Öko-Durchlässigkeit an der Mühle wird nun doch mit Fischpass am Klappenwehr umgesetzt

Vorzugsvariante ist vom Tisch

An der Scheeßeler Wassermühle stehen die Turbinen zur Stromerzeugung künftig still. ·
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An der Scheeßeler Wassermühle stehen die Turbinen zur Stromerzeugung künftig still. ·

Scheeßel - Von Lars Warnecke. Für Dr. Jan Müller-Scheeßel und die Mitglieder des Scheeßeler Mühlenvereins dürfte es ein Schlag ins Gesicht gewesen sein:

Im Zuge der Verhandlungen über die Herstellung der ökologischen Durchgängigkeit der Wümme an der historischen Wassermühle haben die Wasserbehörden NLKWN (Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz) und Laves jetzt der sogenannten Vorzugsvariante, die einen Fischpass am Klappenwehr sowie einen Verbindungsarm zur Mühle vorsah, einen Riegel vorgeschoben. Der Mühlenwart spricht von einer „Vernebelungsstrategie“, sieht die Wasserkraftnutzung zur Stromgewinnung künftig stark beeinträchtigt. Die Gemeinde indes sieht sich nun angehalten, ohne Bypass weiterzuplanen.

Rückblick: Nach zäher Debatte hatte der Scheeßeler Gemeinderat im November vergangenen Jahres die Beschlussvorlage der Verwaltung einstimmig abgenickt. Diese sah vor, die mit Landesmitteln geförderte Vorzugsvariante weiter zu verfolgen. Durch das neue Gewässer sollte Fischen und Kleinstlebewesen, die der Hauptströmung folgen und von den Turbinen der Wasserkraftanlagen in ihrer Wanderung blockiert werden, ein Ausweichen ermöglicht werden. Sie hätten künftig so den Weg zum westlichen Parallelarm gefunden, der mit einer neuen Fischtreppe versehen worden wäre.

Damit der Bypass hätte gebaut werden können, sollte der Mühlenwart seine Flächen kostenlos zur Verfügung stellen – eine Bedingung, der er schon im Vorfeld der weiteren Verhandlungen sein Einverständnis erteilt hatte. „Das ist jetzt alles vom Tisch“, bedauert Müller-Scheeßel, der für die gekippte Vorzugsvariante den NLKWN und Laves verantwortlich macht. Bis zum Ratsbeschluss hätten beide Behörden ihre Bedingungen für einen Zuschuss zum Verbindungsgewässer noch gar nicht festgelegt, erst Anfang Januar sei dies der Fall gewesen, kritisiert er.

„Da die Behörden gegenüber jeglicher Wasserkraftnutzung grundsätzlich negativ eingestellt sind, war ein unscheinbar daherkommender Passus in dem Beschluss von entscheidender Bedeutung“, so der Mühlenwart. Darin heißt es wörtlich: „Wenn die Bedingungen für eine Förderfähigkeit der Vorzugsvariante nicht erfüllt werden, wird nur der Fischpass am Klappenwehr gebaut.“ 

Für Müller-Scheeßel ist klar: „Dieser Satz war für die Behörden quasi die Aufforderung, möglichst restriktive Bedingungen für eine Förderung zu formulieren, um auf diese Weise die Kompromissvariante und damit auch die Wasserkraftnutzung zu Fall zu bringen.“

Der Mühlenbesitzer selbst sollte nun Baumaßnahmen zum Fischabstieg durchführen. „Solche Standards werden aber nur von ganz wenigen Wasserkraftwerken in Deutschland erfüllt und im Übrigen auch gar nicht vom Gesetzgeber verlangt“, betont Müller-Scheeßel. Gleichzeitig sollte nach Vorstellungen der Wasserbehörden eine der Turbinen an der Mühle abgestellt werden, während die Zweite nur noch zu bestimmten Zeiten laufen dürfe. „Das ist unwirtschaftlich: Auf mich als Wasserkraftbetreiber wären so Baukosten in Höhe von rund 210 000 Euro zugekommen, während die Stromproduktion im Gegenzug nahezu gleich null wäre“, schildert er das Szenario.

Damit hätte sich die Vorzugsvariante seinen Worten nach als „Teil einer Vernebelungsstrategie gegenüber der Öffentlichkeit entpuppt“. „Ein echter Kompromiss“, zeigt sich der Mühlenwart enttäuscht, „ist von den Wasserbehörden zu keiner Zeit angestrebt worden.“

Da die Vorzugsvariante nun vom Tisch ist, wird die Öko-Durchgängigkeit ausschließlich am Wehr hergestellt, eine Wasserkraftnutzung zur Stromgewinnung ist so nicht mehr möglich. „Alle anderen Varianten, auch die von Herrn Dr. Müller-Scheeßel in der Diskussion aufgeführte Durchgängigkeit am Mühlengebäude selbst waren im vergangenen Jahr von allen Seiten bereits ausgeschlossen worden“, sagt Bürgermeisterin Dittmer-Scheele.

„Schade“, meint der Mühlenwart, „denn die ökologische Durchgängigkeit mit nur einem Fischpass zwischen den Mühlengebäuden bei gleichzeitiger Wasserkraftnutzung wäre genauso hergestellt wie mit nur einem Fischpass am Klappenwehr ohne Wasserkraftnutzung – dies besagt auch eine von den Wasserbehörden in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie.“ Eine Kooperation, die alle Seiten zufrieden gestellt hätte, wäre seiner Meinung nach also möglich gewesen.

Die Gemeinde Scheeßel will nun möglichst zügig die notwendigen weiteren Schritte zur Umsetzung der einfacheren Variante einleiten. Dass dies zu Lasten der Wasserkraftnutzung umgesetzt wird, findet die Verwaltungschefin „bedauerlich, auch wegen des Engagements des Mühlenvereins“. Allen Ratsmitgliedern sei aber wichtig, dass die Turbinen durch den Verein an einigen besonderen Tagen gezeigt und betrieben werden können. Der NLKWN habe dieser Forderung bereits zugesagt.

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