Hundezüchter wird im Internet massiv angegriffen / „Das ist schon Rufmord“

Zoff um Alex und Arabella

Heinrich Kuhlmann misst nach: 24 Quadratmeter groß ist der Zwinger, in dem Alex und Arabella leben.
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Heinrich Kuhlmann misst nach: 24 Quadratmeter groß ist der Zwinger, in dem Alex und Arabella leben.

Visselhövede – Für die einen ist er der beste Freund, für andere ist jedes Bellen einfach nur nervig. So manche gute Nachbarschaft ist beim Thema Hundehaltung schon in die Brüche gegangen. Nicht selten werden bei dem Thema auch Gerichte bemüht. „Und das behalte ich mir jetzt auch vor“, sagt Heinrich Kuhlmann aus Visselhövede. „Denn das, was jetzt anonym auf Facebook und auf der Straße über mich verbreitet wird, ist schon Rufmord oder zumindest üble Nachrede.“

Kuhlmann wohnt in einem Haus an der Rotenburger Straße. Im weitläufigen Areal dahinter hat der Rentner einen überdachten Zwinger aus Holztafeln und Wellblech gezimmert, in dem zurzeit zwei Schafpudel leben. Die Hunde Alex und Arabella haben vor der Hütte einen Auslauf, dessen Boden mit Betonplatten versiegelt ist. Das Ganze ist von einem mehr als mannshohen Zaun umgeben.

Kuhlmann nimmt einen Zollstock und misst nach: „Sechs mal vier Meter, das sind 24 Quadratmeter. 20 brauchten es nach dem Tierschutzgesetz nur sein.“ Ein paar Schritte weiter guckt ein Welpe durch den Maschendraht seiner Hundehütte. „Das ist der letzte aus dem Wurf meiner Hündin, die nur versehentlich tragend geworden ist. Für den suche ich noch ein neues Zuhause.“

Und genau das hat offenbar für einen Aufschrei in den sozialen Medien gesorgt, denn kaum hatte Kuhlmann eine entsprechende Anzeige aufgegeben, wurde in der Gruppe „Vissel aktiv“ auf Facebook gegen ihn zwar nicht namentlich, sondern nur als „Person“ gewettert und Tierfreunden von einem Kauf abgeraten, weil „die Elterntiere nur im Zwinger eingesperrt“ seien, und mit ihnen nie spazieren gegangen werde. Anwohner würden die Hunde andauernd bellen hören, selbst nachts viele Stunden lang. Kuhlmann, der sich angesprochen fühlt, weil es „keinen anderen Schafpudelzüchter in der Stadt gibt“, widerspricht: „Die Hunde haben neben dem Zwinger im Garten einen großen Auslauf, auf den ich sie regelmäßig lasse. Sie bellen in der Regel nur, wenn ein Fremder in die Nähe kommt, oder ein Fuchs oder ähnliche Tiere.“

Im Internet wurde auch gepostet, dass die Elterntiere einen verwahrlosten Eindruck machen würden. „Das Fell des Rüden war sehr dreckig, verfilzt und es hingen viele Blätter und Zweige drin“, heißt es auf Facebook vom 7. August. Die „Person“ habe jedes Jahr Welpen, und so lange diese gekauft würden, werde die „Person“ fröhlich weiter machen, quälen, schlagen und damit Geld verdienen. Es folgt die gepostete Bitte von einem „Mike“: „Bitte kauft nicht Welpen bei solchen Vermehrern, nur weil sie so süß, vielleicht auch billig sind oder euch leid tun. Damit wird das Quälen der Hunde nur unterstützt.“

Dass sein Rüde keinen Schönheitspreis gewinnen würde, ist auch Kuhlmann klar: „Er hat offenbar als Junghund schlechte Erfahrungen gemacht, darum lässt er sich nicht so einfach scheren. Das hat jetzt ein Tierarzt gemacht, der ihn vorher sediert hat.“

Die anderen Welpen aus dem Wurf seiner Hündin hätten im Raum Visselhövede eine neue Heimat gefunden, „und die Besitzer sind auch sehr zufrieden, da können sie jeden fragen“. Er halte seit 60 Jahren Tiere, überwiegend Hunde, und noch nie sei „irgendetwas“ vorgefallen.

