Benjamin Faber aus Sottrum und Martin Ufer aus Stapel reisen als Straßenmusiker durch die Republik

Waschen, Schleudern, Proben

Knapp vier Wochen reisten Martin Ufer (links) und Benjamin Faber als Straßenmusiker mit ihren Gitarren quer durch die Republik.

Sottrum - (sbo) Die Liebe zur Musik, Spontaneität, Offenheit sowie Mut, neue und mitunter ungewöhnliche Wege zu gehen, zeichnen einen Vollblutmusiker aus. Kombiniert mit einer Portion Reiselust kann daraus ein aufregendes Abenteuer werden – wie die Gitarrenlehrer Benjamin Faber (31) aus Sottrum und Martin Ufer (38) aus Stapel herausfanden. Knapp vier Wochen tourten sie unter dem Motto „Sommerrock“ als Straßenmusiker quer durch die Republik – und machten dabei viele spannende Erfahrungen.

Wer meint, so eine Reise bedarf gründlicher Vorbereitung, ist bei den beiden Künstlern an der falschen Adresse. Denn so spontan wie die Freunde, die sich aus dem Studium kennen, auf die Idee zu dem ungewöhnlichen Trip kamen, brachen sie auch auf. Dabei wollte Martin Ufer , der an der Musikschule Bremen unterrichtet, nach seinem Musik- und Sportstudium auf Lehramt eigentlich nur wieder mehr Spielen. Benjamin Faber , Mitgründer der Musikschule Sottrum, machte einen Vorschlag: „Lass uns mal Straßenmusik machen.“ Ein Traum, den Ufer schon lange hatte.

Damit waren die Rucksäcke schon halb gepackt. Eine Reiseplanung existierte nicht. Es gab Eckpunkte wie Stippvisiten bei Freunden und Verwandten. Die Idee: Über den Westen der Republik nach Bayern und über den Osten nach Hause. Die Dauer der Reise ließ das Duo offen. Fest stand nur, dass sie Anfang August zurück sein müssen.

Bei der Musik überließen die Profis indes nichts dem Zufall. Sie arrangierten Pop- und Rocksongs zu einem rund 50-minütigen Programm. Mit gut zwölf Kilo Gepäck und der Gitarre auf dem Rücken, ging es zum Sottrumer Bahnhof gen Osnabrück. Die ersten Ziele richteten sich nach Mitfahrgelegenheiten und Tipps, die sie unterwegs bekamen.

Später stiegen die zwei häufig auf den Zug um. „Wir haben uns so treiben lassen“, betont Ufer. Die ersten Nächte verbrachten die Abenteurer im Freien. Der Hinweis einer Zufallsbekanntschaft erwies sich hier als wahrer Glücksfall: Die Anmeldung bei dem Gratis-Portal http://www.hospitalityclub.com war der Auftakt für viele spannende Begegnungen, die dem Begriff „Gastfreundschaft“ eine neue Bedeutung gaben. Pro Stadt fanden sie per Mausklick bis zu 3000 kostenlose, private Schlafplätze. „Man hat total nette Leute kennen gelernt“, schwärmt Faber. Gut 20 Stationen steuerten die beiden Männer an.

Doch so romantisch, wie sie sich Straßenmusik vorgestellt hatten, war es keineswegs. So gibt es in vielen katholischen Städten sonntags ein Spielverbot. Besonders in Baden-Württemberg und Bayern sei die Straßenkunstszene zudem sehr reglementiert – wie in Heidelberg mit fünf festgelegten Plätzen und Zeitfenstern für Auftritte. In anderen Städten brauchten sie eine Genehmigung. Auch das Ordnungsamt war ein häufiger „Gast“. Meistens blieben die Männer nur 24 Stunden in einer Stadt und gaben dort bis zu vier Konzerte. Denn auch um Essen und Co. mussten sie sich kümmern.

Geprobt wurde oft zwischen Vorwäsche und Schleudergang im Waschsalon. Manchmal verdienten sie bei ihren Auftritten 50 Euro in der Stunde, mal keinen Cent. Zum Glück gab es noch die EC-Karte. Wichtiger als das Geld war es für das Duo, die Menschen musikalisch zu erreichen. „Viele sind einfach auf uns zugegangen“, schwärmt Faber. Die Künstler freuten sich, wenn ihnen die Zuhörer ein Lächeln schenkten oder mitrockten.

Als besonders spielfreundliche Städte erlebten sie Dresden und Freiburg, wo der Funke gleich auf die Passanten übersprang. „In Dresden sind wir spontan eingeladen worden, da zu übernachten“, so Ufer. Ein Angebot, das das Duo häufiger bekam. „Diese kurzfristige, spontane Gastfreundschaft ist einfach toll“, betont Faber. In Bayreuth hingegen blieb das Publikum aus. „Da wurden wir stumpf ignoriert“, lacht Ufer. Es war der Eröffnungstag der Wagner-Festspiele. „Die waren wohl auf größere Klangwelten eingestellt“, schmunzelt Faber.

Trotz kleiner Stimmungstiefs, einiger Spielverbote und ein paar Wetterkapriolen, schwärmen die Freunde von ihrer Tour: „Es waren sehr viele Zufälle, die uns zupasse gekommen sind. Wir hatten viel Glück“, weiß Ufer. „Es ist schön zu sehen, wie viele nette Menschen man unterwegs kennen lernt, und zu merken, dass man manchmal nur einen Weg finden muss, mit ihnen in Kontakt zu kommen. Unser Weg war die Musik“, erklärt Faber. Übrigens: Unter http://www.sommerrock.blogspot.com haben die Abenteurer ein virtuelles Reisetagebuch geführt.

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