viel mehr – warum sich beschränken?“, so die Grundüberlegung des Künstlers. Die Zeichen stehen auf Aufbruch, später Titel eines seiner Werke. 23 Tage und sechs Länder später sollte sich dieses Konzept bewährt haben. Dazwischen lagen 4 900 Kilometer, vom Heimatort Jeersdorf über Nürnberg in die Schweiz, durch Italien nach Kroatien, dann über Österreich und Tschechien nach Berlin und Hannover zurück. Dazwischen: Vier durchgeplante Anlaufpunkte in Nürnberg, Berlin, dem schweizerischen Savognin und an Bord eines Schiffes vor der kroatischen Küste.

Die Stationen des einmonatigen „Mini-Sabbaticals“ waren nicht zufällig gewählt: Der Gründer der „Aquarellgesellschaft“ sucht seit Jahren den Kontakt zu gleichgesonnenen Künstlern und hat in „Facebook“ die ideale Plattform gefunden. Hier lernte er nicht nur die Maler kennen, die er auf seinem „Watercolour Roadtrip“ besuchte – einige sah er so zum ersten Mal persönlich – nein, das soziale Netzwerk spielte für sein Projekt eine weit wichtigere Rolle: Der Mitinhaber einer Werbeagentur nutzte die eigens eingerichtete Seite „facebook/watercolour-roadtrip“ nicht nur als digitales Tagebuch, in dem er seine Erlebnisse für 700 Follower bloggte, sondern auch zur Abstimmung, welche der Werke in Bremen gezeigt werden sollten.

Facebook-Freunde als Kuratoren? Ein Novum. Mit dem Ergebnis ist er zufrieden: „Das deckt sich ganz gut mit meiner eigenen Wahrnehmung.“ Noch glücklicher ist er jedoch über die Reise selbst: „Zusammen mit ortskundigen Gleichgesinnten rauszugehen, mitten in der Natur zu malen und Stimmungen einzufangen – in der Ruhe des Nationalparks oder am Hafen, wo es noch nach Fisch stinkt, zwischen Romantik der Alpen und urbanen Stadtansichten Berlins, wo dir die Leute über die Schulter gucken – das verleiht den Werken noch einmal eine andere Qualität!“

Besonders herausfordernd: Der sich im Wasser spiegelnde Kutter, bei dessen Reflexion man „quasi zwei Mal über Kopf denken muss“, oder das Nachtbild „Bella Riva“: „Die Leichtigkeit eines Aquarells bei Nacht hinzukriegen, ist unheimlich schwer“, stellt er fest. Wieder zurück, ist der Jeersdorfer nicht nur jede Menge Erfahrung, sondern auch unzählige Skizzen reicher.

Die Ausstellung ist noch bis zum 30. September bei Boesner in Bremen, Hands-Bredow-Straße 59, zu sehen. Das erstes Werk ist bereits verkauft, und zwar – wie sollte es auch anders sein? - über Facebook.

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