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Zukunft der Jeddinger Grundschule in der Diskussion

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Von: Jens Wieters

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Henning Vollmer (M.) sieht durchaus Ausbaumöglichkeiten in der Jeddinger Schule.
Henning Vollmer (M.) sieht durchaus Ausbaumöglichkeiten in der Jeddinger Schule. © Wieters

Der Visselhöveder Bauausschuss will die Gebäudesubstanz der Jeddinger Schule untersuchen lassen, um zu entscheiden, wie es mit dem Standort weitergeht.

Jeddingen – Ja, die Grundschule Jeddingen mit ihren rund 100 Schülern soll erhalten bleiben – aber nicht um jeden Preis. So lässt sich der Beschluss des Visselhöveder Schulausschusses zusammenfassen, der sich vor Ort nicht nur über das Konzept einer Ganztagsbetreuung von Schulleiterin Sabine Darboven informieren ließ, sondern sich auch ein Bild über das Gebäude und das Außengelände gemacht hat.

Zuvor hatte die WiV den Antrag eingebracht, dass die Politik den Erhalt der Schule „bekräftigt“ und alle „erforderlichen Maßnahmen zur Einrichtung einer Ganztagsschule“ einleite. Das Wort „bekräftigt“ wurde vom Ausschuss durch ein „befürwortet“ ersetzt, weil „wir sonst recht festgenagelt wären und kaum eine andere Lösung mehr herbeiführen könnten“, wie Ausschussvorsitzender Robert Rabe (SPD) betonte. Er wolle aber diese Umformulierung „nicht als Zeichen in die eine oder andere Richtung“ gewertet wissen, sondern er möchte sich alle Möglichkeiten offen lassen.

Darum hat der Ausschuss zwar die von der WiV geforderte „Einleitung aller Maßnahmen“ mit vier Ja-Stimmen bei fünf Enthaltungen auf den Weg gebracht, aber auch eine Arbeitsgruppe ins Gespräch gebracht, die zunächst die Schulstruktur und die gesamten Schülerströme der Stadt betrachtet und dann ein Gesamtkonzept „Ganztag“ erarbeitet. Ob dieser Weg beschritten wird, entscheidet der Stadtrat bei seiner Sitzung am Donnerstag, 31. März, ab 19 Uhr in der Oberschule Auf der Loge.

Hintergrund dieses Beschlusses ist die Möglichkeit der Eltern, ab dem Schuljahr 2026/2027 ihre Kinder, beginnend mit der Klasse eins und danach schrittweise, in den anderen Klassen ganztägig in der Grundschule betreuen zu lassen. „Eine Umfrage unter den Eltern hat ergeben, dass von 114 Eltern, die ihre Kinder dann in Jeddingen unterrichten lassen, 110 einen Ganztagsplatz wünschen“, so Sabine Darboven. Sie möchte, „wenn alles so klappt, wie von uns geplant“, gleich mit allen Klassen in den Ganztag gehen.

Denn in den kommenden Jahren würden ausreichend Kinder vorhanden sein, „sodass wir regelmäßig Erstklässler in einer und auch in zwei neuen Klassen begrüßen dürfen“. Zur Umsetzung einer Betreuung bis weit in den Nachmittag braucht es aber mindestens einen Multifunktionsraum, in dem die Kinder unter anderem ihr Mittagessen einnehmen können.

Während des Rundgangs im Vorfeld der Sitzung brachte Ausschussmitglied und Jeddingens Ortsbürgermeister Henning Vollmer (CDU) die Möglichkeit ins Spiel, die alten Garagen und den Abstellraum entsprechend umzubauen. Darauf wollten sich die anderen Ausschussmitglieder aber nicht festlegen. Ihnen wird zunächst ein Sachverständiger die Bausubstanz der Schule insgesamt erläutern.

„Aber“, betonte Michael Senkbeil (CDU), „die Schülerzahlen sprechen eine deutliche Sprache, dass der Schulstandort erhalten bleiben muss.“ Das beratende Ausschussmitglied Uwe Knüffel, selbst Lehrer in Jeddingen, erwartet von der Politik „endlich ein eindeutiges Signal“, wohin die Reise geht. „Gedanklich stehen wir nämlich schon lange auf der Kippe.“

Robert Rabe unterstrich, dass „unsere Entscheidung, wie auch immer die irgendwann ausfällt, für alle Bürger der Stadt transparent und nachvollziehbar sein muss“.

Pädagogin Sabine Darboven möchte, dass der „Fokus auf die Kinder gelegt wird“. Denn auch die bekämen mit, dass über eine Schließung der Schule nachgedacht werde. „Ich bekomme sogar schon Fragen von Kindern, ob sie dann ihre Klassenlehrerin behalten würden.“

Ein deutliches Signal bei dieser Thematik sendete der Ausschuss allerdings in Richtung Kastaniengrundschule in Visselhövede. Denn auch sie hatte den Bau einer Mensa gefordert. Die Schule bietet zwar schon eine Ganztagsbetreuung an, zum Mittagessen geht es aber in die Oberschule. „Das ist für uns zeitlich viel zu knapp“, begründete die kommissarische Rektorin Julia West den Antrag. „Das kann man sicherlich organisatorisch auch anders lösen“, begründete Michael Senkbeil seine Ablehnung. Mathias Haase von der Verwaltung erinnerte daran, dass es mit einem Mensabau alleine nicht getan sei: „Dann braucht man auch noch Personal.“

Der Ausschuss war sich bei sechs Nein-Stimmen und drei Enthaltungen einig, dass der Antrag der Kastanienschule vorerst nicht weiter behandelt wird.

Jetzt muss man Farbe bekennen

Ein Kommentar von Jens Wieters

Irgendwann muss man selbst als Kommunalpolitiker Farbe bekennen, auch wenn man sich mit einigen Entscheidungen keine Freunde macht. So sind Visselhövedes Parteien jetzt gefordert, klar mitzuteilen, ob sie auch weiterhin auf den Schulstandort Jeddingen setzen, oder die Grundschüler der Stadt lieber in der Kastanienschule samt Campus ganztägig betreuen lassen. Darum ist es schon merkwürdig, dass der Ausschuss den Erhalt der Jeddinger Schule jetzt nur „befürwortet“, aber nicht „bekräftigt“, wie von der WiV gefordert. Das klingt schon wieder nach Herumeierei wie bereits bei der Feuerwehr, als sich niemand so recht getraut hat zu sagen, dass die Schwitscher Wehr schon bald aufgelöst wird. Aber Aussitzen kann die Politik das Schulproblem nicht: In vier Jahren haben die Eltern Anspruch auf eine Ganztagsbetreuung – ob in Jeddingen und/oder in Visselhövede. Klar, erst einmal muss gecheckt werden, ob es sich wirtschaftlich lohnt, das Gebäude in Jeddingen umzubauen, denn schließlich – Emotionen hin oder her – muss gut auf das Geld der Allgemeinheit geachtet werden. Aber dennoch müssen die Politiker möglichst schnell ihren Hintern in der Hose beweisen, und eine Entscheidung für oder gegen Jeddingen treffen. Es gibt für beide Varianten sicher eine Fülle von Argumenten, aber lieber eine falsche Entscheidung als gar keine – nicht zuletzt im Sinne der Kinder.

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