Dennoch bekommt Kuhlmann häufiger Besuch vom Veterinäramt des Landkreises. „Erst vor drei Wochen waren die bei mir und haben attestiert, dass alles in Ordnung ist“, hebt Kuhlmann hervor, der vermutet, dass jemand ihm die Hundezucht vermiesen will, indem der die Behörde einschaltet.

„Der Landkreis geht grundsätzlich jeder eingehenden Anzeige so zeitnah wie möglich nach. Eine aktive Recherche in den Weiten der sozialen Netzwerke kann jedoch nicht erfolgen“, betont Landkreis-Sprecherin Christine Huchzermeier, die aber nicht auf den konkreten Fall im Detail eingeht.

Eine Hobbyzucht, also die nicht gewerbsmäßige Zucht von Hunden, sei nicht erlaubnispflichtig und müsse auch nicht angemeldet werden. Insofern seien der Kreisverwaltung private Zuchten in der Regel nicht bekannt und könnten nur kontrolliert werden, wenn Beschwerden vorlägen.

„Maßgeblich für die rechtliche Beurteilung sind neben den Grundsätzen des Tierschutzgesetzes die Vorgaben der Tierschutz-Hundeverordnung. Diese beinhalten jedoch derzeit aber allgemeine Haltungsvorschriften und sind nicht auf die Zucht ausgelegt. Die sich aktuell in der Rechtssetzung befindliche neue Version der Tierschutz-Hundeverordnung wird hier wahrscheinlich konkretere Vorgaben machen“, glaubt Huchzermeier.

Insofern erfolge eine Kontrolle aufgrund der fachlichen Erfahrungen. Geschaut werde zum Beispiel hinsichtlich der Gestaltung der Wurfkiste, der möglichen Umgebungstemperaturen, Rückzugsmöglichkeiten oder dem Gesundheitszustand und das Alter der Hündin. „Welpen dürfen erst ab dem Alter von acht Wochen vom Muttertier getrennt werden. Eine Hauptaufgabe des Züchters ist die ausreichende Sozialisierung der Welpen in dieser entscheidenden Lebensphase. Weiche Komponenten wie ausreichende Sozialkontakte mit anderen Hunden und den betreuenden Menschen oder Spaziergänge sind jedoch schwer beweisbar zu kontrollieren“, schränkt die Verwaltungssprecherin ein.

Tipps aus dem Veterinäramt

Jeder potenzielle Käufer eines Welpen sollte sich darüber im Klaren sein, dass Hunde hochsoziale Lebewesen seien, die von Natur aus in Rudeln lebten, heißt es aus dem Kreishaus. „Man übernimmt Verantwortung für ein Lebewesen, muss viel Zeit, Geduld und Geld investieren, um den individuellen Bedürfnissen des Tieres Rechnung tragen zu können.“ Entschieden werden müsse, welche Rasse der Hund habe und wo er herkommen soll. So stelle sich die Frage, ob „Sonderangebote“ von der Autobahnraststätte der richtige Start für die gemeinsamen nächsten zwölf Jahre seien. Von einer gewerblichen Zucht geht der Landkreis laut Mitteilung dann aus, wenn drei oder mehr fortpflanzungsfähige Hündinnen gehalten oder drei oder mehr Würfe pro Jahr im Haushalt stattfinden. Gewerbliche Zuchten brauchen vor Aufnahme ihrer Zucht einer Erlaubnis nach Paragraf elf des Tierschutzgesetzes. Diese Erlaubnis erteilt das zuständige Veterinäramt. Neben den Räumlichkeiten wird hier auch die Sachkunde des Züchters überprüft.

Die morgendliche Begrüßung fällt herzlich aus.

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