Ex-Kreisarchäologe Wolf-Dieter Tempel schreibt Buch mit vielen Kuriositäten

Warze ruckzuck mit uraltem Feuerstein entfernt

„Am Rande der Archäologie“: Dr. Wolf-Dieter Tempel veröffentlicht über 90 Geschichten und amüsante Anekdoten, die er am Rande seiner Arbeit gesammelt hat.

Rotenburg - Von Wieland Bonath · Neben dem seriösen Pfad von Forschung und Wissenschaft hat Dr. Wolf-Dieter Tempel (74), bis vor zehn Jahren Rotenburger Kreisarchäologe, mit Eifer gegraben – heraus kamen unter dem Titel „Am Rande der Archäologie“ über 90 anekdotische Geschichten und Erlebnisse.

In dem jetzt erschienenen einmaligen Buch werden „Forschungs-Bruchlandungen“ in der Altertumskunde, seltsame Käuze und ungewöhnliche Originale beschrieben. Alles mit liebevoller und sympathischer Feder, niemals mit der Absicht, Betroffene vorführen zu wollen. Nur die ungewöhnliche Geschichte zählt – das Salz in der Suppe des Alltags!

Oder fällt es nicht aus dem Rahmen, wenn ein Arzt aus Nordhorn, begeistert von dem rasiermesserscharfen 10 000 Jahre alten Feuersteinmesser, einem Patienten erfolgreich eine Warze herausoperiert? Oder, um in der Medizin zu bleiben: Nicht jedem ist bekannt, dass der berühmte Berliner Anatom Rudolf Virchow gleichzeitig als bedeutender Prähistoriker im Jahre 1887 mehr als 900 Grabhügel untersucht hat, darunter im Kreis Lüneburg.

Dr. Tempel hat seine meistens amüsanten Geschichten rund um die Archäologie im benachbarten Ausland, in vielen Teilen Deutschlands und selbstverständlich vor Ort, im Landkreis Rotenburg, gesammelt. An der Wümme war der in Celle geborene, begeisterte Archäologe nach dem Landesdienst in Hannover und Lüneburg 23 Jahre als Kreisarchäologe tätig. Selbstverständlich ist auch der legendäre Hans Müller-Brauel mit interessanten Informationen in Tempels Buch „Am Rande der Archäologie“ aufgenommen worden. Wobei der Titel des reich bebilderten Taschenbuchs bescheiden untertreibt und viel mehr bietet, als er vermuten lässt.

Es gab im Landkreis Rotenburg tatsächlich einen Landwirt, der glaubte, dass die Steingräber von Riesen erbaut worden waren. Ein Bauer in Granstedt suchte mit der Wünschelrute nach Steingräbern und Urnen. Ein Rotenburger Grafiker glaubte allen Ernstes, dass die Germanen so aussahen, wie Asterix-Figuren. Ministerpräsident Albrecht besichtigte zum ersten Mal in seinem Leben bei Barchel eine Ausgrabung und wird hinters Licht geführt ...

Unter der Überschrift „Ein Dorf zerstört sein Wappenbild“ eine andere Geschichte aus Barchel: „Nördlich des Dorfes im Landkreis Rotenburg befand sich ein markantes Hünengrab, auf dem eine schöne Birke wuchs. Das wählte die Gemeinde als Bild für das Gemeindewappen. Ein Zeichen dafür, dass zumindest von den Ortspolitikern das Hügelgrab als historisches Relikt und kennzeichnend für ihre Feldmark angesehen und geschätzt wurde. Einige Jahre zuvor hatte ich als Bezirksarchäologe die Grabhügel in Barchel besucht und einen noch gut erhalten gesehen. Als ich 1979 in den Dienst des Landkreises trat, hatte ich zuerst in Barchel zu tun. Da war der Hügel verschwunden. Der Landwirt, in dessen Acker sich der Hügel befand, hatte ihn noch rechtzeitig vor Inkrafttreten des niedersächsischen Denkmalschutzgesetzes zerstört und beseitigt.“

In dem Buch mit sympathischen Kleinigkeiten außerhalb der Norm und vielen Kuriositäten, begegnen dem Leser unter anderem die Oberkreisdirektoren Helmut Janßen und Gerhard Blume sowie Landrat Wilhelm Brunckhorst. Über den Kirchenmaler Rudolf Schäfer wird ebenfalls erzählt. Wolf-Dieter Tempels Buch „Am Rande der Archäologie“ gibt es im Isensee-Verlag-Oldenburg 2011 (ISBN 978-389995-764-8). Es hat 217 Seiten und kostet 15 Euro.

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