Stefan Gwildis begeistert mit Konzert beim „Kultursommer“

Zwischen Shakespeare und Heizdecke

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Stefan Gwildis ist die deutsche Stimme des Soul, Interaktion stand auch beim Konzert im Vordergrund. 

Visselhövede - Er kam, sah, und rockte das Zelt: Stefan Gwildis, die deutsche Stimme des Soul – für viele Besucher am Samstagabend unbestrittener Höhepunkt des Visselhöveder Kultursommers. Unprätentiös kommt er daher, der nette Typ von nebenan im schwarzen Schlabber-Shirt – um auf der Bühne zur Rampensau zu mutieren. Zum Eingangsstück, dem eingedeutschten „Ain´t no Sunshine“ begleitet er sich selbst mit Beatboxing und imaginärem Bass, und feiert Vissel ab, als wäre es die New Yorker Met - mindestens.

Dass er Bock hat, merkt man Gwildis bei jedem Lied an, bei jeder Ansage. Da kommt er schon mal von den Texten Heinz Erhardts auf die Augen-OP eines Nashorns, genießt das Kalauern, und das Publikum hängt an seinen Lippen. Die Visseler „Brothers and Sisters“ sind textfest – und werden mehr als einmal selbst zu Akteuren, sei es beim Backgroundchor zu „Sie ist so heiß“ (How sweet it is), oder wenn Gwildis sich immer wieder unter die Zuschauer mischt und auch gern mal das Mikro kreisen lässt.

Mit dem Hit „Spiel das Lied in Dir“ vom vorletzten Album hat der Hamburger Stimmung und Publikum bereits nach wenigen Minuten voll im Griff. Dass er nicht nur gute Laune kann und Musik, die nach vorn geht, beweist er nach den eingedeutschten Klassikern, die ihn bekannt gemacht haben, mit einigen Titeln des jüngsten Albums. Etwa in „Wie soll es gehen?“, in dem er zu Toleranz in der zunehmend multikulturelleren Gesellschaft aufruft. Und natürlich hat der ehemalige „Packer von Kakaosäcken“ auch hierzu eine Anekdote parat: „Mein Chef damals meinte immer: ‚Mach doch, wie du meinst, aber geh den anderen nicht auf’n Sack!‘“

Sein Ding zu machen, das scheint auch Gwildis‘ Lebensmotto zu sein: Mit seiner Mischung aus Flachsen und Frotzeln, Beatboxing – so schnell, dass selbst der kongeniale Tobi Neumann am Klavier Mühe hat, im Tempo nachzukommen –, Nachdenklichem und Heiterem, singt Gwildis über Beziehungen: gescheiterte, solche, die nicht sein dürfen und über das pralle Leben. Dass die Texte zu bekannten Klassikern sich vom Original entfernen und ihre eigenen Geschichten erzählen, macht den Reiz aus: Gwildis ist authentisch. Da wird die angekündigte „Verkaufsveranstaltung von Nö-Aufklebern und Heizdecken“ ebenso bejubelt wie wenige Momente später das an Shakespeares Sommernachtstraum angelehnte „Keines Menschen Auge“ mit wunderbar jazziger Improvisation von Tobi Neumann.

Für all das lieben Gwildis‘ Fans ihn – und zwar so sehr, dass er sich nach weit über zwei Stunden fast ein bisschen heimlich von der Bühne stehlen muss. 

hey

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