Drei Männer bringen Ordnung in das Magazin des ehemaligen Heimatbundes

Wahre Kostbarkeiten

Karl Döhmer (l.) und Peter Hoffmann mit einer der Grape, die bei den Arbeiten im Museumsmagazin plötzlich wieder auftauchten.

Rotenburg - ROTENBURG (bn) · Ein Trio unermüdlicher Männer ist zurzeit dabei, in das Magazin des Rotenburger Heimatmuseums – inzwischen im Besitz der Stadt Rotenburg – wieder Ordnung zu bringen: Karl Döhmer, Peter Hoffmann und Manfred Göx – alle im Ruhestand und von dem Wunsch getrieben, zum Teil sehr alte und einmalige Kostbarkeiten vor dem Zahn der Zeit zu retten. Deshalb wird das Magazin noch eine Weile dienstags und donnerstags ihr Arbeitsplatz sein. Döhmer, selbst ein begeisterter Sammler von Waagen und Gewichten, schätzt die Zahl der Einzelstücke auf 3000 bis 5000. Davon seien bisher, so Döhmer, 50 bis 60 erfasst.

Der ehemalige Mitarbeiter der Baudirektion der Oberfinanzdirektion Bremen: „Ich kann nicht zuschauen, wie unersetzliche Museumsstücke kaputtgehen. Das tut einem alten Sammler in der Seele weh, wie die Dinge hier langsam zerfallen.“ Die Stadt ist gern bereit, den selbstlosen Einsatz der drei Männer anzunehmen. Karl Döhmer hat sogar aus privaten Beständen das Material zum Behandeln der Museumsstücke mitgebracht.

Nach dem jüngsten Brand des Heimatmuseums, so der 65-Jährige, sei ein großer Teil der geretteten Stücke relativ ungeordnet im Magazin abgelegt worden. Ordnung und Pflege haben bisher auf sich warten lassen müssen. Die Bandbreite der musealen Stücke ist erheblich: Kreisarchäologe Dr. Stefan Hesse freut sich, dass er durch die Arbeit der drei Ehrenamtlichen die vermissten Grapen – es handelt sich um bronzene Dreibeintöpfe aus dem späten Mittelalter, gefunden bei Bauarbeiten – wieder in seinen Besitz nehmen kann. Das Handwerkszeug der Rotenburger Hutmacherin Isolde Altmann wurde gefunden, außerdem wichtige Teile aus dem Nachlass der Fotografen Hans und Gerhard Müller, weiterhin zahlreiche Trachten, die teilweise eine Reinigung mehr als nötig haben, die gefundenen Gemälde sollen überprüft werden, ob sie tatsächlich von Rudolf Schäfer geschaffen wurden, Karl Döhmer hat einen Teil seiner Sammlung im Magazin untergebracht und möchte den gesamten Schatz dem Museum einmal zur Dauerleihgabe machen. Eine Vielzahl an Handwerkszeug, zum Beispiel der Arbeitsbock eines Schusters, befindet sich im Magazin. Weiterhin Kaffeemühlen, originelle Wanduhren und alte Taschen, der Tornister und die Schiefertafel eines Abc-Schützen.

Dies sind nur wenige Beispiele, die sich fast nach Belieben ergänzen ließen. Zum großen Teil wahre Kostbarkeiten, die, bisher vielfach unbeachtet und dem langsamen Zerfall überlassen, durch die ehrenamtliche Arbeit der drei Freunde neuen Glanz bekommen. Allerdings wird das Reinigen, das Registrieren und Konservieren die Drei noch längere Zeit in Anspruch nehmen.

Solange wird auch Bauzeichnerin Monika Rebbin den Fußweg vom Rathaus zum Magazin machen müssen. Dienstags und donnerstags die Schlüssel hinbringen und auch wieder abholen. Aus Sicherheitsgründen wurde nach dem Willen der Ersten Stadträtin Ute Scholz dieser Weg gewählt. Karl Döhmer spricht von „ehrabschneidend“ und hatte vorgeschlagen, die ganze Prozedur über ein Schlüsselbuch zu regeln. Dazu Ute Scholz in einer Antwort an Döhmer: „Vielleicht ist Ihnen auch bekannt, dass man diese Schlüssel ganz leicht nachmachen kann, Schlüsselbuch hin und her, Papier ist geduldig. Wie dem auch sei, ich möchte nicht, dass dieses Durcheinander wie zu Zeiten des Heimatbundes wieder einkehrt!“

Die drei Männer, die das „Schlüssel-Scharmützel“ als eingestellt betrachten: „Wir möchten jetzt nur in Ruhe unsere selbst gestellte Aufgabe fortführen. Dabei wären wir für jegliche Unterstützung dankbar. Wenn also jemand helfen kann, dann ist er hochwillkommen.“

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