Zukunft der Landwirtschaft

Landvolkverbände der Region diskutieren mit Bundestagskandidaten

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Zahlreiche Zuhörer bei der Podiumsdiskussion der Landvolkverbände mit den Bundestagskandidaten.

Visselhövede - Von Henning Leeske. Die Wölfe, die Agrarförderung, Nutztierhaltung, Biogas: Den Kreislandwirten Jörn Ehlers (Rotenburg) und Jochen Oestmann (Heidekreis) ist es während der Diskussion mit den Direktkandidaten zur Bundestagswahl des Wahlbezirks Rotenburg I/Heidekreis gelungen, alle brisanten Themen in der Landwirtschaft an einem Abend anzusprechen.

Gleich zu Beginn der Diskussionsrunde im Visselhöveder Hotel Pescheks fragten die beiden Moderatoren Ehlers und Oestmann die Politiker, was sie machen würden, wenn sie in der neuen Bundesregierung der zukünftige Landwirtschaftsminister sein sollten. Ob dieser ungeahnten Gestaltungsmöglichkeiten als Minister, waren die Kandidaten etwas überrascht und präsentierten die Programmpunkte ihrer jeweiligen Parteien.

Dynamische Diskussion

In einem dynamischen Wechsel hakten die Diskussionsleiter bei Themen zur Agrarförderung, Umweltpolitik, Nutztierhaltung und zum Biogas bei den Kandidaten nach. Dabei ließen sie auch kritische Fragen aus dem Publikum zu. Abschließend kam es dann zum emotionalen Thema Wolf.

Im Mittelpunkt stand aber auch die Frage nach der Förderung durch die EU-weite Agrarpolitik, die auf zwei Säulen beruht. Die erste Säule beinhaltet Direktzahlungen an Landwirte sowie die gemeinsamen Marktordnungen für einzelne landwirtschaftliche Erzeugnisse. Die zweite Säule zielt auf die Entwicklung des ländlichen Raums ab.

Moderatoren fragen, Kandidaten antworten: Das Podium war personell stark besetzt.

Lars Klingbeil (SPD) forderte zum Beispiel die weitere Verlagerung von der ersten Säule zur zweiten Säule der Agrarförderung im Sinne des Naturschutzes. Er vermutet auch weitere Konflikte in der Region durch die Biogasanlagen, und darum müsse „genau geguckt werden, wo diese Art der Energiegewinnung noch gebraucht“ werde. Weiter warnte er vor der Romantisierung des Wolfs in der Region. „Der Wolf muss lernen, bei uns zu leben und nicht andersrum“, so Klingbeil.

Uneinigkeit beim Thema Wolf

Kathrin Rösel (CDU) sprach sich für die Beibehaltung der beiden Säulen der Agrarförderung und damit für eine sichere Planbarkeit der Landwirte aus. Außerdem solle eine steuerfreie Risikorücklage für Jahre mit geringeren Erträgen möglich sein. „Die Talsohlen im Markt sollen nicht nur von den Erzeugern getragen werden“, sagte Rösel.

Beim Thema Pflanzenschutz wurde Rösel deutlich: „Kein Landwirt zerstört seinen Boden mutwillig, da er die Produktionsgrundlage ist und darum nachhaltig bearbeitet wird.“ Bei Schäden durch den Wolf forderte Rösel eine Beweislastumkehr und eine schnellere Zahlung der Entschädigung.

Ellen Gause (Grüne) will raus aus dem System des zwingenden Wachstums in der Landwirtschaft und dementsprechend die Förderung auf die zweite Säule der europaweiten Agrarpolitik fokussieren. „Außerdem muss der Ausstieg aus dem chemischen Pflanzenschutz forciert werden.“ Grundsätzlich sei sie für den Wolf, räumte aber beim bisherigen Vergrämen des Raubtiers Fehler ein. Gemeinsame Lösungen müssten laut der Grünenpolitikerin gefunden werden, um „aus dem Maisanbau rauszukommen, aber dennoch die erneuerbaren Energieträger weiter auszubauen“, so Gause.

Planungssicherheit für Klein- und Familienbetriebe gefordert

Agnes Hasenjäger (Linke) möchte nicht mehr nach Flächengröße fördern, sondern nur noch die Landwirte, die selber im Kleinbetrieb arbeiten. Außerdem sei die Ansiedlung des Wolfes gut, um den zu großen Wildbestand zu reduzieren.

Hendrik Jürgens (FDP) will keine Haftung des Jägers bei durch den Wolf verursachten Wildschäden. Er forderte außerdem eine „Planungssicherheit für die bäuerlichen Familienbetriebe und ein Weg von der Ideologie und zurück zur Logik.“

Günter Scheunemann (Freie Wähler) forderte „vereinfachte Vorschriften der Nutzung bei Resthöfen“ und keine Enteignung der Landwirte durch Naturschutz.

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