Neuer Versuch nach Sabotage

Zweites Messröhrchen sammelt Schadstoffe an der Goethestraße

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Gut versteckt unter dem Dach einer Informationstafel hatte Willi Reichert das Messröhrchen am Zernitz-Park angebracht und es dem NDR geschickt. Jetzt ermittelt ein Labor in der Schweiz, wie sauber oder dreckig die Luft an der Goethestraße ist.

Visselhövede - Von Jens Wieters. Auch wenn Unbekannte versucht haben, die Erfassung von Schadstoffen an der Visselhöveder Goethestraße zu verhindern, wird es Mitte/Ende Februar doch ein Ergebnis geben. Denn ein zweiter sogenannter Passivsammler hat in den vergangenen Wochen die Luft in der Innenstadt gefiltert – gut versteckt unter dem Dach einer öffentlichen Informationstafel.

Stickoxide in der Atemluft, daraus resultierende Fahrverbote für Dieselautos und viel Unsicherheit in der Bevölkerung: Diese Themen beschäftigen nicht nur die Menschen in den Großstädten, sondern auch in ländlichen Gebieten, wo die vermeintlich gute Landluft ihrem Ruf oft nicht mehr gerecht wird. Vor allem nicht an viel befahrenen Straßen – wie in der Visselhöveder Innenstadt. Auf der Bundesstraße fahren jeden Tag nicht nur Tausende Autos, sondern auch eine Vielzahl von schweren Lkw und landwirtschaftlichen Maschinen.

„Darum wollte ich mal wissen, wie es um die Luft dort bestellt ist“, sagt Willi Reichert. Der Schwitscher hatte sich für die Aktion des Norddeutschen Rundfunks beworben. Unter dem Motto „Was atmest du?“ will der Fernsehsender bei der nach eigenen Angaben „größten Luftmessaktion Norddeutschlands“ herausfinden, wie sehr die Luft in der Region mit Stickstoffdioxid belastet ist.

Der NDR wird die 1 000 Röhrchen, die in vielen Städten und Gemeinden Norddeutschlands Schadstoffe gesammelt haben, an ein Fachlabor in die Schweiz schicken. „Dort werden alle Messbehälter noch im Dezember ausgewertet. Im Januar und Februar 2019 wird an der Dokumentation sowie an einer interaktiven Schadstoffbelastungskarte gearbeitet, bevor Ende Februar die Ergebnisse auch ausgestrahlt werden“, teilt der NDR mit. 

Luftqualität ist ein Thema, was viele interessiert

Der hatte nach eigenen Angaben mehr als 5000 Bewerbungen bekommen. „Das Thema Luftqualität treibt offenbar viele um, Menschen aus Großstädten ebenso wie die vom Land, den Inseln und aus kleinen Gemeinden.“

So weit, so gut. Reichert hatte auch sein bestelltes Röhrchen Anfang November bekommen und es im Beisein unserer Zeitung mit Kabelbindern in rund zwei Meter Höhe direkt an der Goethestraße an einem Verkehrsschild angebracht. Dort sollte es gut zwei Wochen hängen bleiben, bevor es wieder zum NDR nach Hamburg geschickt werden sollte.

Aber nur ganze fünf Tage durfte das Röhrchen Partikel sammeln, dann war das Messgerät verschwunden. Es wurde einfach abgeschnitten. Auch darüber hatte unsere Zeitung berichtet. Aufgrund dieser Veröffentlichung hatte der NDR Willi Reichert ein zweites Röhrchen geschickt, dass der unter Einhaltung der genauen Vorgaben am Eingang des Dr.-Zernitz-Parks direkt an der Goethestraße unter dem Dach einer öffentlichen Infotafel angebracht hatte – dieses Mal natürlich ohne Öffentlichkeit.

Reichert hat das zweite Röhrchen bereits eingeschickt

„Jetzt hat das Messinstrument seine Arbeit getan und ich habe es zurück zum NDR nach Hamburg geschickt“, betont Reichert. Der verspürt aber keine Schadenfreude, den ignoranten Zeitgenossen durch das zweite Röhrchen ein Schnippchen geschlagen zu haben: „Darum geht es gar nicht. Ich finde aber, dass es eine gute und kostenlose Möglichkeit ist, zu erfahren, ob die Luft an der Goethestraße belastet ist oder nicht. Vielleicht kommt ja heraus, dass sie sehr sauber ist. Das wäre doch schön.“

Grundsätzlich könne man doch nicht die Augen vor der Thematik verschließen, denn „die Luft wird doch nicht dadurch besser, dass man das Messgerät entfernt“, gibt Willi Reichert dann doch einen kleinen Seitenhieb in Richtung der Saboteure seiner Aktion.

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