Umbau aber frühestens 2020

Rollstuhlfahrerin kritisiert Zustand des Visselhöveder Bahnsteigs

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Linda Rickowski muss mindestens 24 Stunden vor Fahrtantritt beim Bahnunternehmen Erixx anrufen, damit sie Hilfe beim Einstieg bekommt. „Spontan Bahn fahren, ist nicht möglich.“

Visselhövede - Von Jens Wieters. „Heute habe ich mal richtig Glück“ freut sich Linda Rickowski. Was für viele Nutzer der Bahn völlig normal ist, nämlich das Einsteigen in einen Waggon, ist für die Rollstuhlfahrerin ein größeres Problem – zumindest am Visselhöveder Bahnhof, der diesen Namen eigentlich nicht mehr verdient.

Heute ist aber ein Helfer des Unternehmens Erixx dabei. Und der klappt eine Edelstahlrampe herunter, als der Zug hält. Mit seiner Hilfe und eigener Muskelkraft rollt Rickowski in den Zug.

Rund 40 Zentimeter Höhenunterschied muss der Rollstuhl dabei überwinden. Ohne Rampe ein Ding der Unmöglichkeit. Darum hat sich die Visselhövederin an die Stadt gewandt, „um vielleicht von dort Hilfe zu bekommen, dass dieser unmögliche Zustand geändert wird“.

Eine lange E-Mail hat die Rollstuhlfahrerin an das Bauamt geschickt. Darin wird aufgelistet, was in Visselhövede für Rollifahrer gut erreichbar ist. „Supermärkte, Straßen und viele andere Dinge – oft barrierefrei, nur der Bahnhof ist eine einzige Enttäuschung“, schreibt Rickowski.

Spontanes Reisen - für Rollstuhlfahrer in Visselhövede nicht möglich

„Rollstuhlfahrer können zwar hinter dem Gebäude das erste Gleis erreichen, aber nur unter größten Anstrengungen, denn die schräge Auffahrt ist sehr steil und mit Schlaglöchern durchsetzt“, sagt die freie Autorin.

Die hat sich mittlerweile daran gewöhnt, dass sie mindestens 24 Stunden vor Fahrtantritt bei dem Bahnunternehmen anrufen muss, damit auch sichergestellt ist, dass ihr jemand vom Personal beim Einsteigen hilft und eine mobile Rampe im Zug ist. „Also, mal spontan nach Bremen, ist nicht“, so Rickowski.

Eigentlich sei die Rampe des Errixx viel zu kurz für den Höhenunterschied. Die Arbeit, einen Rolli in den Zug zu bringen, sei obendrein sehr anstrengend. „Manch ein Zugbegleiter verweigert die Hilfe sogar, sodass ich, besonders wenn der Zug voll mit Fußballfans ist, schon das eine oder andere Mal stehengelassen wurde.“ Aber dem Erixx-Personal will Rickowski keine Vorwürfe machen, „die bemühen sich wirklich und der Zug wechselt sogar schon mal das Gleis, wenn ich nicht in Richtung Bremen, sondern in Richtung Uelzen fahren möchte“, schlimm seien aber die baulichen Zustände am Bahnsteig.

Die Stadt kann sich engagieren - handeln muss die Bahn

So griff die Visselhövederin selbst zu Bleistift und Lineal und zeichnete eine festinstallierte Rampe, die ihrer Meinung nach schnell zu verwirklichen sei und wohl auch nicht viel kosten würde. Über Letzteres könne sie sich allerdings keine Gedanken machen, weil „alles, was mehr als ein Brot kostet, mein Budget übersteigt“, hat sie dem Bauamt geschrieben.

Allerdings kann die Stadt nicht einfach eine Rampe bauen, da ihr der Bahnsteig nicht gehört, Eigentümer ist nämlich die Bahn AG.

Aber dennoch hat Visselhövedes Bauamtsleiter Gerd Köhnken sofort Kontakt zur Bahn aufgenommen und bekräftigte per Mail die von Rickowski geschilderten Umstände, „die für körperlich behinderte Menschen nicht haltbar“ seien. Köhnken würde sich jedenfalls freuen, wenn die Bahn kurzfristig Maßnahmen ergreifen würde, mit denen Rollstuhlfahrern und gehbehinderten Personen eine problemlose Zugfahrt vom Visselhöveder Bahnhof aus ermöglicht werde, heißt es in der Mail.

Bahn plant den Umbau

Die Antwort der Bahn ließ nicht lange auf sich warten. Peter Ochse vom Bahnhofsmanagement Bremen/Osnabrück betonte, dass der Bahnhof Visselhövede im Rahmen des Projekts „Niedersachsen ist am Zug“ barrierefrei ausgebaut werde. „Wir befinden uns jetzt in der Phase der Vorplanung. Der Umbau wird frühestens 2020 erfolgen, einen genaueren Termin können wir nicht mitteilen“, so Ochse.

Der Bahnmann erteilt auch Rickowskis Rampen-Idee eine Absage: „Die vorgeschlagene Planung dürfen wir aus Gründen der Verkehrssicherheit nicht bauen.“ Alle Baumaßnahmen unterlägen einer Prüfung des Eisenbahn-Bundesamts, das für eine derartige Anlage keine Genehmigung erteilen würde.

„Dann muss ich die nächsten Jahre wohl auf freundliche Erixx-Zugbegleiter hoffen und auch darauf, dass möglichst wenig Fußballfans mitfahren“, seufzt Linda Rickowski.

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