Dr. Henning Scherf spricht im Heimathaus über das Älterwerden

„Was hält uns so lange am Leben?“

Henning Scherf spricht im Heimathaus. ·
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Henning Scherf spricht im Heimathaus.

Visselhövede - Von Angela Kirchfeld. „Das hat es noch nie gegeben, dass wir von Jahr zu Jahr länger leben – 95 Jahre und älter. Das sind 30 Jahre mehr als noch unsere Großeltern lebten und 50 Jahre mehr als vor 100 Jahren. Doch was hält uns so lange am Leben?“

 Dieser Frage ging Bremens Ex-Bürgermeister Dr. Henning Scherf am Dienstag im Heimathaus nach. Der 82-Jährige war der Einladung des Kultur- und Heimatvereins Visselhövede gefolgt und hielt im vollbesetzten Saal den Vortrag „Grau ist bunt – was im Alter möglich ist“.

Der SPD-Politiker setzt sich seit seinem Ausscheiden aus dem Amt vor sieben Jahren mit dem Thema des demografischen Wandels und den Bedürfnissen der älteren Generation auseinander. „Je älter wir werden und je besser es uns geht, desto weniger Nachkommen gibt es“, erläuterte Dr. Scherf. „Es ist anders als früher, wo man darauf bedacht war, möglichst viel Nachwuchs zu haben, der einen im Alter pflegen und versorgen kann.“ Scherf führt es auf das verantwortliche Handeln der Frauen zurück und sieht den demographischen Wandel vielmehr als Chance und spannende Perspektive.

„Doch wie gehe ich nun mit dem verlängerten Leben um? Ich glaube, es ist ganz wichtig, dass man in seinen Alltag eine Struktur und einen festen Tagesablauf hinein bekommt.“ Scherf schwört auf das kreative Potenzial, zum Beispiel durch Singen im Chor. „Der Körper und die Knochen werden zwar müder, aber unser kreatives Potenzial nicht.“ Bremens Ex-Bürgermeister plauderte aus dem Nähkästchen seines Chors und berichtete von Konzerten, Chormitgliedern und Konzertreisen. „Das Schöne dabei ist, es sind mehrere Generationen dabei. Es tut allen gut und motiviert Kopf, Geist und Seele.“ Weiterhin nannte der Referent die intellektuell-kreative Seite. So besucht er als Lesebotschafter wöchentlich eine Grundschule im sozialen Brennpunkt Bremens. „Wie können wir in den Kindern die Lust am Lesen wecken? Ich habe in den vergangenen acht Jahren den Umgang mit den Kindern gelernt!“, begeisterte sich der ehemalige Regierungschef der Hansestadt. „Kinder sind das Allerbeste was man gegen Einsamkeit machen kann. Ich halte nichts davon, dass man ein Ghetto für Jung und Alt errichtet.“

Wichtig sei auch die Kreativität, wie das Malen, der er in der wärmeren Jahreszeit im Bürgerpark einmal wöchentlich nachgeht. „Nur das Porträt meiner Frau habe ich ihr noch nicht gezeigt“, schmunzelte Scherf. Das sei nach 53 Jahren auch nicht so einfach. Aber auch das Schreiben gehöre dazu.

Scherf ist davon überzeugt, dass man bis ins hohe Alter etwas zu tun haben muss und berichtete von Wohngemeinschaften, in denen er zeitweise zur Probe lebte und von dem wunderbaren Miteinander. „Sie meistern ihren Alltag gemeinsam. Daher halte ich nichts von ,Essen auf Rädern’. Gemeinsam kochen, zubereiten und essen, das ist wichtig.“

Bedeutend sei es, nicht aufzugeben, soziale Kontakte pflegen und offen auf die Leute ohne Skrupel zuzugehen, lautet sein Fazit.

Scherf ließ sich den Vortrag nicht honorieren, sondern bat um eine Spende für seine Stiftung „Pan y Arte“, für Straßenkinder in Nicaragua.

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