Oberschule wird zum Sanierungsfall / 50 Jahre altes Leitungssystem muss raus

„Zum Glück kein Schimmel“

Karin Stegmann untersucht die Schäden im Verwaltungstrakt der Schule. Fotos: Wieters

Visselhövede – Immer, wenn Antje Katzsch in den vergangenen Monaten zur Arbeit gegangen ist, hatte sie ein ungutes Gefühl. Denn die Sekretärin der Oberschule Visselhövede am Standort Auf der Loge saß in ihrem Büro nicht schön „warm und trocken“, wie man salopp gesagt meinen könnte. Ganz im Gegenteil: Moderiger Geruch hatte sich seit den vergangenen Sommerferien in dem Raum neben dem Lehrerzimmer breitgemacht. „Es war jetzt nicht mehr zumutbar, sie dort weiter arbeiten zu lassen“, so Schulleiter Ronny Wieland.

So verwaltet Antje Katzsch jetzt ein paar Meter weiter, im Lehrer-Arbeitszimmer, Schule und Schüler. In ihrem ehemaligen Büro klafft ein großes Loch im Boden. Das hat die Stadtverwaltung als Träger der Schule dort stemmen lassen, um der Ursache des muffigen Geruchs auf den Grund zu gehen.

Vor Beginn der Sanierungsarbeiten für die WC-Anlagen für Lehrer und Schüler, die ebenfalls umfassend sind und wohl eine sechsstellige Summe verschlingen werden, die im oberen Bereich angesiedelt sind, hat die Stadt Feuchtigkeitsmessungen vorgenommen und die vorhandenen Schmutzwasser- und Regenwasserleitungen untersucht.

Und darin liegt augenscheinlich auch die Ursache. Die alten Rohre ziehen sich kreuz und quer durch den Boden. „Und der besteht zu unserer Überraschung nicht aus Beton mit Stahlmatten, sondern aus einer gestampften Sand-Zementmischung, die als Sohle dient“, berichtete Karin Stegmann vom städtischen Gebäudemanagement dem Bauausschuss während einer Vor-Ort-Besichtigung.

Diese Art der Unterbodenkonstruktion sei vor 50 Jahren Stand der Technik gewesen, „und sie hat ja auch lange gehalten“. Aber nach all diesen Jahrzehnten müsse jetzt in den Bereichen, wo die Leitungen liegen, „gerissen werden“.

Und dass das nicht ganz billig wird, leuchtete auch den Laien unter den Ausschussmitgliedern ein. „Wir müssen quasi im Ausschlussverfahren nach der genauen Ursache forschen und uns Stück für Stück vortasten“, so Stegmann, die froh ist, dass es „keinerlei Schimmelbelastung in den Räumen gibt, sonst hätten wir einen umfassenden Sanierungsfall“. So zersetze sich die Kalk-Sandmischung nur und gebe die Feuchtigkeit frei.

Jetzt wird festgestellt, welche Wände und Bodenbereiche betroffen sind. „Dort werden der Putz abgeklopft und der Boden darunter erneuert, nachdem das entsprechende Rohrleitungssystem ebenfalls ausgetauscht wurde. Das ist alles fünf Jahrzehnte alt, und irgendwann muss man halt da ran“, so Stegmann.

Dass sich die Feuchtigkeit erst jetzt in den Räumen gebildet habe, liege auch daran, dass die Schule erst vor einigen Jahren energetisch saniert worden sei. „Die Fenster sind jetzt richtig dicht, und die Wände können ebenfalls nicht atmen, weil sie mal mit Latexfarbe gestrichen oder mit luftundurchlässigen Tapeten versehen worden sind. Da gibt es kaum noch einen Luftaustausch.“

Stegmann brachte die Möglichkeit einer Zwangsentlüftung für den eingeschossigen Verwaltungstrakt ins Spiel. Die ist nach Ansicht des Bauausschussvorsitzenden Dieter Carstens (CDU) aber „sehr, wenn nicht sogar zu teuer“.

Die Arbeiten sollen jetzt zügig beginnen und parallel dazu auch die WC-Anlagen in Angriff genommen werden. Auch dort guckte der Ausschuss sich um. Ganz mutige Kommunalpolitiker gönnten sich sogar mal ein Näschen voll. Den Gesichtsausdrücken anschließend zufolge war das kein Vergnügen.

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